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Mieses Spiel um den Jesteburger Wochenmarkt

Will den Wochenmarkt von den Mitarbeitern der Tourist-Info organisieren lassen: Hans-Jürgen Börner (SPD)
 
Kaufleute-Chef Henning Erdtmann möchte die Wochenmarkt-Einnahmen für Projekte des neuen Vereins nutzen

Hans-Jürgen Börner (SPD) will GeWerbekreis Einnahmequelle nehmen / Kaufleute-Chef Henning  Erdtmann: "Stehe dann nicht mehr zur Verfügung!"



mum. Jesteburg. Dass der ehemalige NDR-Mann Hans-Jürgen Börner (SPD) gern hinter den Kulissen die Strippen zieht und seine Günstlinge geschickt in Szene setzt, ist in Jesteburg bekannt. Wehe dem aber, der sich Börners Visionen widersetzt - oder gar eigene Pläne hat. Dann kann es ungemütlich werden. Genau das erlebt jetzt Henning Erdtmann, der Vorsitzende des Jesteburger GeWerbekreises. Im Gegensatz zu Börner, der mit aller Macht den jetzigen Status des Kaufleute-Vereins beibehalten möchte, setzt sich Erdtmann für eine Neuausrichtung ein (das WOCHENBLATT berichtete).
Gemeinsam mit Bernd Jost warb Erdtmann zuletzt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für einen Neuanfang. Aus dem Zusammenschluss für Kaufleute soll ein Verein werden, dem Leute angehören, denen Jesteburg am Herzen liegt. "Wir für Jesteburg" lautet das Motto. Das Konzept kam an! Bis auf eine Ausnahme - nämlich Hans-Jürgen Börner - stimmten alle anwesenden Mitglieder für die Umwandlung. Börners Argumenten wollten die Kaufleute nicht folgen. Zudem kritisierte Jost: "Wenn es darum ging, anzupacken, habe ich Herrn Börner noch nie gesehen."
Nun folgt Börners Retourkutsche: Er stellte den Antrag, dass die Gemeinde dem GeWerbekreis das Marktrecht entzieht und an die Jesteburger Tourist-Info (TI) überträgt. Die TI-Mitarbeiter sollen künftig Kooperationspartnerschaften in eigener Regie organisieren. Börner argumentiert unter anderem, dass die TI weitere Einnahmequellen benötigt. "Der Wochenmarkt wäre ein erster und notwendiger Schritt", so Börner. Tatsächlich kostet die TI die Gemeinde viel Geld. Im vergangenen Jahr standen Aufwendungen in Höhe von 96.000 Euro Erträgen von etwa 23.000 Euro gegenüber. Das Defizit betrug 73.000 Euro. Beim Wochenmarkt geht es übrigens um Einnahmen in Höhe von jährlich 5.000 Euro.
Anlass für sein Handeln sei laut Börner ein Schreiben von Edgar Romanowski. Dieser habe Ende des Jahres Bürgermeister Udo Heitmann (SPD) gebeten, den Wochenmarkt in seine Hände zu geben. Dazu muss man wissen, dass Romanowski lange Zeit als Vorstandsmitglied des GeWeberkreises für den Wochenmarkt verantwortlich war. Im Streit schied der Jesteburger aus dem Vorstand aus und warf damit auch den Posten als Marktleiter hin.
"Für unsere künftige Ausrichtung ist der Wochenmarkt wichtig", sagt Erdtmann. "Mit den Einnahmen von etwa 5.000 Euro hätten wir genug Geld zur Verfügung, um Projekte im Ort zu unterstützen, ohne dabei ständig bei der Gemeinde um Zuschüsse zu bitten." Erdtmanns Vision für den neuen Verein besteht auch darin, dass jeder sich einbringen kann - ohne einen hohen Mitgliedsbeitrag zu entrichten. "Wenn uns der Markt und damit auch die Einnahmen genommen werden, dann macht es aus meiner Sicht keinen Sinn mehr, über die Neuausrichtung zu diskutieren", stellt Erdtmann klar. "Ich stehe dann nicht mehr zur Verfügung." Zuletzt hatte es viele positive Signale von Bürgern und Geschäftsleuten gegeben, sich in dem neuen Verein zu engagieren. Aufgrund Börners Antrag hat Erdtmann vorerst alle Planungen gestoppt.
Unterstützung bekommt Henning Erdtmann von Britta Witte. Die CDU-Fraktionsvorsitzende macht deutlich, dass sie von dem Antrag nichts hält. "Der Wochenmarkt wird seit fast zehn Jahren erfolgreich vom GeWerbekreis ehrenamtlich betreut. Die daraus resultierenden Einnahmen werden wiederum in ehrenamtliche Projekte, die dem Ort zugute kommen, investiert." Die CDU sei der Auffassung, dass das Betreiben eines Marktes nicht zu den Aufgaben einer Touristik-Information gehört. "Möglichen Einnahmen von etwa 5.000 Euro im Jahr stehen wahrscheinlich auch noch erhöhte Kosten innerhalb der TI gegenüber sowie weitere Kosten für die bisher vom GeWerbekreis geleisteten Veranstaltungen", so Witte. "Wir werden diesem Antrag nicht zustimmen, da wir keine Notwendigkeit sehen und nicht vorhaben, das ehrenamtliche Engagement des GeWerbekreises - wie immer er sich künftig auch aufstellen wird - zu untergraben."
Auch Marktbeschicker machten in einem Schreiben deutlich, dass sie mit dem GeWerbekreis als Partner zufrieden sind. "Wir fühlen uns gut betreut", heißt es in einem Schreiben, das dem WOCHENBLATT vorliegt.
• Der Börner-Antrag wird vermutlich in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am Mittwoch, 18. April, um 19 Uhr in der Seniorenbegegnungsstätte am Sandbarg diskutiert.

Auf ein Wort:
Die Retourkutsche eines Beleidigten

Der Antrag von Hans-Jürgen Börner macht eines deutlich: Der TV-Rentner hat jeglichen Sinn für die Realität verloren! Seit fast zehn Jahren wird der Wochenmarkt ehrenamtlich von Mitgliedern des GeWerbekreises organisiert.
Die Einnahmen kommen ausschließlich Projekten in Jesteburg zugute (unter anderem wurde davon der Weihnachtsmarkt und das Maibaum-Fest finanziert). "Daran wird sich auch künftig nichts ändern", verspricht Erdtmann.
Börner will dem Verein aber die finanzielle Grundlage entziehen. Statt eigenständig haushalten zu können, wäre der Verein auf Mittel der Gemeinde angewiesen. Wozu das führt, müsste Börner eigentlich wissen. In jeder Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur, dessen Vorsitzender er ist, beantragen Vereine Geld für ihre Projekte.
Warum Börner zudem glaubt, der Wochenmarkt würde in den Aufgabenbereich der TI-Mitarbeiter passen, erschließt sich mir nicht. Auf mich wirkt das Verhalten des SPD-Politikers wie das eines beleidigten Mannes, der nicht einsehen will, dass seine Ideen nicht mehr gefragt sind.
Sascha Mummenhoff