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Mit Tränen in den Augen

Das Stück „Als die Tiere streikten“ begeisterte das Publikum (Foto: Loretta Wollenberg)

„Als die Tiere streikten“ begeisterte das Publikum / Nur Politiker waren nicht dabei.

mum. Jesteburg. Am Ende des Stücks „Als die Tiere streikten“ blieb es ganz still im Saal. „Man hätte eine Stecknadel fallen hören können“, erinnert sich Regisseurin Loretta Wollenberg. Hatte es den Zuschauern etwa nicht gefallen? Die 17 Darsteller im Alter von sechs bis 16 Jahren waren erschrocken. Erst allmählich setzte der Applaus ein, der dann schnell zu der erhofften echten Bestätigung für die großartige Leistung der Nachwuchsdarsteller heranwuchs. Die Erklärung für den Moment der Stille folgte später bei der Premierenfeier im Jesteburger Gemeindehaus. „Viele der Zuschauer sagten, sie hätten geweint. Sie mussten erst wieder zu sich kommen, weil sie so sehr berührt waren“, so Wollenberg.
Eine schönere Anerkennung hätte es für die Akteure nicht geben können. Fast eineinhalb Jahre hatten sich die Jugendlichen - angeregt durch Erich Kästners „Konferenz der Tiere“ - unter der Regie von Loretta Wollenberg mit den „großen Themen unserer Zeit“ beschäftigt, hatten dem Zeitgeist ins Auge geschaut und ihn in kurzen Sketchen eingefangen. Themen waren Blind Dates, der Besuch beim Öko-Bauern, herumfliegende Coffee-to-go-Becher und der Verfall der Sprache. Die aktuellen Reden von Politikern wurden aufs Korn genommen. Dazu bildeten Tiere den Gegenpart. Sie beobachteten den Verfall und die Gleichgültigkeit der Menschen, um schließlich auf einer großen Konferenz in Hamburg einzugreifen. Vergeblich, denn keiner der Politiker war bereit, sich anzuhören, was die Tiere zu sagen hatten. Das Spiel der Tiere entpuppte sich gegen Ende des Stücks als Versuch der Jugendlichen, sich endlich Gehör zu verschaffen. „Schließlich geht es doch um die Welt, die morgen ihre sein wird“, erklärt Wollenberg. „Es geht um ihre Zukunftsvisionen.“ Aus dem Spiel wurde ein Appell an das Publikum. Mit beeindruckenden, nachdenklichen Bildern wurde ein Katastrophenalarm simuliert, während die Jugendlichen von ihren Gefühlen und ihrer Zukunft sprachen. Das Schlussbild: Roter Nebel, Dunkelheit - nacheinander erscheinen die jüngsten Darsteller mit leuchtenden Kerzen im Zuschauerraum, die älteren Jugendlichen stehen mit leuchtenden Friedenstauben auf der Bühne. Ein beeindruckendes Bild, das die Besuchern tief bewegte.
„Leider waren von den Politikern, denen dieser Appell zum Erhalt unserer Erde, der Umwelt, des Friedens und der Menschlichkeit doch galt, an beiden Vorstellungen keiner unserer Einladung gefolgt“, kritisiert Wollenberg. „So setzt man auch ein
Zeichen für die Jugend. Würde man sie fragen, sie würden das Stück überall noch einmal spielen, um gehört zu werden.“