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Pornokonsum zum Ausgleich

Referenten und Einladende des Fachtags (v. li.): Karl Sören Michaelis ("Wendepunkt"), Carsten Bünger (Polizeiinspektion Harburg), Gabriele Fried (Landkreis Harburg), Peter Brehmer (Stadt Lüneburg), Helga Hansen (Stadt Stade), Kai Schepers (Landkreis Harburg), Diana Krohn (Kinderschutzbund Landkreis Harburg), Eleonore Tatge (Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen) (Foto: Landkreis Harburg)

50 sozialpädagogische und psychologische Fachkräfte bilden sich zum Thema Pornografie weiter.

(mum). Pornografie ist im Internet immer und überall verfügbar. Damit haben auch Jugendliche die Möglichkeit, pornografische Beiträge im Internet anzusehen. Eine Option, die die jungen Menschen je nach Entwicklungsstand auch nutzen. Etwa 50 sozialpädagogische und psychologische Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen sowie Vertreter der Polizei waren deshalb der Einladung des Arbeitskreises "Blickpunkt" ins Gemeindehaus St. Marien nach Winsen zu einem Fachtag gefolgt. Im Fokus standen die Auswirkungen von Pornografie-Konsum auf die sexuelle Entwicklung junger Menschen.
Der Arbeitskreis ist ein Netzwerk von Fachkräften aus Polizei und Beratungsstellen für die Landkreise Harburg und Lüneburg sowie die Städte Lüneburg und Stade. Ziel des Arbeitskreises ist, sinnvolle Beratungsangebote für sexuell auffällige Jugendliche und junge Erwachsene zu etablieren.
Zwei Referenten vermittelten in ihren Vorträgen Informationen zum Umgang mit Mädchen und Jungen, die frühzeitig in Kontakt mit Pornografie kommen sowie zum Konsum und Einfluss im Jugendalter. Ebenso erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die polizeiliche Ermittlungsarbeit in Kinderpornografiefällen.
So räumte der Psychologe Karl Sören Michaelis mit Mythen der Pornografie auf und zeigte, wie alltäglich Pornografie genutzt wird. Im Weiteren stellte er Hypothesen auf, welche Wirkungen Pornografie bei jungen Menschen entfalten könnte. Exemplarisch berichtete er aus seiner Beratungspraxis beim Verein "Wendepunkt", einer Beratungsstelle für sexuell auffällige Minderjährige und junge Erwachsene in Hamburg.
Helge Jannink, Psychologie- und Sexualpädagoge beim bundesweiten Institut für Sexualpädagogik, spannte den Bogen vom aktuellen Forschungsstand zur praktischen Arbeit mit Jungen und Mädchen in Schule und Jugendhilfe. Beide Referenten verdeutlichten, dass die meisten jungen Menschen Pornografie unproblematisch nutzen. Zu Beginn der Pubertät schauen sich Mädchen und vor allem Jungen pornografische Inhalte aus eigenem Antrieb beispielsweise als Mutprobe an, fänden diese dann aber meist ekelig. Bei vielen Jugendlichen wird der Pornografiekonsum unwichtig, wenn erste reale Beziehungen viel intensivere Emotionen wecken. Dennoch gäbe es junge Menschen, bei denen Pornokonsum eine Ausgleichsfunktion hat, die aber - wie etwa bei Alkoholkonsum - weniger mit dem Medium zu tun hat, als mit ungelösten Problemen in Familie, Schule oder dem Freundeskreis. Diese jungen Menschen müssten von Hilfeangeboten erfahren und motiviert werden, diese auch zu nutzen. Hilfreich wäre zudem, wenn mehr junge Menschen mit Erwachsenen eine Verständigungsebene finden würden, um über ihre Erlebnisse im Netz zu sprechen.
Die Teilnehmer des Fachtags erhielten außerdem Einblick in die Ermittlungsarbeit der Polizei bei der Verbreitung von Kinder- oder Jugendpornografie. Interessant dazu: Auch junge Menschen können sich in dem Bereich strafbar machen, wenn sie etwa als gerade Volljährige, der noch minderjährigen Freundin Nacktbilder von sich zusenden oder wenn Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren intime Bilder, die nur für sie bestimmt waren, an Dritte weiterleiten.