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„Respekt und ein liebevoller Umgang“

Roger Grewe (re.) und sein Assistent Daniel Meynle (3. v. re.) im Kreis der Bewohner der neuen Hausgemeinschaft. (Foto: DRK)

DRK feiert neue Hausgemeinschaft im „Haus am Steinberg“ / Seit elf Jahren erfolgreiche Seniorenbetreuung.

mum. Hanstedt. Doppelten Grund zur Freude gibt es derzeit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Hanstedt. Die neue Hausgemeinschaft im „Haus am Steinberg“ startete Anfang Februar. Zudem feiert das Zentrum Anfang März elfjähriges Bestehen. Das nahm WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff zum Anlass für ein Interview mit DRK-Kreisverbands-Geschäftsführer Roger Grewe.

WOCHENBLATT: Was ist das „Haus am Steinberg“?
Roger Grewe: Das „Haus am Steinberg“ ist das Zuhause von Senioren mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Diesem haben wir in vollem Umfang Rechnung getragen durch das vielseitige Angebot aus betreutem Wohnen, Senioren-Tagesbetreuung und den rund um die Uhr betreuten Hausgemeinschaften. Damit kann jeder ältere Mensch die Unterstützung und Pflege in Anspruch nehmen, die er in seinem jeweiligen Lebensabschnitt benötigt.

WOCHENBLATT: Was genau geschieht in der Senioren-Tagesbetreuung?
Grewe: In der Senioren-Tagesbetreuung, die bis zu fünfmal pro Woche besucht werden kann, verbringen Senioren gemeinsam den Tag mit kochen, backen, singen, spielen, diskutieren, reden - kurz allem, was Abwechslung bietet. Zudem steht ein Fahrdienst zur Verfügung.

WOCHENBLATT: Bitte erklären Sie den Begriff „Betreutes Wohnen“.
Grewe: Das „Betreute Wohnen“ beim DRK wird mit vielerlei technischen Hilfen und durch Mitarbeiter so begleitet, dass es auch die Bezeichnung verdient. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass die Bezeichnung sehr häufig von Bauträgern und Investoren strapaziert wird, um mit so genanntem seniorengerechten Wohnen in teuren Eigentumswohnungen das schnelle Geld zu verdienen.

WOCHENBLATT: Wie funktionieren die Hausgemeinschaften?
Grewe: In den Hausgemeinschaften leben elf ältere und alte Menschen zusammen. Dort hat jeder sein eigenes kleines Reich, in das er sich zurückziehen kann. Zentraler Punkt ist die großzügige Wohnküche, in der der Einzelne täglich von morgens bis abends die Gesellschaft mit Mitbewohnern pflegen kann. Es finden kleine und größere Aktivitäten statt. Unter der Leitung von hauswirtschaftlichen Präsenzkräften, die den ganzen Tag in der Hausgemeinschaft wirken, wird die Gemeinschaft unter Beachtung des Distanz- und Näheprinzips geführt. Wir respektieren die Eigenheiten und die jahrzehntelang erworbenen Besonderheiten, die jeder Mensch hat und in die Gemeinschaft mitbringt.

WOCHENBLATT: Was macht die Hausgemeinschaften aus?
Grewe: Ich glaube, dass der respekt- und liebevolle Umgang mit unseren Bewohnern und das Eingehen auf ihre individuellen Bedürfnisse uns auszeichnet. Vor dem Hintergrund, dass von zumeist privaten Anbietern auch der Begriff Hausgemeinschaften verwandt wird, muss man in allen Fällen genau hinsehen, ob es sich denn auch tatsächlich um solche handelt. Ein wesentliches Indiz dabei ist, dass eine Hausgemeinschaft sich selbst versorgt und es nicht zentrale Bereiche wie Küche und Wäscherei gibt. Derartige Einrichtungen sind aus meiner Sicht keine Hausgemeinschaften, sondern benutzen lediglich die Bezeichnung als falsches Etikett.

WOCHENBLATT: Welche Qualifikation hat Ihr Personal?
Grewe: Selbstverständlich übernehmen bei uns gut ausgebildete Pflegekräfte die Pflege unserer Bewohner - soweit erforderlich und gewünscht. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Auswahl unserer Mitarbeitern, denn wir sind schon besonders. Das sollten auch unsere Mitarbeiter sein. Dabei kommt der Einstellung und der Liebe zu älteren Menschen eine besondere Rolle zu. Ich bin froh und dankbar, Mitarbeiter gefunden zu haben, die diese Philosophie mittragen und jeden Tag leben und - das ist besonders wichtig - selbst auch Spaß an der Arbeit mitbringen. Aus meiner Sicht ist Betreuung, Beschäftigung, Respekt und ein liebevoller Umgang das Wichtigste in der Begleitung von älteren Menschen. Im Grunde ist genau das - neben einem generationsübergreifenden Miteinander - das Besondere am „Haus am Steinberg“.

WOCHENBLATT: Was zeichnet das „Haus am Steinberg“ noch aus?
Grewe: Eine Besonderheit ist, dass bereits von Beginn an, also seit 2005, eine Kindertagesstätte mit mehr als 80 Plätzen, integriert wurde. Dieses in der Fachwelt seinerzeit viel beachtete Projekt hat sich überaus bewährt und bietet diverse Möglichkeiten der generationenübergreifenden Arbeit.

WOCHENBLATT: Wie kam es dazu, dass Sie sich für die Erweiterung entschieden haben?
Grewe: Für die Erweiterung haben wir uns in erster Linie entschieden, um der hohen Nachfrage nachzukommen und weiteren Senioren ein neues Zuhause anbieten zu können. Mit 35 Wohnungen, 78 Plätzen in den Hausgemeinschaften, 15 in der Senioren-Tagesstätte sowie 50 Kita- und 30 Krippenplätzen und insgesamt 110 Mitarbeitern haben wir nun alle räumlichen Möglichkeiten an diesem Standort ausgeschöpft.

WOCHENBLATT: Seit elf Jahren gibt es das „Haus am Steinberg“. Wie fällt Ihr Rückblick aus?
Grewe: Rückblickend haben wir damals die richtige Entscheidung getroffen, eine Alterswohn- und Betreuungsalternative neben dem bestehenden Angebot für Senioren im Landkreis Harburg zu schaffen. Es war seinerzeit ein großes finanzielles Wagnis für unseren DRK-Kreisverband mit einem Investitionsvolumen von 14 Millionen Euro. Die Entscheidung, dieses Projekt zu verwirklichen, war von großer Emotion geprägt und ich bin unserer Verbandsführung unter seinem heutigen Präsidenten Norbert Böttcher sehr dankbar für das überaus große Vertrauen.

WOCHENBLATT: In welche Richtung wird sich das „Haus am Steinberg“ entwickeln?
Grewe: Ich glaube, dass sich das „Haus am Steinberg“ ebenso entwickelt wie wir uns selbst. Wobei den Handelnden hierbei eine entscheidende Rolle zukommt. Wenn es der Einrichtung gelingt, auch zukünftig auf Grundlage seines Alleinstellungsmerkmales gute und engagierte Mitarbeiter zu gewinnen, bleibt es eine unverzichtbare Größe in unserer Region. Mit seinem innovativen Konzept und seiner Philosophie, die auf nichts anderem basiert als auf Normalität, Respekt und Nächstenliebe, wird das „Haus am Steinberg“ weiter erfolgreich sein.

WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.