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Sammlung für die Ewigkeit: Das Unternehmer-Ehepaar Sobottka möchte in Jesteburg ein Porzellan-Museum eröffnen

So stellt sich das Ehepaar Sobottka ihr Porzellan-Museum vor (Foto: oh)
 
Die Porzellan-Uhr von Dahli mit dem Titel "Zerfließende Zeit" ist streng limitiert
mum. Jesteburg. Nur eine verrückte Idee oder das Zugpferd, das die Gemeinde Jesteburg touristisch ganz weit nach vorn bringt? Seitdem vor ein paar Wochen Margot (79) und Horst Sobottka (74) ihre Pläne eines Porzellanmuseums öffentlich machten, wird das Thema im Ort heiß diskutiert.
Auf einem Grundstück an der Ecke Waldweg/Landesstraße 213 nahe des Lohofs, das ihnen gehört, will das Unternehmer-Ehepaar ein Porzellan-Museum errichten. Die Pläne wurden bereits im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur diskutiert.
"Wir besitzen einen großen Fundus wertvoller Stücke", sagt Margot Sobottka. "Es wäre einfach tragisch, wenn diese Schätze in irgendwelchen Kisten verschwinden."
Das Ehepaar lebt zurückgezogen am Rande Jesteburgs. "Uns ist es nicht wichtig, dass wir in der Öffentlichkeit stehen", sagt Margot Sobottka. Dem Paar würde Jesteburg am Herzen liegen. Bereits seit 1968 wohnen sie in der Samtgemeinde.
Jahrzehntelang führte das Eheepaar am Lüneburger Tor in der Harburger Fußgängerzone ein Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. "Porzellan ist für uns aber nicht nur ein Geschäft, sondern auch eine große Leidenschaft." Aus diesem Grund sammelten die beiden Jesteburger zahlreiche Objekte, deren Wert nur schwer zu ermittelt sein wird. Für Sammler dürfte es sich, da sind sich Experten einig, um einen unbezahlbarer Schatz handeln. "Wir sind nicht mehr die Jüngsten und haben keine Kinder", so Margot Sobottka. "Mir liegt es sehr am Herzen, dass diese Kunst nicht verloren geht."
Die Sobottka-Sammlung umfasst das gesamte Spektrum der Porzellan-Kunst. Unter anderem historische Raritäten wie ein kleines Parfümfläschchen, das um 1709 entstanden ist. Zur Sammlung gehören aber auch moderne Objekte. Etwa die Porzellan-Uhr von Dahli mit dem Titel "Zerfließende Zeit". Sie wurde in einer sehr limitierten Auflage produziert. Darüber hinaus besitzen die Sobottkas Objekte aller bekannten europäischen Porzellan-Manufakturen.
Diese große Sammlung möchte das Ehepaar dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dazu wollen sie ein eingelagertes Niedersachsenhaus (12 mal 21 Meter) auf ihrem Grundstück aufbauen lassen. Darin sollen auf 240 Quadratmetern Fläche ein Ausstellungsraum, eine Hausmeisterwohnung und Kreativräume entstehen. In einem Anbau soll zudem ein Café eingerichtet werden. Eine Stiftung könnte später das Museum tragen.
In der Jesteburger Politik wird das Thema kontrovers diskutiert: "Das Projekt ist sehr interessant und passt gut zu den Themen Kunst und Kultur in Bendestorf und Jesteburg", lautet die Empfehlung der Verwaltung. Die hochwertigen Stücke dürften ein Fachpublikum aus Deutschland und dem europäischen Umfeld anziehen.
Allerdings: Nicht unproblematisch ist die Standortauswahl. Das Grundstück liegt im Landschaftsschutzgebiet. In einem Beratungsgespräch beim Landkreis Harburg seien die Sobottkas sowohl seitens der Gemeinde als auch von Vertretern des Landkreises auf eine sehr schwierige und langjährige Planung hingewiesen worden.

Die Geschichte des Pozellans:
Die Geschichte des "weißen Goldes" reicht zurück bis ins 7. Jahrhundert. In China wurde unter der Sui- und der Tang-Dynastie zum ersten Mal Porzellan hergestellt. Da die daraus gefertigten Gegenstände so beliebt und teuer waren, wurde die Zusammensetzung lange Zeit von den wenigen Produzenten geheim gehalten.
Der Abenteurer Marco Polo (1254-1324) war es, der um 1300 auf seinen Fernreisen durch China Porzellan kennenlernte und es mit nach Europa brachte.
Viele Jahre später entstanden Porzellanmanufakturen in Wien (1718) und im Londoner Stadtteil Chelsea (1745). Das Haus Fürstenberg an der Weser eröffnete 1747 eine eigene Porzellanmanufaktur. Im selben Jahr kam auch die Nymphenburger Produktionsstätte in München hinzu. 1763 wurde die "Königlich Preußische Porzellan-Manufaktur" (KPM) in Berlin gegründet.

Kommentar:
Daumen hoch für ein spannendes Projekt
Alle Projekte, die Jesteburg bislang nach vorn bringen sollen, haben eines gemeinsam: Sie kosten - früher oder später - Steuergeld. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Hunderttausende sind, die etwa in das Kunsthaus fließen, oder verhältnismäßig kleinere Beträge, mit denen die Naturbühne oder das Podium unterstützt werden.
Geld der Gemeinde! Das wollen Margot und Horst Sobottka nicht. Ihnen geht es darum, einen großen Schatz für die Nachwelt zu sichern. Sollte sich das Unternehmer-Paar in diesem Punkt treu bleiben, wäre das Porzellanmuseum tatsächlich eine große Bereicherung für Jesteburg. Und verdienst eine ehrliche Chance.
Sascha Mummenhoff