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Verständnis für Flüchtlinge bei Kaffee und Kuchen

6.500 Kilometer in Not und Elend: Hussein Almur (2. v. li.) aus dem Nordsudan zeigt beim Treffen Jutta Elberling seinen Leidensweg bis in die Nordheide (Foto: Peter Dermühl)
 
Auf ein Neues: Nach den guten Erfahrungen beim Treffen der Jesteburger mit den Flüchtlingen in der Samtgemeinde macht Irmgard Smolarek (mit Plakat) auf den nächsten Termin aufmerksam (Foto: Peter Dermühl)
Jesteburger treffen Asylsuchende: Überraschend großes Interesse im Gemeindehaus

mum. Jesteburg. Die 6.500 Kilometer sind schnell zurückgelegt. In weniger als 30 Sekunden hat Hussein Almur (19) aus dem Nordsudan den Weg aus seiner politisch zerütteten Heimat in die Nordheide mit dem Finger auf der Karte des alten Schulatlasses nachgezeichnet. Im evangelischen Gemeindehaus in Jesteburg sitzt Jutta Elberling vom Flüchtlings-Helferkreis neben ihm und ist sichtlich erschüttert über den dramatischen Lebensweg des jungen Sudanesen, der auf seiner Flucht kaum fassbares Elend erlebt hat.
Ähnlich betroffen waren die knapp 50 Besucher aus Jesteburg und Umgebung, die der Einladung des Helferkreises ins Gemeindehaus zu einem Treffen mit mehr als 50 Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten in der Samtgemeinde gefolgt waren. Johanna Lehmberg, Initiatorin des 2014 gegründeten Helferkreises, war angetan vom Zuspruch der Bürger: "Eigentlich hatten wir für dieses erste Treffen einen deutlich kleineren Rahmen geplant und sind jetzt völlig überrascht vom Interesse der Bevölkerung am Schicksal der Flüchtlinge in der Gemeinde."
Etwa 120 Asylbewerber aus den Krisengebieten in Westafrika, Somalia, im Sudan, im Iran, sowie in Syrien, Afghanistan und Georgien wohnen derzeit in Unterkünften der Samtgemeinde. 60 weitere werden dieses Jahr noch erwartet - maximal 200 Flüchtlinge kann Jesteburg aufnehmen, heißt es.
Zwei Tische von Hussein Almur und Jutta Ebeling entfernt sitzt Martina Martens mit ihrem Mann Helmut und spielt bei Kaffee und Kuchen ein offensichtlich sehr spannendes Kartenspiel mit dem Sudanesen Silman (19). Er ist nach der Flucht vor Verfolgung im Sudan und einer lebensgefährlichen Bootsfahrt übers Mittelmeer seit acht Monaten in Jesteburg und fragt langsam auf Deutsch nach den Regeln des Spiels. Martina Martens ist erstaunt, wie gut der Junge die fremde Sprache schon beherrscht. Gleichzeitig freut sie sich über die angenehme Atmosphäre im voll besetzten Saal des Gemeindehauses. "Wir sind hierher gekommen, weil wir die Menschen kennenlernen wollen", sagt Dorle Mossau. Sie ist glücklich, dass von ihrem Blätterteiggebäck mit Fisch, das sie in Rücksicht auf die Muslime gebacken hat, kaum mehr etwas da ist. Im Zuge des Helferkreises betreut sie seit einem Jahr eine Familie aus Somalia.
Der ehrenamtlich tätige Helferkreis mit derzeit rund 30 Bürgern aus Jesteburg, Bendestorf, Harmstorf und Lüllau wollte mit dem Treffen erstmals eine Begegnungsmöglichkeit für Einwohner und Flüchtlinge schaffen. Die Anteilnahme der Jesteburger am Schicksal ihrer neuen Mitbürger auf Zeit hatte sich bisher in eher engen Grenzen gehalten. Johanna Lehmberg: "Die Leute haben sich entweder nicht getraut mitzuhelfen oder fühlten sich nicht angesprochen"
Nach den guten Erfahrungen des ersten Treffens haben die Helfer gleich den nächsten Termin festgemacht. Er findet am Samstag, 20. Juni, im Gemeindehaus statt. Künftig werde es in Abstimmung mit der Jesteburger Flüchtlingshelfer-Initiative "Café Farbenfroh" jeden dritten Samstag im Monat ein Miteinander im Saal des evangelischen Gemeindehauses geben.