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Chance oder Zeitverschwendung?

Unter anderem auf dieser Fläche soll das neue Sandbarg-Quartier entstehen
 
Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz: „Der Verdacht liegt nahe, dass diese neue Initiative unsere Ansiedlung verhindern soll." (Foto: Famila)

Über die Sandbarg-Pläne von Architekt Ulrich Salvers gehen in Jesteburg die Meinungen auseinander.

mum. Jesteburg. Architekt Ulrich Salvers (Artrium Architekten) und Projektmanager Jörg Ruschmeyer (May & Co. Wohn- und Gewerbebauten) scheinen mit ihrem Konzept für ein neues Wohn-Quartier am Sandbarg in Jesteburg in ein Wespennest gestochen zu haben. Die Reaktionen der Leser fielen sehr unterschiedlich aus. Manche finden das Projekt schlicht zu groß, andere erhoffen sich davon eine Attraktivitätssteigerung des Ortes und vor allem die Lösung des Verkehrsproblems entlang der Hauptstraße. Wie berichtet, stellten die beiden Männer im Bauausschuss ihr Konzept „Ortskernerweiterung Jesteburg - Wohnen, Arbeiten, Einkaufen ‚Am Osterberg‘“ vor. Es sieht vor, dass im Bereich zwischen der Bahnstrecke im Norden, der Straße „Sandbarg“ im Westen, der Straße „Am Osterberg“ und der Straße „Am Trunhoop“ im Osten unter anderem ein Nahversorgungszentrum und Wohnbebauung realisiert werden sollen. Konkret geht es um mehr als 100 Wohneinheiten und Gewerbe auf fast 10.000 Quadratmetern. Besonders im Fokus steht dabei die sogenannte Kernentlastungsstraße. Ein Kreisel an der Harburger Straße (vor der Eisenbahn) soll den Verkehr über das Grundstück des Jesteburger Hofs entlang der Bahntrasse über den Sandbarg hinweg in das Gewerbegebiet Allerbeeksring führen.
Das sagt die Politik zu den Plänen:
• CDU: Bauausschuss-Vorsitzende Britta Witte wollte sich auf Nachfrage nicht weiter zu dem Projekt äußern. „Wir treffen uns kommende Woche zu einer Klausurtagung. Danach wird es eine Stellungnahme geben“, so Witte. Während der Sitzung hatte die Fraktionschefin erklärt, dass das Projekt interessant sei. Man aber auch vertraglich an Famila gebunden sei.
• FDP: „Ein interessantes Projekt mit tollen Chancen für Jesteburg. Wir sollten diese Möglichkeit nutzen, um unsere Verkehrs- und Einkaufsprobleme zu lösen“, sagt FDP-Ratsherr Philipp-Alexander Wagner. „Ich würde mir wünschen, dass alle Ratsmitglieder die sich ergebenden Chancen ergebnisoffen prüfen.“ Frank Gerdes ergänzt: „Aus meinen Gesprächen mit vielen Jesteburgern weiß ich, wie sehr das Sandbarg-Center gewollt ist. Mit dem Konzept der Investoren ist der Sandbarg zu einer ehrlichen und besseren Alternative zum Festplatz geworden.“
• UWG Jes!: „Ein städtebauliches Gesamtkonzept, das die Ortsmitte (wieder)beleben würde und viele Jesteburger Pro-
bleme lösen könnte. Zusätzlicher Wohnraum für Senioren und Familien in der Dorfmitte, eine Verkehrsentlastung für die Hauptstraße und die Itzenbütteler Straße und ein zeitgemäßes Versorgungsangebot, das, fußläufig erreichbar, den Jesteburger Einzelhandel befruchten würde“, schwärmt UWG-Chef Hansjörg Siede. Der nächste Schritt sei der Abschluss einer Planungsvereinbarung, die verbindlich die Jesteburger Interessen festschreibe.
• SPD: „Diese Vorschläge haben den Nachteil, dass sie aktuell nicht mit den rechtlichen Rahmenbedingungen kompatibel sind“, sagt SPD-Fraktionschef Helmut Pietsch. „Selbst wenn man einiges korrigieren kann, so dass es eine abgespeckte Form gibt, bleibt ein erhebliches Zeitproblem. Allein um die angedachte Straße entlang der Bahnlinie zu bauen, braucht es viele Jahre.“ Pietsch geht von bis zu zwölf Jahren aus, bis tatsächlich an der Stelle ein neuer Verbrauchermarkt entstehen würde. „Also ist dieser Standort keine Alternative für den Baubeginn von Famila auf dem ehemaligen Festhallen-Gelände.“
Interessant: Offensichtlich bewertet man das Konzept innerhalb der SPD unterschiedlich. Cornelia Ziegert, Mitglied des Bauausschusses, schwärmte geradezu von dem Sandbarg-Quartier. „Da ist alles drin, was wir in Jesteburg brauchen.“
• Die Grünen: „Wir teilen die Begeisterung für das Projekt nicht“, sagt Grünen-Fraktionschefin Birgit Heilmann. „Architekt und Investor haben nämlich nur gesagt, dass sie einen Teil der Kosten für den geplanten Straßenbau übernehmen wollen. Ob überhaupt Fördergelder gewährt werden, steht noch in den Sternen. Wir sind entsetzt darüber, mit welcher Naivität und Leichtfertigkeit andere Ratsmitglieder die Verstädterung Jesteburgs vorantreiben wollen. Naiv nennen wir die Pläne deshalb, weil sie den Bau einer sogenannten Kernentlastungsstraße beinhalten, die nicht nur den Abriss des Jesteburger Hofs, sondern auch den Bau einer Fußgängerbrücke über die Bahn und den Bau eines Tunnels unter der Bahn ins Gewerbegebiet vorsehen.“ Die Grünen sind zudem nicht bereit, eine Heidefläche, Hügelgräber und einen Wanderweg zugunsten eines Einkaufszentrums zu opfern.
• Der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss hat am Mittwochabend beschlossen, dass die Fraktionen das Thema zunächst intern beraten sollen. Dann kommt es wieder auf die Agenda des Bauausschusses.

Famila: „Diese Initiative will unsere Ansiedlung verhindern!“

(mum). Sollte die Gemeinde tatsächlich in Erwägung ziehen, Gewerbe auf dem Sandbarg-Areal anzusiedeln, stellt sich die Frage, was aus der geplanten Famila-Ansiedlung auf dem ehemaligen Festhallen-Areal wird. Projektmanager Jörg Ruschmeyer hatte während der Sitzung angedeutet, dass Famila statt auf dem ehemaligen Festhallen-Areal auch am Sandbarg seinen Supermarkt eröffnen könnte. Ruschmeyer sei davon überzeugt, das Areal am Ortsausgang anders nutzen zu können - für Wohnbebauung oder eine Erweiterung der Oberschule.
Von der Idee, an den Sandbarg zu ziehen, hält man bei Famila in Kiel nichts. „Das Ergebnis der Entwicklung am Sandbarg beobachten wir mit der gebotenen Distanz. Das Genehmigungsverfahren wird aus verschiedenen Gründen derart problembehaftet sein, dass es sich über Jahre hinziehen wird“, so Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz. „Der Verdacht liegt nahe, dass diese neue Initiative unsere Ansiedlung verhindern soll. Jedenfalls besitzt Investor May den Rewe-Markt in Jesteburg. Diesen könnte sie mit einigem guten Willen in das neue Projekt am Sandbarg umsiedeln, ohne Famila weiter zu behindern.“ Famila halte an dem Objekt am Schützenplatz fest. „Nach unserer Einschätzung steht es kurz vor der Genehmigung.“ Lahrtz weist darauf hin, dass „der Kaufpreis des Schützenplatz-Grundstücks in die Kassen Jesteburgs und nicht in die privater Eigentümer fließt. Den Finanzen der Gemeinde werden dadurch neue Möglichkeiten ermöglicht“. Famila wehre sich nicht gegen Entwicklungen am Sandbarg, sondern möchte kurzfristig auf dem Festplatz eine attraktive Verkaufsfläche errichten. „Das ist im Interesse der Bürger“, so Lahrtz.

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