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Das WOCHENBLATT ist kein Parteiblatt

Britta Witte (CDU) gefällt die Berichterstattung im WOCHENBLATT nicht (Foto: oh)

Die Berichterstattung bleibt kritisch, auch wenn es die CDU nicht möchte - ein Kommentar von Sascha Mummenhoff.

Ist Reimer Siegel (FDP) ein großer Populist? Sein Vorschlag, das Kunsthaus dicht zu machen und die Immobilie zu verkaufen, garantiert ihm Schlagzeilen. Zudem spricht er vielen Jesteburgern aus der Seele. Im Gemeinderat wird sein Antrag dennoch keine Mehrheit finden. Niemand wagt es, dieses heiße Eisen anzupacken. Dabei gibt es in den Reihen von CDU und SPD durchaus Politiker, die sich hinter vorgehaltener Hand bereits im vorigen Jahr für das Aus des Kunsthauses aussprachen. „Doch das kann man in Jesteburg nicht offen sagen“, so ein Mitglied des Wirtschafts- und Kulturausschusses.
Dabei wäre eine kritische und öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Kunsthaus genau der richtige Weg, um die Bürger abzuholen. Doch davon ist Jesteburg meilenweit entfernt. Stattdessen wünscht man sich offensichtlich eine weniger kritische Presse. So schreibt CDU-Frontfrau Britta Witte:
„Mit dem Ausscheiden der HAN hatte ich gehofft, das WOCHENBLATT würde sich weg von der Bild-Mentalität hin zu einer sachorientierten und auf Bürgerinformation setzenden Zeitung entwickeln... . Da ich Ihnen nicht unterstelle, dass Sie Zusammenhänge und manchmal auch durchaus komplexe Themenbereiche nicht verstehen, bleibt leider nur der Schluss, Sie haben ein perfides Interesse, in Jesteburg mit dieser Art der negativen Berichterstattung Stimmung zu erzeugen. Egal, ob Oberflächenentwässerung, Oberschule, Kunsthaus, Clement-Grundstück - über alles wird aus einem negativen Blickwinkel heraus berichtet.“
Offensichtlich verwechselt Britta Witte die CDU-Mitgliederzeitschrift mit einer unabhängigen Zeitung, deren vornehmste Aufgabe es sein sollte, sich kritisch mit politischen Entscheidungen auseinanderzusetzen. Vielleicht fühlt sich Britta Witte aber auch persönlich angegriffen. Als Vorsitzende des Jesteburger Bauausschusses verantwortet sie viele der zuletzt häufig kritisierten Projekte mit.
Man kann Reimer Siegel nur die Daumen drücken, dass sein provokanter Antrag, das Kunsthaus zu verkaufen, andere Politiker motiviert, sich kritisch zu hinterfragen. Siegel tut es und kommt zu einem plausiblen Ergebnis: „Wird das Kunsthaus verkauft, entfallen die jährlichen Zuschüsse sowie Mittel, die für Renovierungsarbeiten benötigt werden.“ Der FDP-Mann möchte das Geld für das Schwimmbad, die Seniorenbetreuung, den Wegebau oder die Verschönerung des Ortes verwenden. Und damit käme es deutlich mehr Jesteburgern zugute als jetzt. Wie hat es Siegel doch so treffend in seinem Antrag geschrieben: „Niemand wird das Kunsthaus vermissen. Ich bin sicher, der größte Teil der Bürger würde einem Verkauf freudig und erleichtert zustimmen.“
Etlichen verantwortlichen Politikern in Jesteburg sei vor diesem Hintergrund empfohlen, sich einen Vers von Immanuel Kant zu Herzen nehmen: „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen, um dich aus deiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien“.
Sascha Mummenhoff

Ein Lese-Tipp:
Reimer Siegel: "Niemand wird das Kunsthaus vermissen!