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Der Pfad der Fragezeichen

UWG-Mitglieder um Hansjörg Siede (2. v. li.) stellten am Mittwoch einen Platzhalter für das "Spiegelhaus" am Pastorenteich auf, um die Dimensionen zu verdeutlich (Foto: mum)
 
Stößt mit ihren Ideen nicht überall auf Gegenliebe: Kunstexpertin Isa Maschewski

Gemeinderat hält in Nibelungentreue zu Kunstpfad-Kuratorin Isa Maschewski / Kirche übt Kritik.

mum. Jesteburg. Kaum etwas wird in Jesteburg politisch so kontrovers diskutiert wie der Kunstpfad. Dabei geht es nicht darum, die Arbeit der Künstler zu bewerten, viel mehr stehen Umsetzung und Standorte in der Kritik. Deutliche Worte fand UWG Jes!-Chef Hansjörg Siede während einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur (WTK). "Sieben Jahre der Planung reichten bislang nicht aus, um ein tragfähiges Gesamtkonzept zu erarbeiten, geschweige denn, es in der Bevölkerung zu verankern." Steuergelder seien für die professionelle Beratung durch die Kunstexpertin Isa Maschewski ausgegeben worden. "Doch trotz ihrer vielfältigen Bemühungen ist auch in den vergangenen drei Jahren nichts entstanden." Die Eröffnung sei mehrfach verschoben, die angedachten Kunstwerke mehrfach überarbeitet worden. Siedes Zitat stammt aus dem Mai vergangenen Jahres. Danach hat sich entlang des Kunstpfades tatsächlich etwas getan. Nur die Begeisterung hält sich im Grenzen - zumindest bei den Bürgern (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach).
Nun hat es am Mittwochabend im Gemeinderat den nächsten Schlagabtausch in Sachen Kunst gegeben. Diesmal ging es um das "Spiegelhaus" - einen Kubus mit einer Seitenlänge von jeweils drei Metern - zwischen Dorfbrunnen und Pastorenteich in der Nähe des Spethmann-Platzes. Kaum jemand wusste, dass Maschewski das Objekt an diesem Standort plant. Um so größer war der Aufschrei, als die Planungen bekannt wurden. Doch SPD, CDU und Grüne verhinderten mit ihren Stimmen, dass über den Standort neu nachgedacht wird.
Das wiederum ruft die Kirche auf den Plan. Pastorin Ellen Kasper sagt stellvertretend für den Kirchenvorstand der St. Martins Kirche: "Wir erwarten, auch aufgrund der dezidierten Stellungnahme des Kirchenvorstandes 2012 zur Umgestaltung des Spethmann-Platzes, dass die politische Gemeinde uns in ihre Planungen einbezieht. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die Planung zu diesem zentralen Platz in der  Dorfmitte neben der Kirche und dem Geist des Ortes rund um den Pastorenteich konzeptlos ist und einer Korrespondenz mit der Geschichte des Ortes und den umliegendenden, angrenzenden Arealen und den Bürger des Dorfes insgesamt nicht stattfindet."  Die Kirche hatte sich bereits 2012 gegen eine Kommerzialisierung des Platzes ausgesprochen. Damals sollte durch eine Aufschüttung die Marktfläche erweitert werden.
"Es ist es sehr schade, dass Frau Maschewski bis heute nicht das Gespräch mit uns gesucht hat." Es gehe der Pastorin nicht darum, die Arbeit zu kritisieren oder zu zensieren. "Jedoch wäre es schön gewesen, wenn die Kuratorin uns erklärt, was sie bezweckt", so Kasper. Die gleiche Kritik gab es ein Jahr zuvor bereits von den Anwohner der Straße "Schaftrift". Auch sie wurden vorab nicht informiert, dass vor ihrer Haustür ein riesiges Kunstwerk entsteht.

Auf ein Wort

Sie darf schalten und walten

Immer wenn es Kritik am Kunstpfad gibt, wiederholt Karl-Heinz Glaeser (Grüne) sein Mantra: "Wir - die Gemeinde - haben Isa Maschewski beauftragt, den Kunstpfad zu bespielen. Es steht uns nicht zu, die Kunstwerke zu zensieren." Mit dieser Aussage hat Glaser absolut recht. Doch die Künstler oder ihre Werke stehen überhaupt nicht in der Kritik. Sehr wohl aber Kuratorin Isa Maschewski.
Seit Jahren darf sie in Jesteburg nach Belieben schalten und walten. Sie holte weder die Anwohner in der Straße "Schaftrift" ab, noch tritt sie mit der Kirche in einen Dialog über das "Spiegelhaus". Wann sie etwas tut, weiß höchstens ihr Mentor Hans-Jürgen Börner. Dass ihre Kunstwerke inzwischen alle ausgebessert werden müssen und sie sogar versuchte, Flüchtlinge illegal zu beschäftigen, scheint bis auf UWG und FDP niemanden im Gemeinderat zu interessieren. Warum eigentlich nicht? Jeder andere, der sich Fehlschläge und Pannen in solchem Ausmaß erlaubt, müsste um seinen Job bangen.
Immerhin: Vielleicht hat die ganze Diskussion am 25. August ein Ende. Dann soll der Kunstpfad offiziell eröffnet werden. Hoffentlich sorgt Maschewski zumindest dafür, dass die Objekte zu diesem Zeitpunkt in einem vorzeigbaren Zustand sind. Oder wird auch dieser Termin wieder verschoben? Sascha Mummenhoff