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Derustit: Auch Marxen wird es nicht!

"Wir sind keine Gefahr!" - Im Oktober hatte das Unternehmen Derustit im Zuge einer Informationsveranstaltung die Bürger in Marxen informiert
 
Bürgermeister Christian Meyer: "Wir bedauern die Absage."

Der Landkreis Harburg und die Deutsche Derustit GmbH - irgendwie wird daraus keine Liebesbeziehung. Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass das Unternehmen seine erst im Frühjahr erworbene Fläche im Marxener Gewerbegebiet „Schünbusch Feld“ (Samtgemeinde Hanstedt) bereits wieder verkauft hat. Derustit wird nicht nach Marxen kommen.
Zuvor hatte das Unternehmen versucht, seine beiden Hamburger Standorte in Stelle zusammenzuführen. Auch dort wurde eine bereits erworbene Fläche wieder weiterverkauft. An beiden Standorten im Landkreis hatten Anwohner Proteste angekündigt. Derustit setzt unter anderem hochgiftige Flusssäure ein.
Nun die Rolle rückwärts: Das Unternehmen teilte mit, dass eine zuvor ausgeschlossene Erweiterung am Hamburger Standort nun doch möglich sei.
Vor allem die Ansiedlungsgegner dürfte diese Nachricht freuen. In einem Flyer hatten sie dem Marxener Gemeinderat unter anderem Heimlichkeiten vorgeworfen. Bürgermeister Christian Meyer wurde beschuldigt, die Derustit-Ansiedlung nicht ausreichend geprüft zu haben.

mum. Marxen. Paukenschlag in Marxen! Wie am späten Freitagvormittag bekannt wurde, wird das Unternehmen Deutsche Derustit nicht im Gewerbegebiet „Schünbusch Feld“ ansiedeln. Laut Presse-Information hat sich die BrandTrading GmbH die Fläche gesichert, um vor Ort zu expandieren. Wie bereits berichtet, hatte Derustit ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet gekauft. Das Unternehmen, das in der Oberflächenbehandlung von Stahl und Edelstahl mithilfe von Chemikalien tätig ist, wollte seine Hamburger Standorte in Wilhelmsburg und Stellingen in die Nordheide verlagern. Der Gemeinderat hatte den Plänen bereits im Frühjahr „grünes Licht“ gegeben. Die Anträge lagen bei der zuständigen Gewerbeaufsicht in Lüneburg.
Im Ort hatte es auch kritische Stimmen gegeben. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung im Oktober deutlich. Bei der Veredelung setzt Derustit unter anderem so genannte Flusssäure (auch Fluorwasserstoffsäure genannt) ein. Davor fürchten sich die Marxener, denn bereits in kleinen Mengen kann Flusssäure schwere Verletzungen verursachen. „Wir wissen um die Angst der Bürger“, hatte Derustit-Geschäftsführer Dr. Dieter Hess versucht, die Bürger zu beruhigen. „Es besteht überhaupt keine Gefahr für die Anwohner.“
Kritik gab es auch am Gemeinderat. Warum wurde die Ansiedlung nicht viel früher öffentlich thematisiert? Und warum fand die Abstimmung in nicht-öffentlicher Sitzung statt? „Wir haben aus dieser Angelegenheit unsere Lehren gezogen“, so Bürgermeister Christian Meyer damals. Bislang seien sämtliche Grundstücksentscheidungen im Gewerbegebiet nicht-öffentlich gewesen.
Laut Pressemitteilung hat Derustit das gesamte Gewerbegrundstück nun weiter verkauft. Es heißt, der geplante Neubau der Fertigung sei nun doch auf dem angestammten Grundstück der Firma in Hamburg möglich, nachdem dort überraschend Hindernisse ausgeräumt werden konnten.
• Über diese Entwicklung freut sich jetzt auch BrandTrading. Bereits vier Jahre nach der Ansiedlung in Marxen wird nun expandiert. Das 2001 im Landkreis Harburg gegründete Unternehmen hat von der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH) die Nachbarfläche erworben, auf der nun das Lager um mehr als 2.000 Quadratmeter erweitert werden kann. BrandTrading beschäftigt laut Pressemitteilung mehr als 30 Mitarbeiter. Bis zu 15 neue Arbeitsplätze werden nach Angaben des Unternehmens durch die Erweiterung entstehen. „Wir freuen uns, dass der Grundstückserwerb geklappt hat, denn wir mussten bereits einen großen Teil unserer Handelsware auslagern“, so Geschäftsführer Gerd Kerkhoff. „Jetzt können wir Betriebsabläufe optimieren und Mehrkosten und insbesondere Mehraufwand durch den Anbau einsparen.“ BrandTrading hat sich auf die Vermarktung von Überproduktionen im Marken-Drogeriebereich spezialisiert. Darüber hinaus wird für die Marke „tesa“ die Restmengenvermarktung exklusiv vom Standort Marxen aus vorgenommen.
„Der Gemeinderat bedauert den Rückzug der Deutschen Derustit GmbH. Wir verstehen die Entscheidung, gerade vor dem Hintergrund der sich am bisherigen Sitz geänderten Möglichkeiten“, so Bürgermeister Christian Meyer. „Aber wir freuen uns darüber, dass ein weiteres Wachstum der Firma BrandTrading möglich wird und das Unternehmen langfristig am Standort gehalten werden kann.“ Der Gemeinderat habe am späten Donnerstagabend - im Zuge der konstituierenden Sitzung - „grünes Licht“ für die Erweiterungspläne von BrandTrading gegeben.
• Der Landkreis Harburg scheint für Derustit kein guter Standort zu sein. Eigentlich wollte das Unternehmen in Stelle ansiedeln. Auch dort hatte man bereits eine entsprechende Fläche erworben. Doch dann lehnte die Politik die Ansiedlung plötzlich ab und klagte vor dem Verwaltungsgericht. Obwohl die Chancen gut standen, entschied sich Derustit für einen Ortswechsel. Fürchtete das Unternehmen erneut ein juristische Tauziehen - diesmal in Marxen?
• Die Derustit-Gegner in Marxen feiern zumindest die Neuigkeiten als Erfolg. „Dank an alle, die sich in dieser Sache so viele Gedanken und Mühe gemacht haben, selbst aktiv waren und auch uns als Bürgerinitiative so gut unterstützt haben“, so Dr. Peter Diesch von der Initiative „Marxen wehrt sich“. „Lassen Sie uns in Zukunft alle etwas wachsamer sein und öfter miteinander sprechen, um derartige Entwicklungen früher zu erkennen und rechtzeitig zum Wohle aller gegenzusteuern, sofern nötig.“ Und in Richtung des Bürgermeisters und des Gemeinderats gerichtet: „Bitte gehen Sie zukünftig mit derartigen wichtigen Themen verantwortungsvoller und transparenter um.“ Der Fall Derustit habe deutlich gezeigt, dass in Marxen mündige und besonnene Bürger leben und arbeiten.