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„Die lokale Wirtschaft wird profitieren“

Kai Uffelmann ist davon überzeugt, dass die kommunale Wohnungsbaugesellschaft notwendig ist (Foto: Landkreis Harburg)

Erster Kreisrat Kai Uffelmann stellt Überlegungen zur kommunalen Wohnungsbaugesellschaft bei der Kreishandwerkerschaft vor.

(mum). Seit Anfang des Jahres forciert der Landkreis die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, um möglichst zügig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im WOCHENBLATT-Interview mit Redakteur Sascha Mummenhoff berichtet Erster Kreisrat Kai Uffelmann über den Stand der Planungen.

WOCHENBLATT: Wie steht es um die Wohnungsbaugesellschaft?
Kai Uffelmann: Bis zum Kreistag im Juni sollen der Gesellschaftsvertrag, der Wirtschaftsplan und ein Bauprogramm ausgearbeitet werden, um die Gründung der Gesellschaft zu beschließen. Deshalb führt die Kreisverwaltung seit April Gespräche mit allen Bürgermeistern, Verwaltungen und Gemeindevertretungen. Unterstützt werden wir von Bürgermeistern, dem Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen und Bremen sowie der Sparkasse Harburg-Buxtehude.

WOCHENBLATT: Wie muss man sich „sozialen Wohnungsbau“ überhaupt vorstellen? Ein Leben in Mietskasernen? Viele Bürger denken an Problem-Bezirke wie das Albert-Schweitzer-Viertel in Winsen oder die Krech-Siedlung in Tostedt.
Uffelmann: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft schafft primär bezahlbaren Wohnraum, nur zu einem geringeren Teil wird dazu auch „sozialer Wohnungsbau“ gehören. Im Durchschnitt wird eine Kaltmiete von acht Euro pro Quadratmeter angesetzt. Die Gesellschaft wird typisiert, modular und innovativ bauen und das bedeutet im ländlichen Raum ein angepasster Geschosswohnungsbau mit sechs, acht oder zehn Wohneinheiten.

WOCHENBLATT: Wer ist die Zielgruppe?
Uffelmann: Die hohen Mietkosten im Landkreis wirken sich heute schon derart negativ aus, dass Unternehmen freie Stellen nicht wiederbesetzen können, weil die Angestellten keine Wohnung finden. Besonders stark betroffen sind Handwerk, Gastronomie, Gesundheitsberufe und haushaltsnahe Dienstleistungen. Erwerbstätige aus diesen Branchen, aber auch Senioren und junge Familien, die über ein Brutto-Jahreseinkommen zwischen 25.000 und 35.000 Euro verfügen, sind die Adressaten.

WOCHENBLATT: Wie kommt das Thema bei den Kommunen an?
Uffelmann: Die Städte und Gemeinden sind sehr aufgeschlossen und zeigen großes Interesse. Einige Kommunen führen Wartelisten für Mietwohnraum. Andere müssen die Abwanderung von Mitarbeitern wegen Wohnungsknappheit und hohen Mietkosten verschmerzen. Wiederum andere planen bereits konkret die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

WOCHENBLATT: Wie können sich die Kommunen einbringen?
Uffelmann: Um den Wohn- und Wirtschaftsstandort abzusichern, wollen wir als Landkreis gemeinsam mit den Kommunen und der Sparkasse den privaten Wohnungsbau mit einem eigenen Bauprogramm ergänzen. Hierzu kann die Kommune Eigenkapital oder Wohnbauflächen in die Gesellschaft einbringen. Details dazu sollen im Gesellschaftervertrag präzisiert werden.

WOCHENBLATT: Gibt es denn schon konkrete Vorschläge seitens einzelner Kommunen?
Uffelmann: Ja, ganz aktuell weist die Gemeinde Jesteburg dafür bereits neue Baufelder aus. Andere Kommunen haben erste Planungen auf den Weg gebracht. Aus den Gesprächen zeichnet sich ab, dass alle Kommunen neue Flächen für Wohnungsbau entwickeln möchten. Ausdrücklich ist auch die Innenraumverdichtung in Gemeinden vorgesehen und zur Vermeidung einer weiteren Flächenversiegelung auch willkommen.

WOCHENBALTT: Wie könnte die Struktur einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft aussehen?
Uffelmann: Für mich als Kämmerer ist eine privatrechtliche Gesellschaft, etwa in Form einer GmbH, gesetzt. Außer den öffentlichen Zweck der Wohnraumversorgung halte ich eine Gewinnerzielungs-Möglichkeit für erforderlich. Schließlich soll die Gesellschaft sich aus den Mieteinnahmen selbst finanzieren und kein Dauerzuschuss- oder Verlustbetrieb werden.

WOCHENBLATT: Sie stellen das Konzept am Mittwoch vor der Kreishandwerkerschaft vor. Warum?
Uffelmann: 1.000 Wohnungseinheiten bis 2020 stehen für ein Gesamtinvestitionsvolumen von 150 Millionen Euro. Das darf auch als regionales Wirtschaftsförderungsprogramm verstanden werden. Die zukünftige Gesellschaft hofft, Aufträge möglichst an Unternehmen aus der Region vergeben zu können. Das ist für mich persönlich eine Selbstverständlichkeit, da ich vor mehreren Jahren selbst eine Kreishandwerkerschaft als Geschäftsführer geleitet habe. Private Investoren, die Wohnraum schaffen, bleiben aber im Höchstmaß gefordert. Wir hoffen und setzen darauf, dass die private Immobilienwirtschaft in der Lage ist, den verbleibenden Bedarf zeitnah abzudecken. Darin liegt für uns alle eine große Chance, den Landkreis gemeinsam als attraktiven Standort für Wohnen und Arbeiten weiterzuentwickeln.

WOCHENBLATT: Stichwort Auftragsvergabe: Gerade in diesem Bereich ist es wichtig, dass der Wohnraum günstig entsteht. Glauben Sie, dass die lokalen Handwerker preislich konkurrenzfähig sind?
Uffelmann: Ja, unbedingt. Wir haben eine Vielzahl von leistungsfähigen Unternehmen, die Qualitätsarbeit zu marktfähigen Preisen abliefern. Für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft wird es nicht um „Billigbauen“ gehen, sondern um pfiffige Lösungen mit hoher Qualität.

WOCHENBLATT: Gibt es Schätzungen darüber, wie viele Wohnungen in den kommenden Jahren entstehen müssen?
Uffelmann: Insgesamt werden wir in den kommenden Jahren bis 2020 rund 3.000 neue Wohnungen benötigen. Hierzu gibt es wissenschaftlich abgesicherte Untersuchungen der „Förderbank des Landes Niedersachsen“.

WOCHENBLATT: Herr Uffelmann, vielen Dank für das Gespräch.

Die Einwohnerzahl im Landkreis wird steigen

Bereits im Herbst hat Landrat Rainer Rempe externen Fachverstand eingeholt, um der Kreispolitik Lösungsmöglichkeiten für die angespannte Wohnungsmarkt-Situation aufzuzeigen. Sehr schnell wurde klar, dass die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft Sinn macht, weil es im Landkreis keinen bedeutenden Bestand an öffentlichem Wohnraum gibt. Außerdem ist der Landkreis exponiert in der Metropolregion: Bis 2035 zeigen die Wachstumsprognosen einen um rund 20.000 Menschen weiter steigenden Wohnungsbedarf für 265.940 Einwohner.
Mitte Januar hatte der Landkreis eine erste Informationsveranstaltung mit Fachleuten und Vertretern der Kreispolitik organisiert. Die Diskussionen wurden in den politischen Gremien zum Doppelhaushalt 2016/2017 eingebracht und mündeten in einem breit getragenen Kreistagsbeschluss für das „Grundmodell“ einer Wohnungsbaugesellschaft.