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Die Lokalmatadore machen es: Axel Brauer und Ole Bernatzki setzen sich mit „ihrem“ Ärztehaus gegen Steffen Lücking durch

Großes Interesse: Zahlreiche Jesteburger verfolgten die Diskussion um das neue Ärztezentrum im "Heimathaus" mit
 
Architekt Axel Brauer
mum. Jesteburg. Die Entscheidung ist gefallen! Das Investoren-Duo Axel Brauer (Architekt) sowie Ole Bernatzki (Inhaber des Ambulanten Hauspflege Dienstes - AHD) dürfen ein Ärztezentrum auf einer Teilfläche des ehemaligen Clement-Grundstücks mitten im Herzen Jesteburgs bauen. Mittwochabend stimmte der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit für die Pläne der beiden in Jesteburg wohnenden Unternehmer. Ungewöhnlich: Die Abstimmung war geheim. 15 Ratsmitglieder stimmten für den Brauer/Bernatzki-Entwurf, vier dagegen. Außerdem gab es eine Enthaltung. Sichtlich enttäuscht war Unternehmer Steffen Lücking, der sich nicht durchsetzen konnte.
Zuerst präsentierte Lücking gemeinsam mit seinem Architekten Johannes Tipke seine Ideen: Ein attraktiver Baukörper mit bewusstem Augenmerk auf Lichtdurchlässigkeit, die unter anderem durch die Kombination von fünf Gebäudebereichen und dazwischen liegenden Glasfugen erreicht wird. Lücking möchte eine zweite Fußgängerachse zur Straße schaffen. Im Vergleich dazu wirkte das von Axel Brauer vorgestellte Modell optisch eher schwer und kompakter.
Da Brauer seinen ersten Entwurf (das WOCHENBLATT berichtete bereits vor einem Jahr) kurz vor der Ratssitzung nochmals veränderte, ähneln sich die beiden Vorschläge sehr. Die Sichtachse zum Kunsthaus, die Gliederung in Dienstleister und Arztpraxen im Erdgeschoss, bis zu zehn barrierefreien Wohnungen im ersten Stock, beziehungsweise Staffelgeschoß. Selbst die Ausrichtung der Parkplätze, deren Anzahl und der Abstand zum „Förster Hus“ sind nahezu identisch. Neu ist, dass Brauer und Bernatzki sich mit der Witt-Baugesellschaft und der Heinrich Bardowicks GmbH zwei etablierte Bauträger ins Boot geholt haben, während Lücking seine großen Projekte in der Regel allein realisiert.
Kritik gab es auch. Unter anderem von Cornelia Ziegert. „Ich bin überrascht, dass es Herrn Brauer und Herrn Bernatzki nicht gelungen ist, ein Finanzierungskonzept einer Bank vorzulegen.“ Lücking habe dies gekonnt. „Ich möchte nicht, dass wir am Ende eine Bauruine mitten im Ort haben“, so Ziegert. Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper widersprach der Ratsfrau. „Beide Investoren-Gruppen haben ähnliche Absichtserklärungen von Banken vorgelegt.“ Im Gespräch ist eine Investion von bis zu sechs Millionen Euro.
Vor der Entscheidung zog Bernatzki seinen Joker: „Ich werde mit meinem Unternehmen nur in das von mir konzipierte Ärztehaus ziehen.“ Außerdem habe er von den Jesteburger Ärztinnen Dr. Petra Leschig und Dr. Katrin Pinninghoff-Buß die Zusage, dass auch sie nur in „sein“ Gebäude einziehen werden. Lücking wollte sich zu möglichen Mietern nicht äußern. „Ich werde mich nicht mit fremden Köpfen schmücken“, so Lücking. Vor dem Hintergrund, dass die Anzahl Allgemeinmediziner vorgegeben ist und Bernatzki laut eigenen Aussagen mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, war das ein deutliches Argument für Brauer/Bernatzki.

Kommentar

Jetzt kommt es auf den Grundstückspreis an
Der Jesteburger Gemeinderat setzt auf die Lokalmatadoren Axel Brauer und Ole Bernatzki. Das ist für sich genommen eine gute Entscheidung. Immerhin zahlen die beiden Unternehmer ihre Steuern in dem kleinen Heidedorf, sind sehr gut vernetzt und - das gilt zumindest für Bernatzki - engagiert, wenn es um die Dorfgemeinschaft geht. Bernatzki unterstreicht dies zudem mit seinem Versprechen, in das neue Zentrum gemeinsam mit den befreundeten Ärztinnen einziehen zu wollen.
Interessant: Der Preis für das Grundstück spielte während der Sitzung gar keine Rolle. Zuletzt hatte Steffen Lücking 650.000 Euro geboten. Seine Kontrahenten wollten anfangs lediglich 400.000 Euro investieren; haben inzwischen auch erhöht. In Anbetracht der Tatsache, dass Jesteburg mehr als eine Million Euro für das gesamte Areal gezahlt hat und die Kassen leer sind, ist zu hoffen, dass der Rat hier gut verhandelt. Denn: Noch sind die Verträge nicht unterschrieben.
Sascha Mummenhoff

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