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Hans-Heinrich Höper: „Die IHK-Argumente sind widerlegt“

Kein schöner Anblick - mehr: Die Festhalle sollte schon längst abgerissen werden
 
Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper
„Famila steht in den Startlöchern“, so Jesteburgs Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper im WOCHENBLATT-Interview. Der Verwaltungschef sagt gerade heraus, warum er trotz anhaltender Kritik davon überzeugt ist, dass Famila schon bald mit dem Bau eines Super-Marktes beginnt. Zudem kritisiert er die Industrie- und Handelskammer und spricht von „bestellten Gutachten“ der Famila-Konkurrenz.

mum. Jesteburg. Die Freude war groß, als Anfang April eine Delegation aus Schützen und Gemeindevertretern nach Kiel fuhr, um dort bei Famila die Verträge zu unterzeichnen. Damit wurde ein langwieriges Verfahren endlich beendet: Der Schützenverein verzichtete nicht nur auf seinen Schießstand, sondern auch auf Grundstücksanteile und sein Nutzungsrecht an der Festhalle. Das Gebäude muss abgerissen werden, um Platz für ein Famila-Warenhaus zu schaffen. Im Gegenzug will die Gemeinde den Schützen ein neues Domizil für 1,5 Millionen Euro bauen. Damals hieß es, eine Eröffnung des Famila-Marktes sei im April 2014 möglich. Danach sieht es derzeit nicht aus. Kritiker glauben, dass der Gemeinde ein langer Gerichtsprozess droht .
WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach mit Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper über die Situation.

WOCHENBLATT: Wann wird die Schützenhalle abgerissen?
Hans-Heinrich Höper: „Die Arbeiten können beginnen, wenn Famila eine Baugenehmigung erhält. Die wird nach Rechtskraft des Bebauungsplanes erteilt. Der Gemeinderat tagt am 26. Februar und kann den Bebauungsplan als Satzung beschließen. Danach folgt das Genehmigungsverfahren.“

WOCHENBLATT: Wie bewerten Sie die Kritik der Industrie- und Handelskammer (IHK)?
Höper: „Die IHK hat eine Stellungnahme abgegeben, die unsere Planer bewertet und abgearbeitet haben. Die Argumente der IHK wurden widerlegt. Ich erwarte allerdings von der IHK, dass sie auch Wettbewerb ermöglicht und zur Kenntnis nimmt, dass wir in Jesteburg heute völlig unterdurchschnittlich mit Handelsflächen belegt sind.“

WOCHENBLATT: Und das Gutachten von „Stadt + Handel“, das von der REWE Markt GmbH in Auftrag gegeben wurde?
Höper: „Hier ist doch sehr eindeutig, dass es sich um ein bestelltes Gutachten eines Mitwerbers handelt. Es wurden Aussagen aus anderen Stellungnahmen abgeschrieben. Das Gutachten will deutlich machen, dass der REWE-Markt das Ortszentrum von Jesteburg fußläufig versorgt. Der REWE-Markt liegt aber im Gewerbegebiet. Die Gutachter haben den Standort in ihren Karten um einige 100 Meter in Richtung Ortsmitte verschoben. Da stellt sich schon die Frage, welche Qualität die übrigen Aussagen haben.“

WOCHENBLATT: Fürchten Sie, dass es zu einem Prozess kommen könnte?
Höper: „Nein. Sollte es einen geben, bin ich nicht besorgt. Unsere Planer haben ihre Arbeit gemacht.“

WOCHENBLATT: Wäre es eine Option, dass Famila mit einer kleineren Verkaufsfläche eröffnet?
Höper: „Nein. Es gibt ein bestimmtes Konzept. Moderne Läden benötigen eine gewisse Größe. Dabei geht es nicht um mehr Artikel, sondern Läden müssen anders gestaltet werden. Sie können heute keinen Laden mehr bauen mit Regalen vom Fußboden bis unter die Decke. Die Gänge müssen breiter werden, damit Menschen mit Einschränkungen einkaufen können.“

WOCHENBLATT: Unter welchen Bedingungen kann Famila von den Verträgen zurücktreten?
Höper: „Wenn Famila keine Baugenehmigung für den geplanten Markt bekommt.“

WOCHENBLATT: Welche Konsequenz hätte dies für die Schützen-Verträge?
Höper: „Die Verträge können nur gemeinsam umgesetzt werden. Scheitert einer, scheitern alle.“

WOCHENBLATT: Der Discounter Aldi möchte gern auf das an Famila angrenzende Areal umziehen. Was ist aus den Plänen geworden?
Höper: Die Pläne eines Investors können so nicht umgesetzt werden. Fakt ist, dass Aldi gern einen anderen Standort in Jesteburg hätte. Aus den Untersuchungen zum Einzelhandel im Zuge des aktuellen Bebauungsplanverfahrens wissen wir aber, dass eine Verlagerung, egal wohin in Jesteburg, nur möglich ist, wenn die Nachfolgenutzung für den jetzigen Aldi klar ist. Und die darf nicht durch einen neuen Lebensmittelmarkt belegt werden. Somit müssen erst einmal die Eigentümer klären, was sie wollen.“

WOCHENBLATT: Erst die neue Oberschule, jetzt Famila. Jesteburg hat stets die Nase vor. Können Sie verstehen, dass die Hanstedter sauer auf die Jesteburger sind?
Höper: „Schön, dass wir die Nase vorn haben. Aber im Ernst, bisher habe ich noch nicht vernommen, dass die Hanstedter sauer sind. Wir haben Stellungnahmen der Samtgemeinde und Gemeinde erhalten. Das sind aber nicht die Hanstedter. Da höre ich andere Töne. Nach einem Gutachten des Landkreises hat die Samtgemeinde Hanstedt über 5.000 Quadratmeter Verkaufsfläche mehr als die Samtgemeinde Jesteburg. Nicht wir haben zuerst eine weiterführende Schule erhalten, sondern die Samtgemeinde Hanstedt. Aus Hanstedt gab es jahrelang Querschüsse gegen eine Schule in Jesteburg. Wir wollten immer eine Schule für die Samtgemeinde Jesteburg haben. Wenn sie jetzt so erfolgreich ist, dass auswärtige Kinder dort hinwollen, kann man uns das doch nicht zum Vorwurf machen. Umgekehrt wird ein Schuh draus.“

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

• Der Bau-Ausschuss der Gemeinde Jesteburg beschäftigt sich mit dem Thema Famila-Ansiedlung am heutigen Mittwoch, 29. März. Unter den Punkt „Bebauungsplan Am Brettbach“ kommen auch die kritischen Stellungnahme zur Sprache. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im „Heimathaus“ (Niedersachsenplatz).

Ein Lese-Tipp:
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