Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Jesteburg hat keine Lust auf Kooperation mit Hanstedt und Salzhausen

Gemeinsam um Touristen werben. Die Gemeinde Jesteburg glaubt nicht, dass das mit Hanstedt und Salzhausen funktioniert (Foto: oh)
 
Hans-Heinrich Höper (Jesteburg)

In Salzhausen sind die Reiter zu Hause, nach Hanstedt-Nindorf gehen Familien in den Wildpark. Jesteburg steht für Kunst und Kultur. So sehen es die Mitglieder des Jesteburger Tourismus-Ausschusses. Damit seien die Unterschiede viel zu groß, um auch nur im Ansatz an eine gemeinsame Vermarktung zu denken.
Aus diesem Grund stimmten die Politiker jetzt gegen die Idee, direkt am Wildpark Lüneburger Heide eine gemeinsame Tourist-Info einzurichten. „Wir glauben, dass es sinnvollere Möglichkeiten gibt, das Geld zu investieren“, so Ausschuss-Vorsitzender Hans-Jürgen Börner (SPD). Bis zu 70.000 Euro müssten die drei Kommunen jeweils in das Projekt stecken. „Wir wollen keinen Dinosaurier schaffen“, so Börner weiter.
In der Samtgemeinde Hanstedt sieht man das anders. Dort hatten die einzelnen Gemeinden zuletzt ihre Tourismusaufgaben an die Samtgemeinde übertragen. „Wir sehen in der Kooperation eine große Chance, die Region nach vorn zu bringen“, so Hanstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus.

mum. Jesteburg/Hanstedt. Die Idee klingt vielversprechend: Um den Tourismus in der Lüneburger Heide deutlich nach vorn zu bringen, wollen die Samtgemeinden Hanstedt, Salzhausen und Jesteburg an einem Strang ziehen. Unter anderem ist eine gemeinsame Tourist-Info am Wildpark Lüneburger-Heide (Nindorf) im Gespräch. Doch während in der Samtgemeinde Hanstedt die einzelnen Gemeinden das Projekt dadurch fördern, dass sie die Tourist-Aufgaben an die Samtgemeinde übertragen haben (das WOCHENBLATT berichtete), verpasst die Gemeinde Jesteburg den Plänen eine Absage.
„Wir glauben nicht, dass eine gemeinsame Tourist-Info unser Angebote so präsentieren kann, wie es erforderlich wäre“, sagt Hans-Jürgen Börner (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur. „Wir schaffen da einen neuen Dinosaurier.“ Unter anderem sage der Standort am Wildpark den Jesteburgern nicht zu. Es sei kaum vorstellbar, dass Familien, die dort zum Tiere schauen hingehen, auch das kulturelle Angebot Jesteburgs interessiert, hieß es. Zudem sei Jesteburg das Projekt zu teuer. Das beauftragte Beratungsbüro Göken, Pollak und Partner hatte errechnet, dass pro Jahr etwa 210.000 Euro notwendig sind, um das Projekt sinnvoll zu starten. Für die drei beteiligten Samtgemeinden hätte das zur Folge, dass sie sich jeweils verpflichten, pro Jahr 70.000 Euro bereitzustellen - für die nächsten zehn Jahre. Jesteburgs Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper stellte diese Zahlen vor.
Hanstedts Verwaltungschef Olaf Muus nimmt die Kritik gelassen: „Es ist schwierig, Entscheidungen der anderen Gemeinden zu kommentieren.“ Aber selbst, wenn die Gemeinde Jesteburg gegen die Pläne votiere, müsse dies nicht für die Samtgemeinde stehen. Muus ist von dem Konzept überzeugt. „Ich glaube, dass alle beteiligten Kommunen von der gemeinsamem Vermarktung profitieren werden.“ Sollte das Projekt dennoch scheitern, würde er weiterhin an der Tourismus-Optimierung seiner Samtgemeinde arbeiten. „Allerdings ist der finanzielle Rahmen dann deutlich kleiner“, so Muus.
• Die politischen Gremien der Samtgemeinde Salzhausen wollen sich erst im Mai mit dem Thema Tourist-Info beschäftigen.

Kommentar

Ein Dino mit Zukunft
„Wir wollen keinen neuen Dinosaurier schaffen!“ Mit diesen Worten lehnt Hans-Jürgen Börner (SPD) eine gemeinsame Tourist-Info der Samtgemeinden Jesteburg, Hanstedt und Salzhausen ab. Das spricht nicht von Weitsicht! Es ist richtig, dass der Tourismus sich gewandelt hat. Die kleinen Info-Stübchen sind nicht mehr gefragt. Gebündelte Informationen für die ganze Familie hingegen sehr wohl. Gerade der Wirtschafts- und Tourismuspolitiker Börner, der sich leidenschaftlich für ein großes, modernes und familienfreundliches Filmmuseum in Bendestorf einsetzt, sollte die Chance der Synergieeffekte nicht aus den Augen verlieren.
Oder hat die Ablehnung einen anderen Hintergrund? Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige Politiker gern die Jesteburger Tourist-Info wieder in der „Lisa-Kate“ sehen möchten. Jenem Edel-Kiosk, der mit 350.000 Euro Stuergeld errichtet wurde. Und für den jetzt noch mal Umbaukosten von mindesten 100.000 Euro fällig würden - für die eigene Tourismus-Information.
Sascha Mummenhoff