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Jesteburgs gordischer Knoten - Bewohner und Grundstückseigentümer des Kirchfelds diskutieren die Zukunft des 10-Hektar-Areals

Um diese Fläche geht es: 10,56 Hektar könnten als neues Bebauungsgebiet mitten in Jesteburg ausgewiesen werden (Foto: Google Maps)
mum. Jesteburg. Das war sicherlich keine leichte Aufgabe für Thomas Wilken, Inhaber des Büros Kontor 21. Am gestrigen Dienstag moderierte Wilken eine Informationsveranstaltung in Jesteburg. Thema: das Itzenbütteler Kirchfeld - unter Insidern Jesteburgs „gordischer Knoten“ genannt. „Das Ziel des Treffens war es, die Anwohner umfassend zu informieren“, so Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper. Viele Gerüchte seien im Umlauf, die Verwaltung wollte Klarheit schaffen.
Darum geht es: In den 1960er Jahren zog es zahlreiche Hamburger in Nordheide, um in den so genannten Wochenend-Siedlungen Ruhe und Entspannung zu finden. „So entstand auch das Areal rund um das Itzenbütteler Kirchfeld“, so Höper. Es geht im Nordwesten bis an die „Hof + Gut“-Weiden heran, im Südwesten bis an den Wald, im Südosten endet das Areal gegenüber der Einmündung zur Heidhöhe in die Itzenbütteler Straße. Betroffen sind etwa 25 Parteien (im Schnitt mit 6.000 Quadratmeter Grundstücken), die entweder eigene Flächen besitzen oder zur Erbpacht wohnen.
Bereits seit 2009 schlummert in den Schubladen des Bauamts der Plan, aus der einstigen Wochenendhaus-Siedlung ein Neubaugebiet zu machen, und das Areal mit mehreren gepflasterten Straßen zu erschließen. Hintergrund der Planung ist der Wunsch nach Rechtssicherheit. „Für das Kirchfeld gibt es einen B-Plan“, so Höper. Er sehe Wochenend-Bewohnung und Häuser von maximal 70 Quadratmetern vor. Doch in der Realität stelle sich das anders dar. Mindestens sieben Familien hätten dort ihren Erstwohnsitz. Zudem würden zumindest einige wenige Häuser nicht der vorgeschriebenen Größe entsprechen. Höper: „Sollte der Landkreis auf die Umsetzung des jetzigen Planes bestehen, müssten diese Bewohner handeln.“
Während der Versammlung ging es laut Höper nicht darum, eine Lösung zu finden. „Dafür sind die Interessen einfach viel zu unterschiedlich“, so der Verwaltungschef. „Unsere Absicht ist, dass alle Beteiligten den gleichen Wissensstand haben und sich damit an einen Tisch setzen.“ Die Verwaltung gehe das Thema offen an. „Wenn am Ende dabei heraus kommt, dass nichts geschehen soll, dann ist das so“, sagt Höper. Auch die Größe der Grundstücke im Falle eines neuen B-Plans sind offen. „Die Verwaltung hatte eine Mindestgröße von 1.200 Quadratmetern vorgeschlagen.“
Die Positionen im Kirchfeld:
• „Wir sind hierher gezogen, weil wir die Natur lieben“, sagte ein Anwohner während einer der vorigen Versammlungen. Es sei ein Alptraum, wenn jetzt alle Bäume gerodet werden würden. „Dann sieht das hier aus wie in jedem anderen Neubaugebiet.“ Mit allen Mitteln würde er versuchen, solche Pläne zu verhindern. „Ich habe gerade viel Geld in eine Bio-Klärgrube investiert und will nicht an den Kanal angeschlossen werden“, so ein anderer Anwohner. Ein Dritter fürchtet um die Wertminderung der Grundstücke, wenn Stichstraßen dicht an bestehende Häuser vorbei geführt werden. Andere denken, dass ihnen eine Enteignung droht.
• Eine ältere Dame hat den Wunsch, ihr Grundstück zu verkaufen: „Ich bin alt und kann mich einfach nicht mehr um das riesige Grundstück kümmern.“ Ihr Ziel: Das Grundstück teilen zu dürfen, damit ihre Söhne dort bauen können. Oder - auch das ist eine Idee - alles verkaufen und mit dem zu erwartenden Geldsegen sich einen guten Lebensabend in einer kleineren Wohnung zu gönnen.
• Und dann sind da noch die Spekulanten: Bislang wussten sie nichts mit dem Grundstück anzufangen; überließen es der Natur. „Ich sehe nichts falsches daran, aus einem großen Waldgrundstück im Wert von 100.000 Euro sechs kleine Baugrundstücke zu je 100.000 Euro zu machen“, bekannte ein Eigentümer ehrlich.
Ein paar Fakten:
• Dem WOCHENBLATT liegt die Ratsunterlage „Neuaufstellung eines Bebauungsplans“ vor. Demnach könnte das Areal erschlossen werden. Gesamtkosten: 975.000 Euro! 90 Prozent müssen die Anwohner tragen.
• Ein Planungsbüro zählt aktuell 35 Grundstücke (etwa 1.000 bis 5.500 Quadratmeter). Davon seien 17 Grundstücke dauerhaft bewohnt, sieben würden als Wochenendwohnung genutzt und elf Flächen seien ungenutzt.
• Nach dem gültigen Bebauungsplan besteht das Kirchfeld zu 80 Prozent aus Wald. Die Ausgleichszahlungen für die Umwandlung von Wald in Bauland dürften nach den bisherigen Erfahrungswerten mit anderen Gebieten mehrere hunderttausend Euro betragen. Das Planungsbüro geht jedoch von Kosten in Höhe von 38.000 bis 102.600 Euro (inklusive Pacht) aus, die nicht auf die Anwohner umgelegt werden können.