Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Keine Lösung in Sicht! Kirchfeld-Anwohner und -Anlieger sind zerstritten

Wie geht es im Kirchfeld weiter? Kay-Uwe Oberthür (3. v. re.) informiert Hans-Otto Thiede (v. li.), Hans-Jürgen Börner, Cornelia Ziegert, Britta Witte und Birgit Heilmann über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe

Das Itzenbütteler Kirchfeld in Jesteburg könnte ein Synonym für die problematische Entwicklung neuer Baugebiete im Landkreis werden. Eigentlich wollte die Verwaltung nur das Dauerwohnen legalisieren. Jetzt ist eine „maßvolle Zerstückelung“ des zehn Hektar großen Wochenend-Wohngebiets im Gespräch. Doch die Anwohner und Eigentümer finden keinen Konsens.

mum. Jesteburg. Wie soll man nur ein Gebiet entwickeln, bei dem die Interessen der Beteiligten grundsätzlich unterschiedlich sind? Vor dieser Frage stehen nicht nur die Mitglieder des Jesteburger Bauausschusses. Auch in vielen anderen Gemeinden prallen Interessen aufeinander, wenn neues Bauland entwickelt werden soll. In Jesteburg zeichnet sich gerade rund um das Itzenbütteler Kirchfeld ein Konflikt ab, bei dem es unmöglich scheint, alle Parteien für einen gemeinsamen Weg zu begeistern.
In den 1960er Jahren zog es zahlreiche Hamburger in die Nordheide, um in den so genannten Wochenend-Siedlungen Ruhe und Entspannung zu finden. So entstand auch das zehn Hektar große Areal rund um das Itzenbütteler Kirchfeld. Betroffen sind etwa 25 Parteien (im Schnitt mit bis zu 6.000 Quadratmeter-Grundstücken), die entweder eigene Flächen besitzen oder zur Erbpacht wohnen. Die Eigentümer stehen vor der Frage, was aus dem Areal werden soll. Offiziell darf es nur als Wochenend-Wohngebiet genutzt werden. So soll es für manche Anwohner auch bleiben. Es gibt aber auch Eigentümer, die das Areal gern zu einem „echten“ Wohngebiet entwickeln möchten. Außerdem befürchten die Anwohner der angrenzenden Straßen, dass eine weitere Besiedlung des Kirchfelds unweigerlich zu einem Verkehrskollaps im Ort führen wird. Unter dem Strich: Drei Positionen, die sich schwer miteinander vereinbaren lassen.
„Wir wollen den Menschen dort Rechtssicherheit bieten“, sagte Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper während einer Anwohner-Versammlung im Sommer. Er forderte alle Parteien auf, sich an einen Tisch zu setzen und einen gemeinsam Weg zu finden.
An einen Tisch wurde sich auch gesetzt. Allerdings - so wurde während der Bauausschuss-Sitzung am Mittwoch deutlich - offensichtlich nur von jenen, die von der Zerstückelung des Areals profitieren. Sie sprechen sich für eine Mindestgrundstücksgröße von 1.500 oder 1.800 Quadratmetern aus. Je nach Variante könnten elf, beziehungsweise neun weitere Gebäude entstehen. Ursprünglich hatte die Verwaltung Grundstücke mit einer Mindestgröße von etwa 1.200 Quadratmetern (oder kleiner) vorgesehen. Erschließungskosten und Kosten für Ersatzpflanzungen in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro schreckten die Beteiligten ab. Der Anwohner-Vorschlag ist hingegen deutlich moderater.
Auf Zinne sind hingegen Anwohner, die laut eigenen Aussagen nicht zu den Treffen eingeladen wurden. „Am Tisch saßen nur diejenigen, die an einer Zerstückelung verdienen“, so Wilfried Gerhard, der Sprecher der Bürgerinitiative Ginsterkamp. Dementsprechend aufgeladen war die Stimmung.
„Ich sehe hier keine Linie“, so Birgit Heilmann (Grüne). „Da macht es keinen Sinn, wenn sich die Politik einmischt. Da sind die ersten Klagen bereits vorprogrammiert.“ Sie forderte die Anwohner erneut auf, sich an einen Tisch zu setzen. Cornelia Ziegert (SPD) hätte das Thema Kirchfeld gern ins Jahr 2017 verschoben. „Wir haben in Jesteburg derzeit ganz andere Sorgen, als uns um ‚Luxus Wohnen“ im Kirchfeld zu beschäftigen. Wir müssen dringend bezahlbare Wohnungen für Familien und Senioren schaffen.“
Mit den Stimmen von Britta Witte und Reimer Siegel (beide CDU) und Hans-Jürgen Börner (SPD) wurde die Verwaltung schließlich beauftragt, gemeinsam mit der Kirchfeld-Arbeitsgruppe die Grundlagen für einen städtebaulichen Vertrag zu erarbeiten. Darin wird unter anderem festgehalten, dass die Anwohner die Planungskosten von mindestens 40.000 Euro tragen. Ein erster Schritt in Richtung Bebauungsplan? „Unser Ansprechpartner ist die bestehende Arbeitsgruppe“, so Bauamtschef Thomas Burmester.
• Für Verstimmung am Ratstisch sorgte die Tatsache, dass Hans-Jürgen Börner (SPD) an den zwei Treffen der Arbeitsgruppe „Kirchfeld“ teilgenommen hatte. „Die Sitzungen sollten ohne politische Vertreter stattfinden“, so Heilmann. Laut Protokoll stimmte Börner sogar mit ab. Auf einen entsprechenden Hinweis im Protokoll machte Heilmann aufmerksam. „Das ist natürlich falsch“, so Börner. „Ich habe nur als Zuhörer an den Treffen teilgenommen.“ Verantwortlich für das Protokoll war Architekt Axel Brauer. Börner und Günter Kamolz (CDU) hatten den Antrag gestellt, das Thema Kirchfeld wieder auf die Agenda zu nehmen. Kamolz wohnt im Kirchfeld auf einem etwa 5.000 Quadratmeter großen Grundstück.