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Kunsthaus: "Die Besucherzahlen sind unerheblich"

Karl-Heinz Glaeser (Bündnis 90 / Die Grünen) rechtfertigt die Investition
mum. Jesteburg. Bis zu 70.000 Euro will Jesteburg in den behindertengerechten Ausbau des Kunsthauses stecken (das WOCHENBLATT) berichtete. Nachdem die Gemeinde bereits 365.000 Euro in den Kauf der Immobilie investierte und zudem einige tausend Euro an Förderzuschüssen in den Verein „Kunstwoche Jesteburg“ gepumpt hat, wird diese Maßnahme heftig diskutiert. Leider allerdings ausschließlich hinter vorgehaltener Hand.
„Wenn ich diesen Antrag kritisch hinterfrage oder es vielleicht sogar wage, dagegen zu stimmen, dann zieht über mir ein Unwetter auf“, sagt ein Ratsmitglied, das seinen Namen nicht nennen möchte. Aus zwei Gründen: Maßnahmen, die die Lebensqualität für Behinderte verbessern, dürften auf gar keinen Fall kritisiert werden. „Ganz gleich wie sinnig sie sind“, so das Ratsmitglied. Dabei sei es aus seiner Sicht sehr interessant gewesen, wie viele Besucher überhaupt in das Kunsthaus kämen. Aber da sei man ja schon beim zweiten Punkt: Die Rede ist von einer inoffiziellen Parole. „Das Kunsthaus steht über allem. Wir haben uns den Klotz ans Bein gebunden. Jetzt müssen wir da auch durch.“ Auch um jeden Preis?
Ein anderes Ratsmitglied geht noch einen Schritt weiter: „Früher war es schick, die Ausstellungseröffnungen zu besuchen. Das gehörte einfach dazu.“ Das sei jetzt nicht mehr der Fall.
Karl-Heinz Glaeser (Bündnis 90 / Die Grünen) rechtfertigt die Investition: „Wir wollen in Jesteburg allen Menschen ermöglichen, an den Veranstaltungen im Kunsthaus teilzunehmen“, so Glaeser. „Seit langem besteht in unserer Republik Einvernehmen darüber, bauliche Anlagen barrierefrei zu gestalteten“, so Glaeser. „Und Einvernehmen besteht auch im Jesteburger Gemeinderat darüber, dass wir in den öffentlichen Gebäuden vorbildlich voran gehen müssen.“
Trotz unterschiedlicher Positionen im Jesteburger Gemeinderat zum Kauf des Kunsthauses, sei es fraktionsübergreifend selbstverständlich, das nun öffentliche Gebäude barrierefrei zu gestalten. „Für diese Entscheidung ist die Auswertung der Besucherzahlen unerheblich, denn wenn wir allen Menschen den beschwerdefreien Zugang in das Kunsthaus ermöglichen wollen, können wir doch nicht dafür eine Minimalbesucherzahl und einen prozentualen Anteil bewegungseingeschränkter Menschen festlegen“ gibt Glaeser zu bedenken. Die Jesteburger Grünen hätten deshalb sofort nach der Kaufentscheidung den Antrag gestellt, das Kunsthaus barrierefrei umzubauen.
Schade ist nur, dass über diese zusätzlichen Ausgaben die Steuerzahler nicht schon beim Kauf der Immobilie informiert worden sind.

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