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Mit der Bahn von Jesteburg nach Buchholz?

Eisenbahnhistoriker Enno Werner hat seine Idee zu Papier gebracht. Er schlägt vor, die Fläche der ehemaligen Abzweigstelle zwischen Jesteburg und Marxen zu nutzen (Foto: Enno Werner)
 
Enno Werner, Eisenbahnhistoriker (Foto: Enno Werner)

WOCHENBLATT-Leser diskutieren Vorschlag, eine Bahn-Pendel-Strecke zwischen Jesteburg und Buchholz einzurichten / Statements von offizieller Seite.

mum. Jesteburg. „Der Vorschlag einer Ortskern-Umfahrungsstraße für Jesteburg wird immer wieder diskutiert“, sagte Umweltschützer Bernd Wenzel vorige Woche im WOCHENBLATTT-Gespräch. Seiner Meinung nach wäre Jesteburg am einfachsten zu helfen, wenn man mehr Berufspendler vom Auto auf die Bahn bekommen würde. Deshalb schlägt er vor, prüfen zu lassen, ob man eine Bahn-Pendel-Strecke zwischen Jesteburg und Buchholz einrichten kann. Ein Vorschlag, der unterschiedlich bewertet wird.

• Britte Witte, Fraktionschefin der Jesteburger CDU: „Und schon wieder eine neue Idee für Jesteburg. Schön, wie alle sich Gedanken um unseren Ort machen! Noch schöner wäre es, wenn Ideengeber sich vorab in der Gemeinde informieren würden. Wo ist der Mehrwert einer solchen Bahn-Pendel-Strecke zwischen Jesteburg und Buchholz? Eine echte Bereicherung wäre nur die Nutzung der bestehenden Güterstrecke auch für den Personenverkehr. Herr Wenzel selbst erwähnt die Splittersiedlungen der Samtgemeinde. Von dort nimmt man heute entweder den Bus zum Buchholzer Bahnhof oder fährt mit dem Auto direkt dorthin. Es ist anzunehmen, dass dieser Personenkreis (und weitere aus Nachbargemeinden) künftig mit dem Auto zum Bahnhof nach Jesteburg fährt, dort in die Pendler-Bahn steigt, um in Buchholz erneut umzusteigen. Weniger Verkehr im Ort kann ich bei dieser Konstellation nicht erkennen. Die Jesteburger und auch gerade die Gewerbetreibenden hatten sich 2006 gegen eine Umgehungsstraße ausgesprochen, gegenteilige Initiativen sind mir bisher nicht bekannt.“

• Hans-Heinrich Höper, Jesteburgs Samtgemeinde-Bürgermeister: „Herr Wenzel sollte sich mit den Fakten vertraut machen. Es gibt eine sehr gut angenommene Buslinie zum Bahnhof Buchholz. Der Bus fährt im Stundentakt und braucht von der Haltestelle Seevebrücke bis zum Bahnhof Buchholz 13 Minuten. Mit einer Bahn Richtung Buchholz werden die Fahrgäste aus Lüllau und Reindorf ausgeschlossen. Einige Verbindungen gehen über Itzenbüttel und Reindorfer Osterberg. Auch diese Pendler werden dann ausgeschlossen. Auch wenn wir mit Hanstedt streiten, diese Buslinie führt von Hanstedt über Asendorf Jesteburg nach Buchholz. Will Herr Wenzel die Hanstedter und Asendorfer ausschließen?“

• Stefan Kindermann, Sprecher des Fahrgastbeirates für den Landkreis Harburg: „Der Vorteil einer Bahn-Anbindung für Jesteburg durch Verlängerung der Heidebahn besteht darin, dass sich die Fahrzeit nach Harburg gegenüber den heutigen Angeboten verkürzt. Allerdings auch nur bis Harburg, nicht zum Hauptbahnhof. Dieser Vorteil würde durch eine Bahn-Anbindung nur an Buchholz nicht erreicht. Die Bahn würde hier parallel zu den Buslinien 4207 und 4408 verkehren, die für die Strecke nur fünf Minuten länger benötigen. Die Linien verkehren bereits heute in der morgendlichen Hauptverkehrszeit alle 20 bis 30 Minuten, in der abendlichen Hauptverkehrszeit zwischen 15.12 Uhr und 20.12 Uhr alle 30 Minuten und sind perfekt auf die Metronom-Anschlüsse von und nach Hamburg abgestimmt und werden hervorragend genutzt. Die vorgeschlagene Anbindung macht so keinen Sinn!“

• Enno Werner, Eisenbahnhistoriker: „Der Vorschlag ist interessant, betrieblich sogar machbar. Zwischen Jesteburg und Marxen liegen zwei Wechselweichenverbindungen zwischen den beiden Gleisen, so könnte ein Zug dort quasi „wenden“ also auf das andere Gleis wechseln und wieder nach Buchholz zurück fahren. Allerdings würde das betrieblich bedeuten, dass die Strecke relativ lang an den besagten Punkten blockiert würde, das würde in der Tat auf recht starken Widerstand bei der DB AG stoßen. Sinnvoller wäre es, die Fläche der ehemaligen Abzweigstelle zwischen Jesteburg und Marxen zu nutzen und ein kurzes Stumpfgleis auf der Trasse des ehemaligen Lüneburger Gleises einzurichten um dort den Zug warten und anschließend zurück fahren zu lassen. So würde die Haupttrasse frei werden und ein haltender und rückfahrender Zug würde nicht lange beide Gleise belegen. So ähnlich war der Betriebsablauf an der Stelle schon zu Zeiten als die Lüneburger Strecke noch betrieben wurde und dort dann auch der Personenzugverkehr von und auf die Hauptstrecke gefädelt werden musste. Sinnvoll erscheint dann außerdem (da der Zug sowieso schon fast dort ist), Marxen mit anzubinden. Genug Platz gäbe es dort.“

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