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Nicht für 60 Jugendliche! Itzenbütteler wehren sich gegen Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen

Zu wenig Sitzplätze: Viele Itzenbütteler mussten die Diskussion stehend verfolgen
 
Architektin Ute Mehring stellte das Bauvorhaben vor. Im Vordergrund Bettina Allerding, die das Konzept erklärte
mum. Jesteburg. Der Andrang war riesig. Mehr als 60 Itzenbütteler wollten am Mittwochabend wissen, was in ihrem Dorf am Rande Jesteburgs geschehen soll. Wie berichtet, will Landwirt Robert Böttcher seine Hofstelle (48.000 Quadratmetern) aufgeben. Auf dem Areal sollen langfristig Wohnungen entstehen. Das allerdings trieb die Bürger nicht in die Sitzung des Bauausschusses. Kurzfristig soll auf dem Areal eine Einrichtung zur Betreuung von 60 jugendlichen Asylbewerbern entstehen. Das Konzept wurde nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt - und wirft viele Fragen auf.
Die Verwaltungsvorlage erweckt den Eindruck, dass Ulrich Deus Ideen-Geber des Konzepts ist. Doch der Eigentümer der Jugendhilfe-Einrichtung „Forellenhof“ will weder als Betreiber noch als Investor aktiv werden. Das zumindest betonte Bettina Allerding. Die Unternehmerin arbeitet eng mit Deus zusammen und erläuterte die Hintergründe. „Ulrich Deus und Robert Böttcher kennen sich privat“, so Allerding. Als Deus erfuhr, dass der Landwirt seine Flächen verkaufen will, habe er Unterstützung angeboten. Es hätten Gespräche mit dem Landkreis und der Gemeinde stattgefunden. Doch weder Böttcher noch Allerding konnten einen Betreiber beziehungsweise einen Investor nennen. „Bevor ich jemanden suche, muss ich doch wissen, ob die Gemeinde meinen Plänen zustimmt“, so Böttcher.
Da spielt die Politik nicht mit. Eine Entscheidung wurde vertagt. Die Verwaltung bekam den Auftrag, eine Info-Veranstaltung zu organisieren. Dort soll ein potenzieller Betreiber sein Betreuungskonzept vorstellen. Zudem soll der Landkreis seine Vorstellung zum Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen schildern.

Die Standpunkte:
• Landwirt Norbert Böttcher: „Seit zehn Jahren befinde ich mich mit Nachbarn im Rechtsstreit. Sie fühlen sich durch landwirtschaftliche Emissionen gestört“, sagt Böttcher. Das sei aber nicht der Grund, warum er seinen Hof aufgeben will. „Ich möchte meiner Tochter einen Betrieb übergeben, der Zukunft hat“, so Böttcher. Darum will er eine Pferdezucht am Rande des Ortes aufbauen. Das kostet Geld, das er durch den Verkauf seiner Flächen an einen Investor einnehmen will. Die Vermietung an den Landkreis ist ein Glücksgriff für beide Seiten. Sie garantiert auf der einen Seite feste Mieteinnahmen für mindestens zehn Jahre; auf der anderen Seite sucht der Kreis dringend Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge - speziell für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge, die eine besondere Betreuung erhalten müssen.

• Die Itzenbüttler Dorfgemeinschaft: „60 junge Erwachsene bis 18 Jahre? Das ist zu viel. Die müssen doch alle mit dem Bus nach Buchholz fahren und stehen dann mit unseren Kindern an der Bushaltestelle. Wer beschützt dann unsere Mädchen?“ fragte eine Anwohnerin. Die große Mehrheit der Anwohner schilderte ihre Bedenken ohne Vorurteile. „In Itzenbüttel wohnen nicht einmal 400 Personen“, so Landwirt Christoph Heitmann. „Keiner von uns hat etwas gegen Flüchtlinge. Die Anzahl muss nur zum Dorf passen.“ In Itzenbüttel seien nur Einzel- und Doppelhäuser erlaubt, ein Wohnsilo passe dort nicht hin. Ebenso wichtig wie die Anzahl der Flüchtlinge ist den Anwohnern die Betreuung. „Wir möchten nicht, dass hier ein Ghetto entsteht“, so Heitmann.

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