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"Nur eine Mogelpackung!": Die Zukunft des Gesundheitszentrums in Jesteburg

Das WOCHENBLATT berichtete exklusiv über die Absage von Ole Bernatzki an Axel Brauer (Foto: MSR)
 
Britta Witte: „Der Ort wird nicht attraktiver, wenn in jedes freiwerdende Ladengeschäft ein Pflegedienst einzieht“ (Foto: CDU Jesteburg)
mum. Jesteburg. Die Absage von Ole Bernatzki, Chef des Ambulanten Hauspflege Dienstes (AHD), als Investor in das von Architekt Axel Brauer geplante Gesundheitszentrum zu ziehen, sorgt im Heidedorf für unterschiedliche Reaktionen. Unter dem Strich: Mit CDU, SPD und Grünen sehen die Parteien, die den Grundstücksdeal zu Gunsten von Brauer abnickten, keinen Handlungsbedarf. UWG Jes! und FDP fordern Konsequenzen.
Die Stellungnahmen der Politik (gekürzt):
• FDP: „Wahrscheinlich wird es nichts mehr mit dem Gesundheitszentrum“, so FDP-Chef Philipp-Alexander Wagner. „Hier hat sich der alte Rat über den Tisch ziehen lassen. Das Projekt wirkt doch nur noch wie eine Mogelpackung. Das Beste wäre, den Verkauf rückgängig zu machen und das Filetstück anderen Investoren zum Kauf anzubieten.“ Frank Gerdes ergänzt: „Mittlerweile stellt sich die Frage, wozu Jesteburg dieses Gesundheitszentrum benötigt. Immerhin hat Dr. Hans von Schuckmann ein Konkurrenz-Ärztehaus eröffnet und die Kassenärztliche Vereinigung längst eine Niederlassungssperre über den Landkreis verhängt. Wahrscheinlich wird in den Neubau nun wohl eher ein Friseur, ein Piercingstudio oder ein Spielsalon einziehen. Denn selbst die Ansiedlung einer Apotheke scheint unsicher.“
• UWG Jes!: „Ich weiß nicht, was mich mehr ärgert. Diese geballte kaufmännische Inkompetenz bezüglich der Vertragsverhandlungen oder diese unerschütterliche, parteienübergreifende Klüngelfront. Seit Monaten wird über ein Scheitern dieses Projektes geunkt. Alles was den Verantwortlichen bisher einfiel, war auf den vertraglich festgeschriebenen Bau der Tiefgarage zu verzichten und Nagel- und Sonnenstudios als ‚gesundheitsnahe Dienstleistungen‘ zu definieren“, sagt UWG-Chef Hansjörg Siede. UWG-Fraktionsvorsitzende Andrea Behnken ergänzt: „Eine weitere Seifenblase ist geplatzt. Droht uns jetzt ein Gesundheitszentrum ohne Ärzte? Wer mag denn jetzt noch daran glauben, dass eine Apotheke einzieht? Wenn das Projekt noch gestoppt werden kann, dann sollte der Gemeinderat zum Wohle der Gemeinde die Notbremse ziehen.“
• CDU: „Die Entscheidung von Ole Bernatzki müssen wir zur Kenntnis nehmen“, sagt Britta Witte (CDU-Fraktionsvorsitzende). „Mich wundert sie etwas, denn ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sich Ole Bernatzki sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat und den Bau als ‚sein Baby‘ bezeichnete. In der Tat hat Axel Brauer sicherlich den Zuschlag für das Grundstück unter anderem auch wegen seiner, Bernatzkis und Pinninghoff-Buss/Leschigs Bindung an den Ort erhalten. Allerdings stehen wir nach wie vor unabhängig von Personen hinter dem Konzept des Hauses. Jetzt erwarten wir von Axel Brauer eine entsprechende Suche nach alternativen Mietern/Käufern.“
• Die Grünen: „Wir haben uns für den Brauer-Entwurf entschieden, weil er uns optisch besser gefiel. Die Höhe des Gebäudes war niedriger als beim Lücking-Entwurf, die Anzahl der Parkplätze höher“, sagt Birgit Heilmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Dass jetzt zwei Hauptmieter abgesprungen sind, ist bedauerlich, stellt unserer Meinung nach aber das Projekt und unsere damalige Entscheidung nicht in Frage.“
• SPD: „Es ging seinerzeit um die Planung und Umsetzung eines ‚Gesundheitszentrums‘ mit einem örtlichen Unternehmer und durch einen örtlichen Investor. Den Zuschlag haben Brauer/Bernatzki wegen des überzeugenden Konzepts bekommen“, sagt Steffen
Burmeister, Ortsvereinschef der SPD. „Zwei Zielsetzungen hatte die Gemeinde seinerzeit formuliert: Nämlich mit der Änderung des B-Plans die Versorgung im Bereich Gesundheitsvorsorge und -versorgung zu verbessern sowie die Schaffung von Wohnraum in der Ortsmitte. Jetzt stehen wir unmittelbar vor Baubeginn. Zu diesem Zeitpunkt springen die Ärzte und Ole Bernatzki ab. Das ist bedauerlich. Aber das Wesentliche ist doch: Die Immobilie von Axel Brauer wird gebaut, in diesen Tagen geht es los, und sie wird dann sicher auch zweckdienlich genutzt werden.“

Britta Witte kritisiert AHD-Expansion: „Betrieb breitet sich entlang der Hauptstraße aus“

„In Jesteburg gibt es sehr viel Leerstand“, hatte Ole Bernatzki, Chef des Ambulanten Hauspflege Dienstes (AHD), im WOCHENBLATT-Gespräch gesagt. Und damit unter anderem begründet, warum er lieber - und günstiger - mehrere Immobilien in Jesteburg mietet, statt in das geplante Gesundheitszentrum von Axel Brauer zu investieren. Diese Aussage will Bauausschuss-Vorsitzende Britta Witte (CDU) nicht unkommentiert lassen.
„Es ist richtig, dass es in unserem Dorf viel Leerstand gibt“, so Witte. Aus diesem Grund habe die CDU den Antrag gestellt, einen „City-Manager“ einzustellen (das WOCHENBLATT berichtete). Aber: „Die Arbeit des AHD ist notwendig und die Umsetzung seiner Dienstleistung betreibt Ole Bernatzki vorbildlich, mit viel Kreativität und Liebe zu den Menschen. Trotzdem gefällt es mir nicht, dass der Betrieb nicht konzentriert an ein oder zwei Stellen stattfindet, sondern sich nun gerade entlang der Hauptstraße ausbreitet“, sagt Witte. Leerstand sei ein Problem, „aber der Ort wird auch nicht attraktiver, wenn in jedes freiwerdende Ladengeschäft ein Pflegedienst, eine Physiotherapie-Praxis oder Ähnliches einzieht“. Fünf Standorte hätten sich auf diese Weise schon verändert, nun sollen zwei weitere folgen. „Ich finde das schade.“