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Parkgebühren als Motivation

Karin Sager ist Vorsitzende des Kreisverbands Harburg im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) (Foto: Karin Sager)

ADFC-Vorsitzende Karin Sager will Autofahrer auf das Rad zwingen / Was denken die WOCHENBLATT-Leser?

(mum). „Kommunalpolitiker sind gefordert, Prioritäten zu setzten. In der Verkehrspolitik müssen sie immer wieder entscheiden, ob sie das Verkehrssystem beibehalten, oder ob sie es weiterentwickeln wollen“, sagt Carsten Hansen. Er ist Referatsleiter für Kommunale Wirtschaft, Tourismus und Verkehr beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). Nur die aktuellen Bedarfe zu bedienen, führe automatisch zu einem Hase-und-Igel-Rennen, bei dem die Städte und Gemeinden regelmäßig die getriebenen und überforderten Hasen seien. Hansen weist unter anderen darauf hin, dass der Bestand an Pkw sich zwischen 1960 und 2016 etwa verzehnfacht hat - von 4,5 auf 45 Millionen Fahrzeuge. „Es wird außerdem mehr Fahrrad gefahren als früher.“ Diese Vorlage nimmt Karin Sager, die Vorsitzende des Kreisverbands Harburg im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) aus Asendorf (Samtgemeinde Hanstedt), gern auf und forderdert ihrerseits die Politik im Landkreis Harburg auf, zu reagieren - unter anderem mit Temporeduzierungen und Parkgebühren.
„Bei mehr als 500 Autos pro 1.000 Einwohner - in der Samtgemeinde Hanstedt sind es sogar mehr als 700 - wird der motorisierte Individualverkehr zum Problem“, so Sager. Die Gewohnheit, mal eben mit dem Auto zum Bäcker oder zur Apotheke zu fahren, sei nur sehr schwer zu ändern. Aus der Sicht der ADFC-Vorsitzenden müssten Kommunalpolitiker sich für eine drastische Reduzierung dieser kurzen Fahrten stark machen.
Sager weiß, wie man die Bevölkerung „motivieren“ kann, auf das Auto zu verzichten. „Durch Temporeduzierung, Parkgebühren, Parkzeitbegrenzung und Durchfahrtverbote wird die Nutzung des eigenen Autos in Ortslagen unattraktiv und teuer.“ Für Radfahrer und Fußgänger müsse hingegen in Ortszentren Platz geschaffen werden, damit sie sich im öffentlichen Raum sicher bewegen können und dabei von Lärm und Abgas verschont bleiben. Der Individualverkehr müsse eingeschränkt werden und zwangsläufig Straßen und Parkplätze reduziert werden.
„Im Gegenzug muss der öffentliche Nahverkehr verstärkt werden“, so Sager. Sie fordert mehr Buslinien mit besserer Taktung. „Kleine Orte können durch Mitfahrgelegenheiten oder Fahrdienste auf Minijobbasis angebunden werden.“
Insbesondere die stark alternde Gesellschaft benötige laut Sager sichere Verbindungen zu Versorgungszentren. „Ein attraktives Angebot, auf das eigene Pkw zu verzichten und trotzdem mobil zu bleiben, ermöglicht erst den Umstieg.“ Die größeren Städte seien bereits dabei, autofreie Zentren oder Wohnviertel einzurichten. „Der Landkreis Harburg wird dieses Thema stärker angehen müssen, damit die Dörfer und Städte hier lebenswert und attraktiv bleiben“, so Sager.

• Wie denken die WOCHENBLATT-Leser über die Visionen von Karin Sager? Sollte man Autofahrer mit Parkverboten zum Radfahren zwingen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung (bitte mit Name und Adresse) an mum@kreiszeitung.net.