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Schon wieder soll Geld für Kunst ausgegeben werden

Die Fotomontage von Jürgen Müller zeigt, wie eine mögliche Freiluft-Galerie aussehen könnte (Foto: Jürgen Müller)

SPD-Mann Börner beantragt „angemessene“ Aufwertung des Bossard-Eingangsbereichs.

mum. Jesteburg.
Dem ehemaligen TV-Mann Hans-Jürgen Börner (SPD) scheinen die künstlerischen Einrichtungen der Gemeinde Jesteburg sehr am Herzen zu liegen. Im Dezember überraschte er die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur mit dem Antrag, das Kunsthaus mit einer begehbaren Aussichtsplattform auszustatten. Doch dann bekam Börner kalte Füße und zog seinen Antrag in der Sitzung zurück, bevor darüber diskutiert werden konnte. Jetzt hat Börner den Eingangsbereich zum Bossard-Archiv im Visier.
„In der ehemaligen Schule am Sandbarg ist in den vergangenen zwei Jahren ein vorbildliches Bossard-Archiv entstanden, das neben einer ständigen Galerie auch eine zeitgemäße Restaurierung und Archivierung der Kunstwerke und des schriftlichen Nachlasses von Johann und Jutta Bossard enthält“, schreibt Börner in seinem Antrag. „Das Archiv ist top. Allein der Eingangsbereich ist nicht angemessen. Auch hier wäre mit Hilfe der Städtebauförderung ein adäquates Entree zu schaffen, das auch den Sicherheitsansprüchen genügen sollte.“ Eine Vorstellung über die Art der Restaurierung - vor allem aber eine Kostenschätzung - hat Börner seinem Antrag nicht beigefügt.
Zudem hat Börner beantragt, dass die Gemeinde über ein Verfahren berät, wie der sogenannte „Bossard-Platz“ (zwischen Kunsthaus und „Försters Hus“) gestalten werden soll. Börner stellt sich unter anderem eine Bossard-Außengalerie mit Objekten und Installationen vor.
Außerdem bittet Bossard-Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr um eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 1.000 Euro für das Projekt „Winterreise“. Geflüchtete Jugendliche, die in Jesteburg wohnen, gestalten gemeinsam mit Musikern und der Regisseurin Cornelia Salje einen szenischen Abend. „Um das Angebot allen Interessenten zugänglich zu machen, sollen statt eines festen Eintrittsgeldes freiwillige Spenden erbeten werden“, heißt es in dem Antrag. Da die Kunststätte hier über keine Erfahrungswerte verfügt, soll die Gemeinde ein mögliches Defizit ausgleichen.
Die Kunststätte wird jedes Jahr pauschal mit 25.000 Euro unterstützt. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Kunststätte damit durch ist, was die finanzielle Förderung betrifft“, so ein CDU-Ratsherr. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Die Bereitstellung der Sandbarg-Räume kostet laut Jesteburgs Kämmerer Christian Oertzen 105.000 Euro. Die Gemeinde erhält eine Förderung in Höhe von etwa 30.000 Euro - sprich Steuergeld. Im Gegenzug spart Bossard Kosten für die Anmietung von Räumen in Hamburg ein.
Börners Einsatz für die Kunststätte ist nicht verwunderlich: Der SPD-Mann sitzt im Vorstand der Bossard-Stiftung, die für die Finanzierung der Kunststätte verantwortlich ist.
• Die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur findet am Mittwoch, 23. August, ab 19 Uhr im Sitzungsraum der Seniorenbegegnungsstätte (Sandbarg 32) statt.

Auf ein Wort

Geld spielt keine Rolle - für Börner

Auch in Bendestorf ist man von Börners Ideen nicht sonderlich begeistert. Obwohl der Gemeinderat dort unlängst die Entscheidung getroffen hatte, eine alte Studiohalle auf dem ehemaligen Filmstudio-Areal abzureißen und das Filmmuseum in den ehemaligen Bürotrakt unterzubringen (das WOCHENBLATT berichtete), setzte sich der Jesteburger Rastherr mit Vehemenz für den Erhalt des Gebäudes ein.
In Bendestorf entschied man sich vor allem aufgrund der unkalkulierbaren hohen Kosten für den Abriss der Halle. Doch Geld für Kunst ist in Jesteburg bekanntermaßen nie ein großes Problem. Jesteburgs Straßen sind in einem katastrophalen Zustand und Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper warnt ohne Unterlass vor den Kosten bei der Kinderbetreuung. Doch das scheint Politik-Senior Börner nicht zu berühren.
Sascha Mummenhoff