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Setzt Jesteburg künftig stärker auf Gewerbe?

Die Gemeinde Jesteburg sicherte sich das Areal des Reitvereins Ende des Jahres. Die CDU möchte dort jetzt „Wohnen und Arbeiten“ realisieren
 
Britta Witte (CDU)
CDU will zwei Hektar am Ortsrand für „Wohnen und Arbeiten“ ausweisen.

mum. Jesteburg. „Jesteburg hat es versäumt, Gewerbeflächen auszuweisen. Die Konsequenz ist, dass die Gemeinde bei der Gewerbesteuer im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis weit zurückgefallen ist!“ Jesteburgs Gemeindedirektor Hans-Heinrich Höper sparte zuletzt nicht mit Kritik an den Politikern in seiner Gemeinde. Offensichtlich hat sich die CDU den Tadel zu Herzen genommen und einen entsprechenden Antrag formuliert. Demnach soll das Areal am Ortsausgang in Richtung Asendorf, auf dem sich derzeit noch der Reitverein Nordheide befindet, als Gewerbefläche genutzt werden. Wie berichtet, sicherte sich die Gemeinde die 20.100 Quadratmeter für 1,8 Millionen Euro. Der Pachtvertrag des Reitvereins läuft 2020 aus. Geplant ist eine Umsiedlung auf eine Fläche hinter den Sportplätzen des VfL Jesteburg. Da das Grundstück zur Gemeinde Asendorf gehört, laufen derzeit die Abstimmungsgespräche.
Die CDU möchte das Areal unter dem Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ entwickeln. „Konkret geht es um reine Dienstleister sowie eventuell in einem kleinteiligen Bereich produzierendes Gewerbe“, erklärt CDU-Fraktionschefin Britta Witte. „Insbesondere durch die Schaffung einer hochwertigen Infrastruktur mit Breitband beziehungsweise Glasfaserausbau können hier innovative und zukunftsorientierte mittelständische Betriebe angesiedelt werden.“
Der Vorstoß der CDU kommt überraschend, denn bislang hatten sich CDU, SPD und Grüne dort für Wohnbebauung ausgesprochen. Zudem sollte das Gelände als Erweiterungsfläche für die Grund- und Oberschule reserviert werden.

Nun also doch Gewerbe

Jetzt also Gewerbe! Die Jesteburger CDU schlägt vor, dass gerade erworbene Grundstück, auf dem sich unter anderem der Reitverein Nordheide befindet, unter dem Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ zu entwickeln. Dabei wollten SPD, CDU und Grüne das riesige Areal ausschließlich für Wohnungsbau nutzen.
Die CDU sieht darin keinen Widerspruch: „In der Vergangenheit wurde oft im Zusammenhang mit weiterer Wohnbebauung über dieses Grundstück gesprochen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Britta Witte. „Doch die Entwicklung des Umfelds mit Schulen, dem Freibad, Sportanlagen und einem Verbrauchermarkt (Famila), legen den Gedanken nahe, hier außer Erweiterungsflächen für die Schule eine Ergänzung durch Handel und kleinteiliges Gewerbe zu schaffen“, so Witte. Die Gemeinde suche seit Längerem nach Gewerbeflächen. „Der Allerbeeksring ist komplett belegt und Anfragen können nicht bedient werden“, so Witte. „Jahrelang hat die Gemeinde auf Einnahmen durch das hohe Einkommenssteuerniveau gesetzt. Dies kommt der Gemeinde zunehmend durch die Kappung mittels Obergrenze und Finanzausgleich nicht mehr zu gute. Jetzt rächt sich im Haushalt die Vernachlässigung der Einnahmen aus Gewerbesteuer. Dem müssen wir entgegenwirken“, sagt CDU-Finanzexpertin Julia Neuhaus.
In die Planung soll laut CDU-Antrag auch das angrenzende Grundstück des Bauhofs (für die 4.400 Quadratmeter zahlte Jesteburg 400.000 Euro) sowie das ehemalige Feuerwehrhaus einbezogen werden.
Kein Verständnis hat die CDU für die Kritik der UWG Jes! am Ankauf des Geländes. „Die Verwaltung hatte den Auftrag, in einem bestimmten Rahmen mit dem Eigentümer Verhandlungen zu führen. Die Gespräche verliefen erfolgreich, obwohl im Hintergrund andere Bieter in der Warteschlange standen“, so Witte. „Hätte man gewartet, bis - wie von der UWG verlangt - Konzepte auf dem Tisch liegen, wäre das Grundstück weg gewesen.“ So geschehen am Schierhorner Weg, wo die Gemeinde das Nachsehen hatte.
Laut eigenen Angaben hatte Investor Steffen Lücking 2,5 Hektar zwischen Schierhorner Weg und Seevekamp für 1,8 Millionen Euro gekauft. Dabei handelt es sich um Ackerland - noch. Lücking spielt in die Karten, dass die Gemeinde die Fläche selbst erwerben wollte, um dort unter anderem günstigeren Wohnraum zu schaffen. Wie das WOCHENBLATT erfahren hat, soll Lücking auch am Reitverein-Grundstück interessiert gewesen sein und einen deutlich höheren Preis geboten haben. Die Rede ist von 2,5 Millionen Euro. Die Gemeinde zahlte 1,8 Millionen Euro an Eigentümer Hermann Kröger. Zusätzlich wurden Nebenkosten in Höhe von 120.000 Euro fällig.
• Erstmals diskutiert wird der CDU-Vorstoß in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am 18. April (19 Uhr, Sitzungsraum Seniorenbegegnungsstätte).

„Wohnen und Arbeiten“ funktionierte nicht in Hanstedt

Beim Stichwort „Wohnen und Arbeiten“ schrillen in der Nachbargemeinde Hanstedt sämtliche Alarmglocken. Das Gewerbegebiet „Auepark“ (5,5 Hektar) an der Landesstraße 213 war genau für diese Mischform vorgesehen. Doch innerhalb von sieben Jahren gelang es der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH) nicht, das „Sondergebiet für Dienstleistungen und freiberufliche Nutzungen“ zu vermitteln. Größter Mieter wurde ein Tier-Krematorium. Schließlich fasste die Gemeinde den Entschluss, das Areal in ein „normales“ Gewerbegebiet umzuwandeln. Seitdem klappt es mit den Neuansiedlungen besser. Unter anderem werden dort Doppeldeckerbusse gewartet. Aktuell plant das Krematorium eine zweite Anlage, in der Pferde eingeäschert werden können. Das allerdings wollen die Bürger verhindern.