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Streit ums Kunst-Geld: „Podiums“-Vorsitzende Karin Neudert kritisiert Vergabe der Kunst- und Kulturmittel

Das Kunsthaus soll für 110.000 Euro behindertengerecht ausgebaut werden
 
Übt Kritik: Karin Neudert

Im sonst so beschaulichen Heide-Dorf Jesteburg gibt es jetzt Stress ums Geld! Karin Neudert, die Vorsitzende des Kulturvereins "Podium", kritisiert die Vergabe der Kunst- und Kulturmittel. Ihr Vorwurf: "Ohne Lobby gibt es hier kein Geld!"

mum. Jesteburg. In der Jesteburger Kunst- und Kulturszene knirscht es gewaltig. Karin Neudert, die Vorsitzende des Jesteburger „Podiums“, ist mächtig auf Zinne. Es geht ums Geld. Vorige Woche versagten die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur Neuderts Verein (immerhin 140 Mitglieder) einen Zuschuss in Höhe von 9.500 Euro.
Wie berichtet, muss Jesteburg den Kunst- und Kultur-Etat (bislang 50.000 Euro) um die Hälfte kürzen, um mit den dann freien Mitteln der Kunststätte Bossard in Lüllau unter die Arme greifen zu können. Die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude hatte das eigene Engagement gekürzt und damit Jesteburg zum Handeln gezwungen.
„Ich fühle mich ungerecht behandelt“, so Neudert. „Statt das Geld wegen Bossard zu kürzen, hätte man für den Kunsttempel insgesamt mehr Geld zur Verfügung stellen müssen.“ Neudert geht noch einen Schritt weiter: Sie ist davon überzeugt, dass Steuergeld ungerecht verteilt wird. Sie nennt als Beispiel das Kunsthaus: Laut Neudert war es der Gemeinde von Anfang an bekannt, dass das Kunsthaus nicht barrierefrei zugänglich ist. „Trotzdem wurde es für 360.000 Euro gekauft. Nun sollen mindestens 110.000 Euro investiert werden, um das Haus behindertengerecht umzubauen.“ Außerdem habe der Ausschuss dem Kunsthaus-Verein einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro gewährt. Was Neudert so ärgert: „Die Kunsthaus-Kuratorin Isa Maschewski bekommt für ihre Tätigkeit als künstlerische Beraterin ein Entgelt. Im Gegensatz dazu arbeiten der Vorstand und etliche Mitglieder des Podiums ehrenamtlich.“
„Wir haben ein sehr facettenreiches und hoch niveauvolles Programm“, so Neudert weiter. „Damit locken wir ein großes Publikum, das sogar aus Hamburg kommt, nach Jesteburg.“ Bei den letzten Veranstaltungen habe man bis zu 150 Besucher gezählt. „Wir sind eine Visitenkarte für Jesteburg“, ist Neudert überzeugt. „Dies sollte man doch bei der Vergabe der Gelder berücksichtigen.“ Statt der beantragten 9.500 Euro habe der Ausschuss lediglich eine Empfehlung für einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro gegeben. Neudert weist darauf hin, dass der Verein längst vertraglich gebunden sei. „Hochkarätige Musiker müssen frühzeitig unter Vertrag genommen werden.“
Sehr verwundert sei die Podiums-Vorsitzende zudem darüber, dass Jesteburg inzwischen mit dem „Mojo“ sogar einer Bar einen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro für ein Konzert auf der Naturbühne gewährt. „Bislang wurden Veranstaltungen gewerblicher Natur immer abgelehnt“, ist sich Neudert sicher.

Kommentar

Ohne Lobby gibt es kein Geld
Die Geister, die ich rief! Jesteburg bekommt jetzt die Quittung für die sehr großzügige Vergabe von Mitteln - Kritiker sprechen von Steuer-Verschwendung. Weil sich die Politik 2013 nicht dazu durchringen konnte, die durchaus sinnvolle Stelle eines Kulturbeauftragten zu schaffen, wurde ein Extra-Topf - gefüllt mit 50.000 Euro - geschaffen. Wer clever formulierte und die Gunst der Ausschussmitglieder genoss, durfte sich über einen satten Zuschuss freuen.
In Jesteburg führte dies dazu, dass immer mehr Vereine immer mehr Geld haben wollten. Ein Beispiel ist da auch das Podium. 2010 kam Karin Neudert noch mit einem Zuschuss in Höhe von 1.500 Euro aus; 2013 waren es 6.000 Euro und 2014 dann 8.500 Euro. Ähnlich sieht es auch beim Kunsthaus aus. 2.500 Euro in 2010, 3.500 Euro in 2013 und 11.000 Euro für 2014. Für beide Vereine gilt jedoch nicht: Mehr Steuergeld, mehr Leistung!
Jetzt kommt der Rotstift. Es dürfte den Ratsherren schwerfallen, Kürzungen im Bereich Kunst und Kultur zu rechtfertigen, wenn auf der anderen Seite Kunsthaus und Bossard mit großen Summen weiterhin unterstützt werden als gebe es kein morgen. Oder schauen gezielt nur die in die Röhre, die keine Lobby im Rat besitzen?
Sascha Mummenhoff


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