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Wenn ein Nein nicht reicht

Nach fünf Jahren schon zu klein? Die Jesteburger Oberschule muss erweitert werden (Foto: archiv)

Jesteburg kämpft weiter um eine gymnasiale Oberstufe.

mum. Jesteburg. Obwohl es ein deutliches „Nein“ von der niedersächsischen Landesschulbehörde zum Thema eigene Oberstufe an der Oberschule Jesteburg gab (das WOCHENBLATT berichtete), lässt die Schulleitung offensichtlich nicht locker. Vor den Ferien hatte Schulleiterin Iris Strunk im Kreisschulausschuss angekündigt, es nun mit einem Schulversuch zu probieren - also eine Phase, in der mit Zustimmung und unter Überwachung der Schulbehörde neue pädagogische oder organisatorische Modelle ausprobiert werden. Die Mühe kann sich Strunk offenbar sparen, denn auch dieser Idee schiebt die Schulbehörde einen Riegel vor.
„Der Gesetzgeber hat für Oberschulen ausdrücklich keine gymnasialen Oberstufen vorgesehen, indem er bestimmt hat, dass in der Oberschule (nur) Schüler des 5. bis 10. Jahrgangs unterrichtet werden“, so Christopher Winkler von der niedersächsischen Schulbehörde. Dies gelte auch für Oberschulen mit gymnasialem Angebot. Von dieser Vorschrift gebe es nur eine einzige Ausnahme, und zwar dann, wenn bei der Errichtung einer Oberschule gleichzeitig eine Gesamtschule aufgehoben wird, die die gymnasiale Oberstufe bereits geführt hat. „Dieser Ausnahmefall liegt hier jedoch nicht vor, so dass eine Erweiterung der Oberschule Jesteburg um eine gymnasiale Oberstufe nicht möglich ist“, fasst Winkler zusammen. „Auch ein Antrag auf Einführung der Oberstufe im Rahmen eines Schulversuchs hätte keine Aussicht auf Erfolg, da ein Interesse des Landes an einem derartigen Versuch nicht besteht.“

Ein deutlicheres Signal sind da schon die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2017/18. Erstmals seit der Gründung der Schule 2012 wurden nur 76 Jungen und Mädchen angemeldet. Damit wäre Jesteburg erstmals nur dreizügig. Doch da unter den angemeldeten Kindern auch sechs Schüler mit Förderbedarf sind und diese doppelt gezählt werden, springt Jesteburg über die Hürde von mindestens 84 Kindern, die für die Bildung von vier Klassen notwendig sind.
Rückblick: Dank einer im Schulwesen noch nie dagewesenen PR-Kampagne übertrafen die Anmeldezahlen alle Erwartungen. Die neue Bildungseinrichtung startete 2012 mit 171 Jungen und Mädchen. Dieser Jahrgang ist inzwischen auf acht Klassen (174 Kinder) verteilt worden. „Dabei ist die Schule nur dreizügig geplant gewesen“, so Landkreis-Sprecher Johannes Freudewald. Nach dem Mega-Jahrgang gingen die Anmeldezahlen deutlich zurück. Im Schnitt werden 99 Kinder angemeldet - also vier Klassen pro Jahrgang. Für den Schulneubau, der den Landkreis 13 Millionen Euro kostete, ist selbst das zu viel. Wie berichtet, sieht das Konzept der Schule 18 Klassen-, sechs Gruppen- und vier Fachräume vor. Die reichen schon längst nicht mehr. Daher wurden bereits fünf Gruppenräume und ein Fachraum zu Klassenzimmern umgerüstet. Im Schuljahr 2017/18 wird eine komplette Klassenstufe in Containern unterrichtet. Dafür macht der Landkreis 92.000 Euro locker. Für das Schuljahr 18/19 ist eine Erweiterung auf Vierzügigkeit geplant. Kosten: 1,79 Millionen Euro.
Derweil kämpft die Oberschule weiter um die Einführung einer gymnasialen Oberstufe. Diese soll nun über einen Schulversuch erreicht werden. Schulleiterin Iris Strunk hatte den Versuch vor den Sommerferien im Fachausschuss des Kreises angekündigt. Wie genau der Schulversuch aussehen soll, steht derzeit noch nicht fest. Die Landesschulbehörde machte aber deutlich, dass sie keine Erfolgsaussichten für diesen sieht und ihn nicht genehmigen wird. Der Gesetzgeber habe für Oberschulen keine gymnasiale Oberstufe vorgesehen.
• Wie berichtet, hatte Jesteburg schon zuvor mit allen Mitteln um die Oberstufe gekämpft. Für Wirbel hatte unter anderem ein Bettelbrief an Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) - unterzeichnet von Philipp Leser und Nicole Eckelmann (Schulelternrat) sowie Nathalie Boegel (CDU), Steffen Burmeister (SPD) und Karl-Heinz Glaeser (Grüne) - gesorgt.

Auf ein Wort

Gern hätte ich auch Schulleiterin Iris Strunk zum Thema Schulversuch befragt. Aber statt selbst Rede und Antwort zu stehen, verwies Strunk an die Pressestelle der niedersächsischen Landesschulbehörde. "Schulen haben die Möglichkeit, über uns zu kommunizieren", klärte Pressesprecherin Bianca Schöneich auf. "Allerdings komme ich meistens nur dann zum Einsatz, wenn es um kritische Anfragen geht. Schöne Dinge berichten die Schulen gern selbst."
Ich persönlich finde das Verhalten von Frau Strunk sehr bedauerlich. Von jemanden, der Jugendlichen unter anderem vermitteln soll, für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen und dazu auch zu stehen, hätte ich mehr Rückgrat erwartet. Frau Strunk versteckt sich hingegen lieber hinter einer Pressesprecherin.
Sascha Mummenhoff

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