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„Die Regulierungsflut stoppen“

Der Vorstand der Volksbank Lüneburger Heide Gerd-Ulrich Cohrs (li.) und Cord Hasselmann (re.) beim Wirtschaftstag in Winsen zusammen mit Landrat Rainer Rempe (2. v. li.) und dem Referenten Uwe Fröhlich (Foto: Volksbank Lüneburger Heide)
 
Uwe Fröhlich, Generalbevollmächtigter der DZ BANK, nahm auf dem Wirtschaftstag die Regulierungsflut im Bankensektor ins Visier (Foto: Volksbank Lüneburger Heide)

„Niedrigzins und Digitalisierung - wo bleibt der Kunde?“: Uwe Fröhlich sprach auf dem Wirtschaftstag der Volksbank.

mum. Winsen. Eingeladen hatte die Volksbank Lüneburger Heide den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, der den Spitzenverband der genossenschaftlichen Bankengruppe vertritt. Gekommen war Uwe Fröhlich als Generalbevollmächtigter und angehender Vorstandsvorsitzender der DZ-Bank - diesen Wechsel hatte er zum 1. November vollzogen. Kein Grund für ihn, sich nicht weiterhin mit den Fragen und Anliegen der Volksbank-Kunden und -Mitglieder zu befassen. Vor etwa 650 Gästen - „etwas so viele, wie wir Mitarbeiter haben“, so Volksbank-Vorstand Cord Hasselmann in seiner Begrüßung - schilderte Fröhlich in der Winsener Stadthalle, wie sich Maßnahmen der EZB und der Europäischen Union auf den Verbraucher auswirken könnten und welche Haltung Deutschland dazu hat. Er erinnerte zunächst an die Bankenkrise, die 2007 in den USA ihren Anfang genommen hatte.  „Die Krise erschütterte unseren Glauben an die soziale Marktwirtschaft. Das beschäftigt die Politik bis heute“, so Fröhlich. Die Folge war eine schärfere Bankenregulierung, was Fröhlich unterstützte. „Aber sie muss an der richtigen Stelle greifen.“ Letztlich habe die Krise für einen großen Regulierungsschub gesorgt.
Als gut bezeichnete Fröhlich die einheitlichen Richtlinien für Eigenkapital und Liquidität, als problematisch hingegen Regelungen, die den Verbraucherschutz berühren. Die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie - „schon als Wort ein Ungetüm“ - etwa verlange sicherzustellen, dass der Kredit zu Lebzeiten des Kreditnehmers abbezahlt werden könne. „Demnach wären sämtliche Politiker im Bundestag nicht kreditwürdig, da ihr Einkommen nur auf eine Legislaturperiode befristet gesichert ist.“ Auch die vorgeschriebene elektronische Aufzeichnung bei telefonischen Beratungsgesprächen sei eine „Maßnahme, die Misstrauen sät zwischen Kunden und ihrer Bank“.
Eine gemeinsame Einlagensicherung sieht Fröhlich kritisch: „Für Italien zum Beispiel wären 12,5 Milliarden Euro durch die europäische Solidargemeinschaft aufzubringen gewesen. Das finden wir - Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Privatbanken in Deutschland - nicht wirklich attraktiv.“ Die Bundesregierung habe sich gegen eine gemeinschaftliche Einlagensicherung positioniert.
Die anhaltend niedrigen Zinsen belasten Anleger, doch es gibt auch Profiteure: Schuldner, Anleger von Risikokapital, Firmenübernahmen (die durch günstige Kredite möglich werden) und den Staat als Schuldner. „Wir glauben aber, dass sich eine Zinswende mittel- bis langfristig nicht vermeiden lässt. Die USA haben schon vorgelegt, der europäische Wirtschaftsraum kann sich der Entwicklung nicht entziehen. Wir gehen außerdem davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland weiter positiv verlaufen wird.“
Die Banken hingegen müssten nachdenken, wie ihr Geschäft dauerhaft funktioniert. „Das geht nicht mehr gratis, Dienstleistungen müssen ihren Preis haben“, betonte Fröhlich. Anderseits seien den Bundesbürgern schon 436 Milliarden Euro an Zinsen entgangen, dem stünden 190 Milliarden Ersparnis durch günstige Kredite gegenüber.
Beim Thema Digitalisierung übte Fröhlich Selbstkritik: „Wir sind auf Bankenseite sehr spät aufgestanden und hätten beinahe den Anschluss verpasst. Wir haben aber früh entschieden, dass wir keine Direktbank sein wollen, sondern die Genossenschaftsbanken vor Ort stärken.“

Von IBM an die DZ BANK-Spitze

Als gelernter Bankkaufmann und studierter Betriebswirt arbeitete Uwe Fröhlich zunächst für die Arthur Andersen Unternehmensberatung und für IBM, bevor er im März 2001 in den Vorstand der Berliner Volksbank berufen wurde. Von 2008 bis 2017 war er Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Berlin (BVR). Er war zuständig für Geschäftspolitik/Kommunikation, Marketing, Service/Personal. Seit 2012 war er zugleich Präsident des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV). Zum 1. November wechselte er als Generalbevollmächtigter in das Führungsteam der DZ BANK. Ab 2019 wird er zusammen mit DZ BANK Finanzvorstand Dr. Cornelius Riese die neue Doppelspitze der DZ BANK bilden.