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Die Stimmung ist gedrückt

Kreislandwirt Willy Isermann (v. li.), Ulrich Peper (Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer) und Landvolk-Vize Heinrich Wentzien zogen eine vorläufige Ernte-Bilanz
 
Kreislandwirt Willy Isermann (v. li.), Ulrich Peper (Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer) und Landvolk-Vize Heinrich Wentzien zogen jetzt eine vorläufige Ernte-Bilanz

Die Situation der Landwirte im Landkreis Harburg passt zum Wetter. Aufgrund der vielen Regentage fällt die Ernte zwar gut aus, doch Überproduktionen drücken auf den Preis. Zudem mindert die hohe Feuchtigkeit die Qualität. Jetzt zogen Kreislandwirt Willy Isermann, Ulrich Peper (Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer) und Landvolk-Vize Heinrich Wentzien eine vorläufige Ernte-Bilanz.

(mum). Am Thema Milch kommen auch die Landwirte im Landkreis Harburg nicht vorbei. „Mit allergrößter Sorge wird von allen Berufskollegen die bestehende Situation auf dem Milchmarkt und in der Milchproduktion gesehen“, sagte Ulrich Peper, Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, anlässlich der Vorstellung der vorläufigen Ernte-Bilanz am Donnerstag. „Der hier schon länger am Boden liegende Rohmilchpreis bringt den Produktionsbereich mit der größten Bedeutung im Landkreis Harburg in Existenznot, ohne dass eine Lösung in dieser komplexen Problemlage in Aussicht steht.“ Laut Peper gehören dem Kreisverband Lüneburger Heide 900 Betriebe an, 450 davon bewirtschaften Höfe im Haupterwerb. Wiederum 150 Betriebe sind in der Milchwirtschaft zu Hause. „Einige Bauern haben ihre Molkereiverträge gekündigt“, so Kreislandwirt Willy Isermann. Die Folgen sind dramatisch. Statt der notwendigen 30 bis 35 Cent pro Liter gebe es nur noch 15 Cent. Die an Molkereien angeschlossenen Landwirte kommen laut Isermann auf 18 bis 22 Cent. „Die Lösung ist aber nicht ein höherer Liter-Preis im Discounter“, so Heinrich Wentzien, Vize-Vorsitzender des Landvolks, Kreisverband Lüneburger Heide. „Nur zehn Prozent der Milch wird auch als solche verkauft.“ Der Rest werde zu Milchprodukten wie Joghurt, Käse oder Milchpulver verarbeitet. Er geht davon aus, dass kleine Betriebe aufgeben werden und große noch einflussreicher werden.
Kritik übte Wentzien an Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). „Er hat kein Ohr für unsere Bedürfnisse“, so der Vize-Vorsitzende. „Immer neue Auflagen und eine ausufernde Dokumentationspflicht machen es den Landwirten sehr schwer, die dringend notwendigen Agrar-Subventionen zu bekommen.

Der Ausblick auf die aktuelle Ernte fällt durchwachsen aus. „Durch die günstigen Vegetationsbedingungen erwarten wir beim Getreide eine leicht überdurchschnittliche Ernte“, so Peper. Sie werde das Vorjahresergebnis übersteigen. „Wenn die Ernte jetzt zügig eingefahren werden kann, besteht auch aus Qualitätsgesichtspunkten keine Einschränkung.“ Gefahr drohe, wenn das Getreide feucht werde. Parallelen gebe es etwa zum Erdbeer-Anbau. „Die Früchte stehen im Wasser und drohen zu verderben“, so Isermann.

• Der Überschuss hat für die Landwirte nicht nur positive Seiten: Zum dritten Mal in Folge erwarte man weltweit eine große Getreideernte. Das lässt die Preise sinken. Konkret bewegen sich die Erntepreise untergliedert nach Fruchtart, Verfügbarkeit und Qualität für Getreide aktuell in einer Spanne von zwölf bis 16 Euro je Dezitonne (100 Kilo). Dabei wird das Qualitätsgetreide jeweils um einen bis zwei Euro besser bezahlt als Futtergetreide. Bei Raps sind sogar Preise im Bereich von 32 bis 35 Euro je Dezitonne möglich.
Zudem stehen geringere Ausgaben bei der Beregnung steigenden Kosten beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegenüber.

• Die Experten beobachten einen Trend im Bereich der Sonderkulturen (unter anderem Weihnachtsbäume und Spargel). „Hier entstehen Kooperationen“, sagt Isermann. Häufig haben Landwirte hier ihre Höfe zu Betrieben umgebaut, die auch die Bereiche Tourismus und Verkauf einschließen. „Das ist aber ein langwieriger Prozess und bedarf entsprechender Investitionen.“ Aus diesem Grund arbeiten hier Landwirte auch im Auftrag anderer.

Ein Blick in die Zahlen:

Im Landkreis Harburg werden etwa 55.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in der Agrarstatistik ausgewiesen. Sie teilt sich auf in etwa zwei Drittel Ackerland (36.500 Hektar) und ein Drittel Grünland (16.500 Hektar). Auf den Äckern werden 14.700 Hektar mit Getreide und 10.000 Hektar mit Silomais bestellt. „Beim Mais ist diese Zahl zum ersten Mal erreicht worden“, sagt Ulrich Peper. Im Vorjahr waren es noch 9.500 Hektar. Vor dem Hintergrund, dass es im Bereich der Bio-Gas-Anlagen eine Stagnation gibt, sei es überraschend, dass die Landwirte hier weiter aufrüsten.
Raps wächst auf 2.500 Hektar (Vorjahr 3.000 Hektar). Weiterhin gibt es 3.400 Hektar Hackfrüchte (Kartoffeln, Zuckerrüben) sowie 4.000 Hektar Sonderkulturen (Weihnachtsbäume, Spargel). Die Restackerfläche besteht aus Ackergras und Brachflächen. Damit ist der Anbau auf den Äckern im Vergleich zum Vorjahr weitgehend unverändert geblieben. „Kleinere Schwankungen sind immer möglich und oft eine spontane Reaktion auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen“, sagt Ulrich Peper.