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Bürger wollen ihre grünen Riesen retten

Oberdeichrichter Uwe Hampe (re.) steht in der Kritik
bc. Jork-Moorende. „Diese Eichen sind wie Dorfmitglieder“, sagt Thomas Stöckmann (51). Seit mehr als einem Jahrhundert thronen sie am Estedeich in Jork-Moorende. Zwei von ihnen sollen jetzt gefällt werden. „Das zerreißt mir das Herz“, sagt der Mann, der seit seiner Geburt in Moorende wohnt, „die Bäume prägen das Ortsbild.“

Die Eichen in Moorende stehen praktisch stellvertretend für alle Bäume an den Altländer Deichen an Este und Lühe, die der Deichverband der II. Meile Alten Landes über kurz oder lang fällen lassen will oder es schon getan hat (das WOCHENBLATT berichtete). Denn das Niedersächsische Deichgesetz sagt: keine Bäume auf Deichen. 36 „Riesen“ an Este und Lühe sind aktuell mit dem roten „Todeskreuz“ markiert.

Am Mittwoch bei einer der alljährlichen Deichschauen versammelten sich in Moorende rund 60 Bürger. Sie erhofften sich vom Deichverband eine Antwort auf die Frage: Wieso sollen ausgerechnet diese zwei, offenbar gesunden Eichen der Säge zum Opfer fallen? Zumal die Altländer schon in der Grundschule gelernt hätten, dass tiefwurzelnde Eichen der Deich- und Böschungssicherheit dienen.

Oberdeichrichter Uwe Hampe hatte keinen leichten Stand gegen die Baumliebhaber. Er erklärte, was er in den vergangenen Monaten gefühlte hundertmal wiederholt hat: „Wir sind an die Deichgesetze gebunden. Und die sagen: keine Bäume auf Deichen.“ Einen Kahlschlag aller Bäume an der Este werde es jedoch nicht geben. Es existiere eine Vereinbarung mit dem Landkreis, nicht alle Bäume gleichzeitig zu beseitigen. Die zwei Eichen müssten gefällt werden, weil sie akut die Deichsicherheit gefährden, so Hampe. Wieso sie dies nach all den Jahren gerade jetzt tun, blieb unbeantwortet.

Immerhin: Der Deichverband in Person von Hampe zeigt sich kompromissbereit. Auch wenn bereits Fachleute des Landkreises Stade die Fällung der Bäume abgesegnet hätten, könne sich Hampe vorstellen, ein unabhängiges Gutachten eines anerkannten Sachverständigen einzuholen. Bis dahin und bis zu einem erneuten Austausch aller Beteiligten blieben diese Bäume stehen, so Hampe. Das Ergebnis könne allerdings nicht lauten, dass alle Bäume auf den Deichen stehen bleiben.

Rainer Podbielski, Sprecher der neugründeten „Interessengemeinschaft Este“, bot an, dass die IG die Pflege der Eichen in Moorende übernehmen könnte, um die Bäume zu retten. „Wir könnten dazu z.B. Spendengelder auftreiben“, so der Mann. In Moorende gebe es eine 100-prozentige Zustimmung unter der Bevölkerung, die Eichen zu erhalten.

Landrat Michael Roesberg dazu: „Wenn Menschen bereit sind, die Bäume zu pflegen, ist das eine gute Sache.“ So könnten die Bürger erreichen, dass die Eichen länger stehen bleiben dürfen. Eine Baumkrone zu schneiden, sei allerdings sehr teuer, so Roesberg.

• Jorks Bürgermeister Gerd Hubert kündigte an, dass der Deichverband am 30. Oktober im öffentlichen Jorker Bauausschuss zu Gast sein wird. Zuschauer sind willkommen.