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„Dieser Hafen passt hier nicht ins Landschaftsbild“

Mit der Idylle an der Este in Groß Hove könnte es bald vorbei sein (Foto: oh)
bc. Jork. Idyllisch ist es an der Este im Jorker Ortsteil Groß Hove: Kleine Boote gleiten ab und an durchs Wasser, die Obstbäume am Ufer wippen im Wind. Nichts zu spüren von hektischer Betriebsamkeit. Falls das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) genau hier seinen neuen Betriebshafen bauen würde, so wie es zwei Unternehmer planen, wäre es vorbei mit der Idylle. In der Bevölkerung regt sich Widerstand - was meistens passiert, wenn offenbare Einzel- auf allgemeine Bürgerinteressen treffen.

„Ich kann nicht verstehen, wieso 6.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche vernichtet werden sollen, ausschließlich aufgrund privater Interessen“, sagt Anwohner Ingo Koch. Der 69-Jährige wohnt direkt neben dem Grundstück in Groß Hove und hat zusammen mit seinen Nachbarn in den vergangenen zwei Wochen rund 300 Unterschriften - überwiegend von Este-Anrainern - gegen die Pläne eingesammelt. Am Montag übergab er die Liste an Jorks Bürgermeister Gerd Hubert. Der sagte: „Politik und Verwaltung in Jork unterstützen die Anwohner.“

Zum Hintergrund: Ein Buxtehuder Architekt und ein Jorker Reeder, deren Stadtvillen direkt neben dem bisherigen WSA-Hafen in Buxtehude liegen, wollen sich das etwa 3.500 Quadratmeter große Grundstück sichern, um hier möglicherweise mal auf einem Teil des Grundstücks weitere Wohnhäuser zu errichten.

Dem WSA haben sie dafür einen Flächentausch angeboten. In Groß Hove würden die Investoren einen Ersatzhafen bauen. Das bedeutet: Auf Höhe der Hausnummer 136 entstünde eine Lagerhalle und eine etwa 50 Meter lange Kaimauer. Für das WSA hätte der Tausch insofern Vorteile, dass ihr Hafen näher an der Elbmündung liegt.

Koch: „Es besteht kein öffentliches Interesse, diesen Hafen ausgerechnet nach Groß Hove zu verlegen. Es gibt viel bessere Standorte, z.B. in Neuenfelde im Gewerbegebiet.“ In Groß Hove grenze der Hafen direkt an ein Schutzgebiet nach europäischer Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, zudem sei die Zuwegung nicht ausgelegt für Schwerlastverkehr und aus touristischer Sicht sei es eine Katastrophe, dort einen Hafen zu bauen, so Koch.
Bürgermeister Hubert: „Das Grundstück in Groß Hove liegt im Außendeichbereich und kann nur in begründeten Einzelfällen zur Bebauung freigegeben werden.“ Die Notwendigkeit zur Einzelfallregelung sieht Hubert nicht. Das Landschaftsbild müsse erhalten bleiben.

Die Crux: Stellt das WSA einen Antrag, im Überschwemmungsgebiet der Este zu bauen, könnte es sich als eigenständige Baubehörde des Bundes das Vorhaben selbst genehmigen, berichtet Ingo Koch.

Die Grünen haben das Thema auf Landkreis-Ebene gehoben, wollen es am heutigen Mittwoch im Ausschuss für Umweltfragen diskutieren. Die SPD in Jork möchte sogar eine Resolution gegen den Hafenbau verabschieden.