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Ein Gruß aus dem All?

Die wilde Konstruktion wirkt ein bisschen wie ein selbst zusammengebautes Gimmick aus dem Yps-Heft
bc. Jork. Eine ungewöhnliche Entdeckung machte jüngst Hinrich Olters in seinen Jorker Kirschbaum-Plantagen: eine kleine Styropor-Kiste mit Antenne, ein geplatzter Latex-Ballon, ein Plastik-Fallschirm, alles verbunden mit jeder Menge Tüdelband. Die wilde Konstruktion wirkt ein bisschen wie ein Gimmick aus dem Yps-Heft.

"Was kann das sein?", rätselte der Obstbauer. Vielleicht ein geheimnisvoller Hilferuf eines Astronauten? Oder ein außerirdischer Gruß aus dem All? Ein kleiner Aufkleber auf dem Styropor-Dingsbums gibt Aufschluss. Das WOCHENBLATT fragte beim Hersteller "Graw" in Nürnberg nach.

Die Hoffnung auf einen Hinweis extraterrestrischen Lebens muss begraben werden. Es handelt sich um eine Radiosonde, die als meterologisches Messinstrument dient, teilt ein Sprecher der Firma mit. Weltweit sollen davon weit mehr als eine Million pro Jahr in der Luft herumschwirren. "Graw" sei das einzige deutsche Unternehmen, das solche Sonden produziert. Insgesamt gebe es über den Globus verteilt nur fünf Hersteller.

Abnehmer sind z.B. der Deutsche Wetterdienst (DWD), der in Deutschland ein Dutzend Radiosondenstationen betreibt, diverse andere Forschungseinrichtungen und die Bundeswehr. Olters' Sonde stammt aus einer Bundeswehr-Order, wie sich anhand der Seriennummer nachprüfen lässt.

So funktioniert die Sonde: Ein schlaff gefüllter Gasballon aus Latex steigt bis zu 30 Kilometer in die Stratosphäre auf. Die daran befestigte Technik in der Styroporkiste - ausgestattet mit einem GPS-Chip und verschiedenen Sensoren - übermittelt Wetterparameter drahtlos in Echtzeit an die Bodenstationen: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung, Windgeschwindigkeit.

Mit zunehmender Höhe wird der Ballon durch den abnehmenden Luftdruck immer praller und platzt schließlich. Damit die Sonde nicht einfach auf die Erde prallt, ist sie mit einem kleinen Fallschirm ausgerüstet.

Unten angekommen ist die Sonde ein Wegwerfprodukt für den Hausmüll. "Früher wurden sie recycelt. Da die Technik aber immer günstiger geworden ist, lohnt das nicht mehr", erklärt der "Graw"-Sprecher. Ungefähr 100 Euro koste eine Radiosonde. Viele Stationen lassen alle zwölf Stunden eine Sonde steigen, meist zu Mittag und Mitternacht.

Übrigens: Manche Menschen machen sich den Spaß, den Flug der Sonden zu verfolgen und sie nach dem Herabschweben aufzusammeln. Teilweise soll es zu regelrechten Kopf-an-Kopf-Rennen von Sondenjägern kommen.