Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Eine Ausstellung als Mahnung

Jorks Museumsleiter Dieter-Theodor Bohlmann hat viele Alltagsgegenstände aus der Zeit um 1945 zusammengetragen, darunter auch den Kinderwagen einer Flüchtlingsfamilie und ein altes Fahrrad
bc. Jork. Monatelang hat Dieter-Theodor Bohlmann in mühevoller Kleinarbeit diese Ausstellung vorbereitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Seit Freitag ist die Ausstellung mit dem Titel „1945 - Ende - Anfang“ im Museum Altes Land in Jork (Westerjork 49) geöffnet - gleichzeitig ist sie der Startschuss für die Sommersaison.

„Die Ausstellung sollte für alle Besucher eine Mahnung sein. Es gibt keine gerechten Kriege. Denn sie sind mit Zerstörung, Vertreibung, Verletzung, Not und Tod verbunden“, sagt der ehrenamtliche Museumsleiter. Neben dem Kriegsende wird die Zeit der Rationierung, die Entnazifizierung sowie der Umgang mit den 50.000 Flüchtlingen im Kreis Stade nähergebracht.

Die Elbe war eine der Haupteinflugschneisen für die alliierten Bomber. So wurde auch das Alte Land nicht vom Bombenkrieg verschont. Im Frühjahr 1943 traf es die Bewohner an der Niederelbe am heftigsten. Am 3. Februar zerstörten Bomben in Jork und Borstel 18 Häuser und beschädigten 31 Gebäude, u.a. die Mühle. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Am 3. und 4. März vernichteten Bomben zwölf Wohnhäuser und 19 Nebengebäude in Osterjork sowie zwölf Wohnhäuser und elf Schuppen in Borstel. 13 Tote forderte dieser Angriff. Insgesamt starben 1.529 Altländer im Zweiten Weltkrieg, darunter viele Zivilisten.

Am 2. Mai besetzten britische Truppen das Alte Land. „Obwohl die Briten die Deutschen ausgesprochen fair behandelt haben, darf diese schlimme Zeit nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Bohlmann.

Mithilfe von zahlreichen Zeitzeugen hat er seltenes Material zusammengetragen: Fotos, Alltagsgegenstände, Spielzeug, sogar ein Fahrrad und der Kinderwagen einer Flüchtlingsfamilie sind dabei. Einige Exponate bekam Bohlmann einst von seinem mittlerweile verstorbenen Freund John L. Hillyer geschenkt. Der britische Besatzungssoldat heiratete eine Deutsche und arbeitete später mit Bohlmann als Lehrer an der Berufsschule.

Von Hillyer stammt auch das amtliche Dokument „Instructions for British Servicemen in Germany 1944“. Darin wird den britischen Soldaten ein Leitfaden an die Hand gegeben, wie sie sich im Umgang mit Deutschen zu verhalten haben: „Immer streng, aber fair. Die Deutschen auf Distanz halten, selbst diejenigen, mit denen man offiziell zu tun hat“, steht darin.

Viele spannende Geschichten erzählt die Ausstellung. Unter anderem die von Stades Gauleiter Otto Telschow, der Anfang 1945 die Bevölkerung aufrief, alle Deserteure zu denunzieren: „Feiglinge verdienen kein Mitleid.“ Nach der britischen Besatzung wollte Telschow als Waldarbeiter untertauchen. Bei seiner Festnahme versuchte er sich umzubringen, starb kurze Zeit später im Krankenhaus in Lüneburg.

Dieter-Theodor Bohlmann wünscht sich, dass viele Schulklassen die Ausstellung besuchen. Auf Anfrage wäre er bereit, Führungen anzubieten. Bohlmann: „Noch hat sich jedoch keine Klasse gemeldet.“

• Die Ausstellung läuft bis zum 24. Mai, jeden Tag außer montags. Geöffnet ist das Museum immer von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.