Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Fährpläne: Anwohner in Jork-Wisch fühlen sich übergangen

Die Autofähre soll mit einem umweltschonenden Hybridmotor angetrieben werden (Foto: Becker Marine Systems)
 
Die Idylle an einem der letzten Strände an der Elbe wäre durch eine Autofähre erheblich gestört
bc. Jork-Wisch. So einfach, wie sich die Harburger Firma „Becker Marine Systems“ das gedacht hat, ist es wohl nicht. Im Alten Land regt sich Protest gegen die geplante Autofähre über die Elbe von Jork-Wisch nach Wedel. Grundstückseigentümer, deren Flächen für den Bau von Park- und Wartezonen benötigt werden, fühlen sich übergangen.

„Wir haben von den Plänen aus der Zeitung erfahren und sind erschüttert. Wir werden unsere Flächen nicht verkaufen“, stellt Petra Schlieker fest. Sie lebt mit ihrer Familie in Sichtweite der künftigen Autofähre „Elblinien“.

Wie die Schliekers besitzen viele Anwohner in Jork-Wisch hinter dem Deich kleine, handtuchgroße Grundstücke. Sie alle wehren sich gegen die Überplanung. „Dieses Projekt befürwortet keiner von uns“, sagt Schlieker. Es passe nicht hierhin. Der geplante Anleger läge nur wenige Meter entfernt von einem Schutzgebiet. Zudem wäre einer der letzten Strände an der Elbe von den Planungen betroffen. „Der Obstbau und die Naherholung haben für uns Priorität“, so Schlieker.
Nicht nur die Anlieger, auch die Jorker Politiker haben in Teilen Vorbehalte gegenüber der Fähre und den Begleiterscheinungen. Während Bürgermeister Gerd Hubert (Bürgerverein) dem Projekt „einen gewissen Charme“ attestiert, lehnen CDU und Grüne die Pläne ab. „Wir befürchten, dass es zu einem massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens auf der K39 führen würde“, sagt CDU-Ortsverbandsvorsitzende Silja Köpcke.
Auch das von „Becker Marine Systems“ in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten, das zu der Erkenntnis kommt, dass die Fährpläne den Verkehr auf der jetzt schon stark frequentierten Kreisstraße nicht beeinträchtigen werden, beruhigen die politischen Gegner nicht. „Das Gutachten trifft lediglich Aussagen zum Verkehrsaufkommen durch Pendler, es lässt aber die Autofahrer außer Acht, die mit der Fähre den Stau am Elbtunnel umfahren wollen“, so Köpcke.
Unterdessen arbeitet „Becker Marine Systems“ mit Hochdruck an der Realisierung. Dass die Anwohner, respektive die Grundeigentümer, nicht vorher informiert wurden, bedauert Ralf-Thomas Rapp, Geschäftsführer der „LNG Hybrid“, eine Abteilung bei „Becker Marine Systems“. Seine Erklärung: „Wir wussten es nicht besser.“ Zunächst sei man davon ausgegangen, dass die Flächen von Wilhelm Stubbe („Fährhaus Kirschenland“) ausreichen werden. Stubbe befürwortet laut Rapp das Projekt. Nun werde die Verfügbarkeit der anderen Flächen geklärt, so der Manager.
„Wir sind guter Dinge, was die Vorstauflächen angeht“, so Rapp. Es gebe aber auch Varianten, in denen die handtuchgroßen Streifen Land nicht gebraucht werden. Derzeit geplant: eine mehrstreifige Wartezone mit Platz für ca. 130 Fahrzeuge sowie eine Ausfahrt, die etwa 70 Fahrzeuge aufnehmen kann.

In positiven Gesprächen befinde man sich nach Angaben von Rapp mit dem Deichverband, der dem Fährprojekt zugeneigt sei. Auch auf Schleswig-Holsteiner Seite sei mit dem geplanten „BusinessPark Wedel“ ein Fortschritt erkennbar, so Rapp. Jetzt werde man sich verstärkt um die Kritiker in Jork-Wisch kümmern.
Dort herrscht offenbar reichlich Gesprächsbedarf. Schlieker: „Wir sind doch nicht der Ableiter für Hamburger Verkehrsprobleme.“

• Die Autofähre der „LNG Hybrid“ soll etwa 65 Meter lang und 14 Meter breit sein und 60 Pkw und 200 Passagieren Platz bieten. Im Halbstundentakt soll von beiden Ufern jeweils ein Schiff ablegen. Befördert werden Pkw, kleine Lieferwagen, Wohnmobile, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger.

Etwa 24 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Darin enthalten: der Bau zweier Schiffe, Infrastruktur und ein innovatives Buchungssystem. Schon weit vor den Anlegestationen sollen Autofahrer über elektronische Hinweistafeln Wartezeiten erfahren können. Die Fähre wird mit einem umweltschonenden Hybridmotor angetrieben. „Becker Marine Systems“ plant, dass der Steuerzahler etwa 50 Prozent der Infrastruktur-Kosten trägt. Aufgrund der umweltschonenden Technik hofft das Unternehmen auf staatliche Fördermittel. 2016 soll die Linie in Betrieb gehen.