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Hat Jork wirklich genug Krippenplätze?

Angela Heinssen, Vorsitzende der Kita-Landeselternvertretung Niedersachsen, ist der Ansicht, dass Jork nach wie vor zu wenige Plätze vorhalte (Foto: archiv)
bc. Jork. Was sind die Statistiken wert, die jüngst von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade zur Standortuntersuchung des Elbe-Weser-Raums veröffentlicht wurden? Machen die Zahlen deutlich, welche Anstrengungen die Gemeinde Jork in den vergangenen zwei Jahren unternommen hat, um möglichst alle Kleinkinder in Krippen unterzubringen. Oder zeigen sie auf, dass Jork noch immer Nachholbedarf hat?

Zur Erklärung: Zum Stichtag 1. März 2013 stand die Gemeinde Jork laut aktueller IHK-Statistik so schlecht da, wie keine zweite Kommune im Elbe-Weser-Dreieck. Eine Besuchsquote von nur 4,2 Prozent der 0 bis unter 3-Jährigen in öffentlich geförderten Kindertageseinrichtungen war katastrophal. Anders gesagt: Nur jedes 25. in Jork lebendes Kind unter drei Jahren besuchte eine Krippe.

Zwei Jahre später verfügt die Gemeinde nach eigenen Angaben über ca. 140 Krippenplätze - etwa 85 in Kindergärten und 55 in der Tagespflege – auf die die ein- und zweijährigen Kinder seit dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch besitzen.

Nach Angaben von Fachbereichsleiter Uwe Köpcke sind all diese 140 Plätze ausgebucht. Sprich: 70 Prozent der ein und zwei Jahre alten Kinder sind in Jork in einer Krippe oder in der Tagespflege untergebracht.

Von 4,2 auf 70 Prozent in nur zwei Jahren. Wie schafft man das denn?

Zunächst einmal mit viel Geld. Die Gemeinde hat Millionen investiert, um das Krippenangebot auszubauen. Im Neubau am Osterminnerweg entstanden laut Köpcke 30 neue Plätze, 15 weitere in der DRK-Kita „An der Este“ in Estebrügge, fünf in der St. Matthias-Kita „Jorkerfelde“, fünf im DRK-Kindergarten in Lühe und fünf im St. Nikolai-Kindergarten in Borstel. 20 bis 25 Plätze wurden in der Tagespflege geschaffen.

Haben denn bislang alle Eltern einen Platz für ihr Kind erhalten oder gab es Klagen? Laut Köpcke habe es tatsächlich zwei Klagen gegeben, die sich aber in „Wohlgefallen aufgelöst haben“.

Sieht die Realität wirklich so aus? Das WOCHENBLATT fragte bei Angela Heinssen aus Jork nach, seit 2014 Vorsitzende der Kita-Landeselternvertretung Niedersachsen. Hat die Gemeinde genug Plätze? „Wenn man die Quote ausrechnet, muss man sie ehrlich rechnen und die unter einjährigen Kinder einbeziehen“, sagt Heinssen Auch für sie gelte ein Rechtsanspruch, sofern die Eltern arbeiten.

Heinssen ist der Ansicht, dass Jork nach wie vor zu wenige Plätze vorhalte. Sie zweifelt die von Uwe Köpcke vorgelegten Zahlen an. Vor allem in der Ganztagsbetreuung müsse sich Jork an seinem großen Nachbarn Hamburg orientieren. Heinssen: „Die Schaffung neuer Ganztags-Kitaplätze wird in Jork noch immer stiefmütterlich behandelt.“ Es gelte hier, den Ausbau der Ganztagsplätze weiter voranzutreiben und so die Vereinbarkeit von Beruf und von Familie zu sichern, wie sie im aktuellen Gleichstellungsbericht des Lankreises und von Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Stade, eingefordert werde.