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"Herbstprinz" in Jork: Bleibt die Ruine noch viele Jahre stehen?

Kein schöner Anblick: 2012 fackelte der "Herbstprinz" ab
bc. Jork. Zwei Brandruinen beschäftigen die Jorker Politiker, die Verwaltungsmitarbeiter und nicht zuletzt die Einwohner schon seit mehreren Jahren: "Altländer Hof" und "Herbstprinz" - mittlerweile Reizthemen in der Gemeinde. Bei Erstgenanntem scheint Bewegung in die Sache zu kommen, beim "Herbstprinz"-Grundstück könnte es passieren, dass die Ruine das Jorker Ortsbild noch jahrelang verschandeln wird, jedenfalls wenn es so kommt, wie von Insolvenzverwalter Christian M. Scholz befürchtet.

Beide Grundstücke gehören der insolventen Eigentümerin Sandra T., die nach ihrem Gefängnis-Aufenthalt nach WOCHENBLATT-Informationen wieder bei ihren Eltern in Hamburg lebt und dort auch arbeitet.

Zur Erinnerung: Andreas S., früher Wirt des "Herbstprinzes", wurde im März 2011 Opfer eines Überfalls, den seine Ex-Freundin Sandra T. und ihr heimlicher Geliebter Marc W. verübt haben sollen. T. wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, W. musste ins Gefängnis. Kurz nachdem Sandra T. 2011 aus der U-Haft entlassen wurde, brannte der "Altländer Hof" ab. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Anschlag fackelte auch der "Herbstprinz" ab.

Beim "Altländer Hof" scheinen die Verkaufsverhandlungen weit fortgeschritten zu sein. Ein Investor aus dem Alten Land soll ein Angebot abgegeben haben, das auch der Sparkasse Harburg-Buxtehude als Hauptgläubigerbank zusagt. Wie berichtet, verweigerte die Sparkasse Anfang des Jahres ihre Zustimmung, als das Objekt bei einer Zwangsversteigerung für 101.000 Euro weggehen sollte.

"Ja, es gibt einen Kaufvertragsentwurf", bestätigt Insolvenzverwalter Scholz. Über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden, ein Notartermin stehe noch aus. Das Grundstück hat einen gutachterlich festgelegten Verkehrswert in Höhe von 137.000 Euro.

In Sachen "Herbstprinz" ist die Gemengelage wesentlich komplexer. Die Fronten zwischen Scholz, der als Insolvenzverwalter seinen Daumen auf dem Grundstück hat, und der Gemeinde, die das historische, reetgedeckte Fachwerk-Gebäude möglichst originalgetreu wieder aufbauen lassen möchte, scheinen verhärtet.

Selbst ein Baumschnitt führte jetzt zu Unstimmigkeiten. Grund: Es ist überhaupt kein Geld vorhanden. "Ich kann nicht mal einen Baumschnitt bezahlen und werde mich auch nicht selber dort hinstellen. Das habe ich dem Bürgermeister deutlich mitgeteilt", sagt Scholz dem WOCHENBLATT. "Die Gemeinde hat die Sträucher dann schließlich selber geschnitten", so Jorks Bauamtsleiter Thomas Bültemeier.

Scholz ist froh, wenn bald das Kapitel Jorker Brandruinen für ihn abgeschlossen ist, falls der Verkauf des "Altländer Hofes" über die Bühne geht. "Den Herbstprinz muss ich wohl aus der Insolvenzmasse herausnehmen, weil kein Erlös zugunsten der Gläubiger zu erwarten ist", sagt Scholz. Das bedeute, dass Sandra T. dann wieder für das Grundstück zuständig sei.

Angesichts der Konstellation, dass ihr Ex-Freund Andreas S. noch in einem Nebengebäude des abgebrannten "Herbstprinzes" lebt, sei es schwer vorstellbar, dass sich beide Parteien schnell einigen werden. Scholz vermutet: "Es könnte sein, dass die Ruine noch zehn Jahre dort stehen bleibt." Das Verhalten der Gemeinde mit ihren Bauauflagen sei daran ebenfalls nicht ganz unschuldig. Es habe Kaufinteressenten gegeben.

Bauamtsleiter Bültemeier betont jedoch immer wieder: "Falls uns ein Investor ein schlüssiges Konzept präsentiert, lassen wir gerne mit uns reden."

Im Sinne des Jorker Ortsbildes am Obstmarschenweg kann man sich nur wünschen, dass alle Beteiligten schnell eine Lösung finden werden.