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Jork: Kein Platz für junge Familien

Die Baugrundstücke im „Obstgarten“ in Jorkerfelde sind alle verkauft
bc. Jork. Schon mal versucht, in der Gemeinde Jork einen Bauplatz zu kaufen? So gut wie unmöglich. Die Baugebiete sind voll. Zuletzt ist der „Obstgarten“ in „Jorkerfelde“ zugelaufen. „Es ist nur noch Lückenbebauung möglich“, sagt Bauamtsleiter Thomas Bültemeier. Viele interessierte Bauwillige würden in die Nachbarorte ausweichen.

Im Bauausschuss am Montagabend diskutierten die Politiker im nicht öffentlichen Teil über die Ausweisung neuer Flächen in Jork-Borstel. Zur Disposition stand ein drei Hektar großes Baugebiet westlich des Appelhoffs. Schon vor Jahren war dort ein Neubaugebiet im Gespräch. Die Politik lehnte eine Ausweisung jedoch mehrheitlich ab. Und auch diesmal fand sich keine Mehrheit für den „Appelhoff“.

In Borstel könnten etwa 20 Einfamilienhäuser auf 800 bis 1.000 Quadratmeter großen Grundstücken entstehen. Die Eigentümer in Borstel sollen verkaufsbereit sein. Die Gemeinde könnte die Flächen erwerben und vermarkten. Das würde Geld in die leeren Kassen bringen.

Die Mehrheit des Jorker Bürgervereins (BVJ) plädiert für ein „kleines, aber feines Neubaugebiet“ (Original-Ton BVJ-Vorsitzende Marion Albers), das sich städtebaulich in das Gemeindegebiet und die Kulturlandschaft des Alten Landes einfüge. Eine Großsiedlung wie der „Obstgarten“ solle es nicht sein.

Albers: „Der demografische Wandel wird an unserer Gemeindegrenze nicht halt machen.“ Nur, wenn es gelinge, junge Familien für Jork zu gewinnen, würden Einrichtungen wie Schule, Kindergarten und Vereine auch in Zukunft adäquat ausgelastet sein.

„Junge Familien bereichern das gesellschaftliche Leben in einer Gemeinde und tragen zum (finanziellen) Gemeinwohl bei. Sie sind Steuerzahler, Kunden, Patienten, Gäste, Vereinsmitglieder und oft bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren“, heißt es in einem Plädoyer der BVJ-Fraktion.

Die CDU sieht zwar den Bedarf, Baugebiete auszuweisen, lehnt aber den „Appelhoff“ ab. „Dort würde hochwertiger Boden für den Obstbau vernichtet“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Eble. Die Christdemokraten wollen die Verwaltung stattdessen beauftragen, das gesamte Gemeindegebiet abzuscannen, wo kleinere Baugebiete möglich wären.

Kommentar

Die Alarmglocken sollten schrillen

Wie will Jork jemals seinen defizitären Haushalt konsolidieren, ohne Einnahmen zu generieren? Neue Baugebiete spülen kurz- und langfristig Geld in die Kassen. Neubürger beleben eine Gemeinde, erneuern sie. Sie zahlen Steuern, kaufen in Jork ein und engagieren sich in vielfältiger Form. Andernfalls lässt sich die Vergreisung nur schwerlich stoppen und die jungen Familien, die gerne nach Jork wollen, weichen in die Umgebung nach Lühe, Buxtehude und Neu Wulmstorf aus. Nur ein Beispiel: Wenn jetzt schon die Stelle der stellvertretenden Rektorin an der Grundschule in Königreich nicht genehmigt werden kann, weil zu wenige Kinder da sind, sollten die Alarmglocken bei den Politikern schrillen. Björn Carstens