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Kleinkrieg um Mietwohnungen: "Wir wollen hier nicht raus"

Zwei der Mieter geben dem WOCHENBLATT einen Einblick in ihre Seele: "Wir sind psychisch am Ende"
bc. Jork-Westerladekop. Dieses Verhältnis ist nicht mehr zu kitten. Drei befreundete Familien und ihr Vermieter sind zerstritten bis aufs Blut. Die Streithähne unterhalten sich nur noch über Rechtsanwälte. Das Amtsgericht Buxtehude hat in erster Instanz eine Räumungsklage bestätigt. Am 31. Dezember 2013 müssen die Bewohner raus. "Ich bin psychisch am Ende, weiß nicht mehr, wie es weitergeht", verrät Mieter Hans B.* dem WOCHENBLATT.

Wie konnte es soweit kommen? Weder Mieter noch Vermieter wollen ihre Namen in der Zeitung lesen. Beide Parteien sorgen sich um ihren Ruf. Die Gemengelage zwischen Provokationen, Drohungen, Pöbeleien und scheinbaren Lügen ist explosiv. Fast drei Jahre zoffen sich die Bewohner nun schon mit dem Eigentümer des Mehrfamilienhauses in Jork-Westerladekop.

Quell allen Übels ist ein Streit um die Nutzung eines Abstellraums, in dem auch die Versorgungsanschlüsse des Gebäudes liegen. Die Mieter nutzten ihn als Weinlager. Das gefiel dem Vermieter nicht. "Wir fühlten uns gestalkt. Fast täglich erschien Herr D. (Anm. d. Red.: der Vermieter) hier, inspizierte auch unsere Gärten und verteilte etliche Abmahnungen. Er will uns rausekeln. Doch wir möchten hier wohnen bleiben, haben viel Geld in unsere Gärten investiert", erzählt Ingrid S.. Ihre Nerven liegen blank.

Schließlich verklagte der Vermieter seine Mieter. Auf Anraten des Gerichtes schlossen die Parteien 2012 einen Vergleich, in dem sich die Bewohner u.a. verpflichteten, in dem Abstellraum keine Gegenstände mehr abzustellen. Im Gegenzug erklärte der Vermieter, sein Mietshaus in eine Fremdverwaltung zu geben. Die Mieter zeigten sich einverstanden, die Kosten hierfür zu übernehmen. "Wir wollten damit erreichen, dass Herr D. uns nicht mehr belästigt", sagt Ingrid S..

Doch alles wurde nur noch schlimmer. Die Mieter zeigten D. Ende 2012 bei der Polizei wegen angeblichem Hausfriedensbruch an. Horst Fittje, Rechtsanwalt der Mieter, sagt: "Meine Mandanten haben den Vergleich mit der Zielsetzung geschlossen, dass sich der Vermieter zurückzieht. Das hat er nicht getan." Herr D. sei der Meinung, dass Eigentum höher zu bewerten sei als der Besitz der Mieter. Dabei gebe es höchstrichterliche Urteile, die Eigentum und Besitz gleichstellen, so Fittje. Das Problem: Im Vergleich wurde nicht explizit festgehalten, dass sich der Vermieter zurückziehen soll.

Das WOCHENBLATT bat den Vermieter um eine Stellungnahme. Er spricht vom "größten Fehler seines Lebens", die Mieter in sein Haus gelassen zu haben. Das Amtsgericht Buxtehude habe ausdrücklich festgehalten, dass er die vermieteten Gärten unstreitig nicht betreten habe. Ferner sei im Urteil nachzulesen, dass er selbstverständlich berechtigt sei, Gemeinschaftsflächen wie Zuwegung und Hausflur zu betreten.

"Alle drei Mietparteien haben aufgrund von vorsätzlich falschen Behauptungen Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Das hat das Gericht bestätigt", so D.. Nur einmal habe er die Gärten ohne Vorankündigung betreten. Das sei ein Fehler gewesen, aber schon 2009 erfolgt, als er das Gartenhaus eines Mieters zeigen wollte, zu dessen Errichtung er einen Zuschuss gegeben hatte. "Ich habe mich dafür entschuldigt", sagt D..

Zudem seien die Beklagten teilweise ihren Verpflichtungen aus dem Vergleich nicht nachgekommen. Zum Beispiel hätten sie die beauftragte Hausverwaltung von Anfang an nicht bezahlt.

Es gibt noch eine vierte Mietpartei in dem Haus, die extrem unter dem Streit leidet: "Wenn die drei anderen Parteien nicht Ende des Jahres ausziehen müssen, ziehen wir aus. Wir halten es nicht mehr aus", sagt der Familienvater dem WOCHENBLATT.
Hintergrund: Die Beklagten und ihr Rechtsanwalt Horst Fittje wollen in Berufung gehen. Dann könnte sich der Rechtsstreit über das Jahr 2013 hinziehen.

Bleibt die Frage: Wer kann hier eigentlich noch etwas gewinnen?

*Alle Namen von der Redaktion geändert