Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Neue Elbfähre in Planung: Seeluft statt Nadelöhr

Von Jork-Wisch nach Wedel: Pkw, Lieferwagen von Handwerkern, Wohnmobile, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger sollen befördert werden, schwere Lkw dagegen nicht (Foto: Becker Marine Systems)
 
Der Anleger Kirschenland in Jork-Wisch: 120 Stellplätze sind dort geplant (Foto: Becker Marine Systems)
bc. Jork. Die Idee hat Charme. Die Harburger Firma "Becker Marine Systems" plant eine Auto-Fährverbindung über die Elbe von Jork-Wisch zum bereits projektierten "BusinessPark Elbufer" in Wedel. Unweit des alten Anlegers Kirschenland in Wisch könnte die Linie schon ab 2016 den Betrieb aufnehmen - sofern die Kommunen mitspielen und das Projekt genehmigen. Seeluft statt Nadelöhr Elbtunnel. Die Fahrzeiten nach Schleswig-Holstein würden sich erheblich verkürzen.

Eine positive Machbarkeitsstudie und technische Details wurden bereits der Politik in Wedel sowie den Gesellschaftern der Lühe-Schulau-Fähre - den Kommunen Stade, Jork, Lühe, Wedel und dem Landkreis Stade - vorgestellt.

Das ist geplant: Die Autofähre der "LNG Hybrid", einer Abteilung von "Becker Marine Systems", soll etwa 65 Meter lang und 14 Meter breit sein, einen Tiefgang von 1,50 Meter haben sowie zirka 60 Pkw und 200 Passagieren Platz bieten. Die Fahrt von einem Anleger zum anderen wird rund 20 Minuten dauern. Im Halbstundentakt soll von beiden Ufern jeweils ein Schiff ablegen. Befördert werden Pkw, Lieferwagen von Handwerkern, Wohnmobile, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger, schwere Lkw dagegen nicht. Fahrpreise stehen noch nicht fest.

"Becker" will Hightech-Schiffe einsetzen, die mit schwefelfreiem flüssigen Erdgas (LNG) angetrieben werden, bei dessen Verbrennung vergleichsweise geringe Mengen von Kohlendioxid anfallen. Das Unternehmen hofft aufgrund der umweltschonenden Technik auf staatliche Fördermittel.

"Becker" beabsichtigt, rund zwölf bis 15 Mio. Euro in den Bau zweier Schiffe, die Infrastruktur und ein innovatives Buchungssystem zu stecken. Schon weit vor den Anlegestationen sollen Autofahrer über Apps, soziale Medien, elektronische Hinweistafeln und Verkehrsfunk Wartezeiten erfahren können.

Derzeit führen die Planer - ermutigt von einer breiten Zustimmung aus Politik und Wirtschaft - Detailgespräche mit den beteiligten Kommunen. Im Kern geht es um die Ertüchtigungen der Hafenanlagen. "Wedel ist das größere Problem als die Stader Seite", sagt Henning Kuhlmann, "Managing Director bei "Becker Marine Systems".
Die Stadt Wedel sehe sich außerstande, den Umbau des alten Hafens zu bezahlen. In Stade habe es dagegen positive Gespräche mit Landrat Michael Roesberg gegeben, so Kuhlmann. Es geht u.a. um die Frage, wer bezahlt was beim Bau der Landanlage inklusive Parkflächen und Wartezone für 120 Pkw. "Wir sind zuversichtlich zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen", sagt Kuhlmann. Wilhelm Stubbe vom Fährhaus Kirschenland habe bereits Interesse signalisiert, sein Land für den Bau zur Verfügung zu stellen.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Naturschutz. Fähranleger plus Parkplätze berühren das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Unterelbe. "Wir stehen auch hier in Gesprächen mit dem Kreis, damit die Natur durch unser Projekt nicht geschädigt wird", sagt Kuhlmann.

Die Lühe-Schulau-Fähre soll in das Konzept eingebunden werden. Bei "Becker" heißt es, dass Übernahme-Verhandlungen mit den beteiligten Kommunen aufgenommen werden sollen. Ziel sei es, die Leistungen der Fähre zu sichern und das Personal zu halten.

Jorks Bürgermeister Gerd Hubert ist von dem Projekt angetan: "Das Projekt ist sehr reizvoll." Überrascht ist er, wie weit die Vorgespräche u.a. mit dem Deichverband bereits fortgeschritten sind. Wichtig sei, dass die Verkehrsbelastung für die Anwohner nicht ansteige.

Mehr Infos: www.elblinien.de