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Polnische Studenten arbeiten als Erntehelfer im Alten Land

Obstbauer Hinrich Olters (li.) ist froh über seine Erntehelfer: Mateusz Książak und Patrycja Kakaua
 
Patrycja Kakaua legt die Äpfel behutsam in eine Kiste
am. Ladekop. Es muss zwischen den vielen Elstar und Holsteiner Cox wohl irgendwo ein Liebesapfel gewachsen sein, den Patrycja Kakala (24) und Mateusz Książak (24) pflückten. Mittlerweile sind die beiden verlobt. Jetzt, zwei Jahre später, sind die Studenten aus Polen wieder auf dem Hof von Hinrich und Anke Olters. Gemeinsam mit fünf anderen Pflückern helfen sie in Ladekop bei der Apfelernte.
Mit schnellen, routinierten Handbewegungen pflückt Patrycia Kakala die rot-grünen Früchte vom Baum und legt sie behutsam in kleine Kunststoffboxen. "Man muss mit den Äpfeln vorsichtig umgehen", sagt sie, "damit sie keine Druckstellen bekommen." Wenn der Behälter voll ist, füllt sie die Äpfel in eine der großen Holzkisten, die auf kleinen Hängern in einer Reihe hinter den Obsthoftraktor gespannt sind. Fünf bis sechs dieser großen Kisten füllt jeder von ihnen am Tag. Das sind rund 2.000 Kilo, also zwei Tonnen Äpfel. Diese landen dann frisch leuchtend auf dem Wochenmarkt oder werden über die Vertriebsgesellschaft Elbe Obst vermarktet.
Neben Patrycja steht ihr Zwillingsbruder Patryk auf einer Leiter. Ihr Verlobter pflückt zwei Baumreihen weiter, zwischendurch fährt er den Trecker mit den großen Holzkisten einige Meter vor. Fast alle der sieben Pflücker auf dem Olters-Hof kommen aus derselben Gegend in Polen, sind Bekannte von Bekannten. "Das geht über Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Hinrich Olters.
Zweimal im Jahr reisen die Studenten an: für einen Monat im Juli zur Kirschernte und für rund zwei Monate zur Apfelernte. Und sie kommen jedes Mal gern wieder. "Wir können hier gut verdienen", sagt Patryk Kakala. "Die Arbeit ist nicht schwer und es geht uns hier gut." Er hat gerade sein Studium der Medizintechnik beendet. Wie seine Schwester und ihr Verlobter hat auch er das Geld zur Finanzierung des Studiums verwendet. "In Polen könnte ich an der Küste beispielsweise als Kellner jobben, aber in unserem Land beträgt der Mindestlohn 12 Zloty." Das entspricht umgerechnet rund drei Euro. Mit dem Geld, das er in diesem Jahr verdient hat, möchte er die Zeit überbrücken bis er einen Job als Medizintechniker gefunden hat, und er spart auf ein Auto.
Nach vier Stunden Arbeit, in denen die Pflücker ihre Arme immer wieder in die Höhe strecken müssen, geht es in die Mittagspause, nach acht Stunden ist Feierabend. In der Anfangszeit müsse man sich erst an die körperliche Arbeit gewöhnen, so Patryk Kakala.
Auf dem Hof wohnen die Studenten in Zimmern in einem der Hofgebäude und teilen sich eine Küche. Hier kochen sie ihr Mittagessen und hier sitzen sie abends zusammen.
Hinrich Olters hat vor einigen Jahren bei einer Aktion des Arbeitsamtes mitgemacht, die Deutsche als Erntehelfer vermitteln sollte. Letztendlich fand sich nur ein Pflücker, der aber auch nach vier Wochen ausfiel. Deswegen ist er glücklich über seine polnischen Mitarbeiter. Der Großteil hat in diesem Jahr sein Studium beendet und wird im nächsten Jahr wohl nicht wiederkommen. Der Obstbauer hofft auf ein neues gutes Team.


Fahrradtour am Tag des offenen Hofes
Stellvertretend für die vielen Obstbauern an der Niederelbe öffnen am Samstag und Sonntag, 10. und 11. September, ein paar Obsthöfe ihre Türen für Besucher. Hier kann jeder an einer geführten Fahrradtour "Per Rad von Hof zu Hof" teilnehmen. Ein fachkundiger Gästeführer erklärt alles Wissenswerte vom Alten Land. Die Touren starten an beiden Tagen jeweils um 10 Uhr und um 13 Uhr. Treffpunkt ist die Tourist-Info Altes Land, Osterjork 10, 21635 Jork. Kosten: 5 Euro pro Person, Kinder bis 12 Jahre frei.