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Tegtmeyer: Seine letzte Predigt

Hans-Heinrich Tegtmeyer predigte 15 Jahre lang in der barocken Jorker St. Matthias-Kirche
bc. Jork. Vollbart, Brille, kräftige Stimme: So kennen die Jorker ihren Pastor Hans-Heinrich Tegtmeyer. "Ich bin am Markt in Hildesheim aufgewachsen. Da verständigte man sich klar und deutlich", erzählt der 65-Jährige mit einem Lächeln auf den Lippen. Nur noch wenige Tage, dann verlässt er die St. Matthias-Gemeinde und verabschiedet sich in den Ruhestand. "Ich bin froh, Pastor in Jork gewesen zu sein. Es waren wunderschöne 15 Jahre in einer lebendigen Gemeinde", sagt Tegtmeyer beim WOCHENBLATT-Termin. Am Sonntag, 3. November, predigt er beim Erntedank-Gottesdienst zum letzten Mal. Herr Tegtmeyer, werden Sie eine Träne verdrücken? "Das kann ich noch nicht sagen, mein Herr. Vielleicht."

"Hans Dampf in allen Gassen" nennen ihn die Menschen, die ihn gut kennen. Eines seiner größten Ziele, auf das er viele Jahre hingearbeitet hat, erfüllte sich gerade noch rechtzeitig vor der Pension: die Fertigstellung der Kinderkrippe am Osterminnerweg. "Dass ich den Einzug noch erleben durfte, war mir eine Herzensangelegenheit", sagt Tegtmeyer. Schon 1988, damals noch Pressesprecher des Diakonischen Werks in Hannover, war er ein vehementer Verfechter des Krippen-Ausbaus in Niedersachsen.

Dass er irgendwann an der Elbe landen würde, war Hans-Heinrich Tegtmeyer schon früh klar. Nach dem Studium in Heidelberg und Genf zog es ihn nach Norddeutschland, zusammen mit mehreren Theologiestudenten: "Unsere ganze Clique wollte damals nach Hamburg ziehen", erzählt er. Tegtmeyer landete 1975 als Pastor in Tostedt. Elf Jahre blieb er in der Nordheide, dann zog es ihn nach Hannover. Zwölf Jahre später begann seine Ära als Altländer. Endlich war Tegtmeyer am Ziel seiner Träume: die Elbe, nur einen Steinwurf entfernt.

"Die Altländer sind verschlossen. Das dauert, ehe man an die ran kommt - wenn überhaupt." Mit solchen Sprüchen im Gepäck kam Tegtmeyer 1998 ins Alte Land. Doch von Eingewöhnungsproblemen keine Spur: "Ich komme gut aus mit diesem Menschenschlag", sagt er, "nach nur drei Tagen musste ich gleich eine Goldene Hochzeit halten", erinnert sich Tegtmeyer mit einem Schmunzeln.

Die Leute in Jork müssen sich künftig an ein Ortsbild ohne Hans-Heinrich Tegtmeyer gewöhnen. Auf der Straße wird man ihn nicht mehr so oft sehen. Wobei: "Für alle Strecken länger als 750 Meter habe ich ohnehin meistens das Auto benutzt. Mir hat mal ein Nachbar gesagt, wenn du mit Fahrrad fährst, denken die Leute, der hat seinen Führerschein verloren", erzählt Tegtmeyer mit einem Augenzwinkern.

Er freut sich auf den Ruhestand, will künftig noch mehr über Kirchenhistorie forschen, vielleicht Beiträge veröffentlichen. Das Jorker Pfarrhaus hat er schon verlassen und mit Ehefrau Eva-Maria ein Reihenhaus in Buxtehude bezogen. Sohn Johann studiert Ökonomie in Heidelberg. Eine offizielle Verabschiedung in Jork ist nicht geplant. Tegtmeyer: "Das ist nicht mein Ding."