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Welterbe-Bewerbung: Rückschlag für das Alte Land

Rückschlag für das Alte Land (Foto: archiv)
bc. Altes Land. Enttäuschung im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Nordeuropas: Das Alte Land hat es nicht auf die deutsche Vorschlagsliste für einen Eintrag in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten geschafft. Das hat die Kultusministerkonferenz (KMK) jetzt auf Basis der Empfehlung eines elfköpfigen Fachbeirats mit Experten aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Israel beschlossen. Wie berichtet, waren 31 Bewerbungen eingegangen.

Bei den Antragstellern im Jorker und Lüher Rathaus herrscht Unverständnis über die Entscheidung. "Die Mühe zahlreicher Menschen wurde nicht belohnt, obwohl ein gut begründeter Antrag abgegeben wurde", sagt Jorks Bürgermeister Gerd Hubert.

Beim Welterbe-Verein versteht man ebenfalls die Welt nicht mehr: "Ich bin doch stark verwundert, weil die Bewerbung von allen Seiten hoch gelobt wurde", sagt Vereinsvorsitzende Kerstin Hintz. Schließlich sei das eingereichte Dossier sehr eng mit den renommierten Fachexperten für Welterbe-Nominierungen, der Beratungsgesellschaft "insitu World Heritage consulting", abgestimmt gewesen, so Hintz.

Statt des Alten Landes, dem einst von Holländern entwässerten und eingedeichten Landstrichs an der Niederelbe, wurden nun z.B. der Jüdische Friedhof in Altona, die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt, die Alte Synagoge und Mikwe in Erfurt sowie die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee des bayerischen Königs Ludwig II. und das Residenzensemble Schwerin nominiert.

Zum Hintergrund: Deutschland gehört mit 38 Welterbestätten zu den fünf Staaten mit den meisten Eintragungen auf der Welterbeliste mit derzeit insgesamt 981 Stätten in 160 Staaten.

Das Alte Land ging deshalb leer aus, weil die Expertenkommission den universellen Wert der Kulturlandschaft nicht in einer Einzelnominierung bestätigen wollte. Stattdessen wird empfohlen, die Bewerbung für die Fortschreibung der Vorschlagsliste (Tentativliste) - voraussichtlich in den Jahren 2017 bis 2019 - dahingehend zu präzisieren, eine serielle Antragstellung mit anderen Hollerkolonien in Norddeutschland und Polen sowie mit der ursprünglichen Holler-Landschaft in den Niederlanden zu prüfen.

Kerstin Hintz kann das ganze Auswahlverfahren schwer nachvollziehen: "Zum Zeitpunkt der Antragstellung stand unsere Partnerschaft mit den polnischen Kollegen noch nicht fest." Berücksichtigt wurde sie bei der nun erfolgten Nominierung offenbar nicht.

Auch die Tatsache, dass es trotz der Ankündigung, die UNESCO wolle künftig eher Kulturräume als Schlösser, Burgen und Altstädte berücksichtigen, jetzt doch wieder ebensolche auf die Liste geschafft haben, lässt Hintz am Verfahren zweifeln: "Wie glaubwürdig ist ein Welterbe angesichts der nun nominierten Stätten?"

Bezeichnend sei es, dass es neben dem Alten Land auch die andere niedersächsische Bewerbung, die Rundlingsdörfer im Wendland, nicht auf die Liste geschafft hätte. "Uns hat die politische Unterstützung der rot-grünen Landesregierung in Hannover gefehlt", klagt Hintz. Zahllose Einladungen an die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen Kljajic, seien nicht erhört worden.

Trotz allem wollen die Gemeinden im Alten Land am Ball bleiben, um vielleicht bei der Fortschreibung dem exklusiven Welterbe-Club einen Schritt näher zu kommen. Andernfalls gehe das Alte Land vor die Hunde, glaubt Hintz.

Auch Landrat Michael Roesberg kritisiert die Entscheidung der KMK: „Ich bin sehr enttäuscht. Wir sollten jetzt aber einen langen Atem behalten." Es gelte zunächst die Begründung für die Entscheidung der Konferenz zu analysieren, damit der Antrag für das Alte Land noch einmal geschärft werden könne. Roesberg: "Äußerst bedauerlich ist, dass Frau Heinen-Kljajić im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Johanna Wanka das Alte Land noch nicht einmal besucht hat.“