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Welterbe: Obstbauern gestalten jetzt mit

Obstbauer Dierk Augustin: "Wir wollen aktiv mitgestalten"
bc. Jork. Das Alte Land: ein UNESCO-Weltkulturerbe! Eine verlockende Vorstellung für viele Touristiker, die Besucherzahlen an der Niederelbe dürften sich vervielfachen. Doch bis zur Anerkennung ist es noch ein langer steiniger Weg. Damit die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Bewerbung steigt, suchen die Welterbe-Befürworter den Dialog mit dem Obstbau - der tragenden Wirtschaftssäule des Alten Landes. „Die Landwirtschaft ist der wichtigste Partner der Kommunen im Rahmen der Welterbe-Bewerbung. Wir wollen den Prozess gemeinsam mit dem Obstbau führen“, sagt Verwaltungs-Vize Matthias Riel aus dem Jorker Rathaus.

Auf Einladung der Gemeinde Jork und der Samtgemeinde Lühe kamen jetzt viele verschiedene Akteure aus dem Bereich des Obstbaus im Dorfgemeinschaftshaus Neuenkirchen zusammen, um die etlichen offenen Fragen zu bündeln, die mit einer möglichen Welterbe-Anerkennung einhergehen. Ergebnis: Jork, Lühe, der Welterbe-Verein und die Obstbauern bilden jetzt eine Arbeitsgruppe.

Wie berichtet, steht das Alte Land seit Sommer 2012 neben dem Wendland auf der niedersächsischen Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe. Voraussichtlich Ende des Jahres oder Anfang 2014 wird sich entscheiden, ob es das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas auf die nationale Liste schafft.

Bislang galten die Altländer Obstbauern als eher skeptisch, was einen Welterbe-Status angeht. Die möglichen Restriktionen in der wirtschaftlichen Entwicklung sind ihnen suspekt, sei es bei Fragen des Wassermanagements, Pflanzenschutzes oder der Eigentumsrechte. Beispiel Elbvertiefung: Wird doch irgendwann gebaggert, verschiebt sich die Salzwasserzone Richtung Hamburger Hafen. Viele Obstbauern könnten dann das Elbwasser nicht mehr für ihre Frostschutzberegnung verwenden.

Sie bräuchten neue Süßwasserquellen, müssten eventuell Speicherbecken bauen.
Ist eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der Obstbauern trotz Welterbe-Status möglich? Nur eine Frage, die die Landwirte beantwortet wissen wollen. „Wir brauchen Antworten, um von der Welterbe-Bewerbung überzeugt zu sein“, sagt Obstbauer Dierk Augustin aus Jork-Hove. Er soll als Vertreter des Obstbaus beim Welterbe-Prozess mitwirken. „Der Obstbau will mitgestalten“, so Augustin.

Die jetzige Kooperation mit dem Obstbau darf durchaus als Erfolg gewertet werden. Beim Auftakt in Neuenkirchen sagte Ulrich Buchterkirch, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau: „Der Obstbau wird sich konstruktiv an den kommunalen Zielsetzungen beteiligen, den Welterbe-Status zu erreichen.“ Wichtig sei aber, dass die Belange des Obstbaus ernst genommen werden.

Matthias Riel weist deutlich darauf hin, dass sich das Alte Land als „dynamische Kulturlandschaft“ beworben hat: „Ein Welterbe darf nicht dazu führen, dass der Obstbau in seiner Entwicklung eingeschränkt wird.“ Wichtigster Erfolg der Fachtagung sei die Einigung auf einen gemeinsamen ökologischen Gebietsmanagementplan für den Kulturraum Altes Land.

Für Kerstin Hintz, Vorsitzende des Welterbe-Vereins, geht es jetzt erst richtig los: „In den kommenden Monaten müssen wir alle Säulen des Alten Landes in den Prozess miteinbeziehen und viele Mitbürger ins Boot holen.“ In weiteren Schritten ist geplant, auch Kirchen, den Tourismus-Sektor und Schulen stärker an dem Projekt zu beteiligen.