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Gerd Hubert in der Schusslinie

Gerd Hubert setzte sich vor zwei Jahren knapp gegen Matthias Riel durch, heute sein allgemeiner Vertreter im Rathaus (Foto: archiv)
bc. Jork. Vor zwei Jahren leistete Gerd Hubert (63, Bürgerverein Jork) den Amtseid als Jorker Bürgermeister. Jetzt steht der frühere Drogist mächtig unter Beschuss. Wie berichtet, wirft ihm die CDU mangelnden Sachverstand vor. "Er ist mit seinem Job überfordert und nicht in der Lage, Mitarbeiter zu führen und zu motivieren. Hubert interpretiert seine Position wie ein ehrenamtlicher Bürgermeister", grollt Jorks CDU-Fraktionschef Michael Eble.

Hintergrund: Die Gemeinde ist überschuldet. In Abwesenheit des urlaubenden Bürgermeisters erließ Kämmerer Matthias Riel vor Kurzem eine Ausgabensperre. Eble: "Ohne Zustimmung der Kämmerei darf kein neuer Auftrag erteilt werden. Jede Ausgabe Ende Oktober war rechtswidrig", so Eble. Die CDU werde keiner weiteren Ausgabe in 2014 zustimmen, solange kein Haushaltssicherungskonzept vorliege.
Eble wirft dem Bürgermeister Konzeptlosigkeit vor. "Der Bürgermeister lässt Investitionsplanungen in den Haushaltsentwurf hineinschreiben, ohne jegliche Realisierungskonzeption." Konkret geht es u.a. um einen sechsstelligen Posten im Etat, der für den Kauf eines Grundstücks für eine neue Schulsporthalle angesetzt ist, obwohl "in keinster Weise geklärt ist, wie der Bau der Halle finanziert werden soll", so Eble.

Elbvertiefung, Welterbe, Sportplatzsanierung, Regionalmanagement - das seien alles konzeptionelle Tätigkeiten, die ausschließlich von Matthias Riel federführend gestaltet wurden, sagt der Rechtsanwalt. Die besondere Situation in Jork: Riel, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und ausgewiesener Verwaltungsfachmann, wurde bei der Bürgermeisterwahl vor zwei Jahren von CDU und SPD unterstützt. Trotzdem verlor er hauchdünn gegen Hubert - was nach Angaben von Insidern den Arbeitsalltag im Rathaus nicht gerade vereinfacht. Ein Eingeweihter meint: "Es brodelt."

Ein vorzeitiges Aus des Bürgermeisters hält Eble derzeit jedoch für undenkbar. "Die Frage ist, ob Untätigkeit schon ein eklatantes Pflichtversäumnis ist", sagt Eble. Für eine Abwahl wäre eine Dreiviertelmehrheit im Gemeinderat nötig. Die Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP reichen gegen den Bürgerverein, der seinem Bürgermeister (noch) den Rücken stärkt, nicht aus. Letztendlich treffen die Bürger die Entscheidung über eine Abwahl.

Gerd Hubert will im Finanzausschuss am Mittwoch, 13. November, Stellung zu den Vorwürfen nehmen. In einem Statement hat er sich schon jetzt an das WOCHENBLATT gewandt: "Ich weise die gegen mich erhobenen Unterstellungen energisch zurück. Das zeigt, dass die CDU ihre Wahlniederlage von vor zwei Jahren bis heute nicht verkraftet hat. Ich konzentriere mich weiterhin auf meine Arbeit im Rathaus. Die Drohung, keiner Ausgabe im Haushalt 2014 vorerst zuzustimmen, halte ich für unverantwortlich und gebe diese an die Jorker Bevölkerung weiter. Hier erfüllt die CDU ihren Auftrag, den sie von den Jorker Wählerinnen und Wählern erhalten hat, im Jorker Rat nicht."

Partho Banerjea, Fraktionschef des Bürgervereins, verteidigt Hubert: "Die Vorwürfe sind politisch nicht haltbar. Ich bin menschlich enttäuscht vom Verhalten des CDU-Fraktionsvorsitzenden." Aus der Belegschaft des Rathauses sei sehr wohl zu vernehmen, dass sie mit dem Führungstil von Gerd Hubert einverstanden sei. Was aber auch Banerjea irritiert, ist die Terminplanung im Rathaus: "Wenn die Haushaltsplanberatung eröffnet wird, muss der Bürgermeister bei der Sitzung dabei sein."

Kommentar:

In Jork brennt der Baum


Solange nach der geltenden Kommunalverfassung jeder Bürgermeister werden darf - ohne eine Qualifikation nachzuweisen - kann man Gerd Hubert eigentlich wenig vorwerfen. Böse Zungen behaupten, die Jorker haben vor zwei Jahren das bekommen, was sie mehrheitlich gewollt haben: einen netten Kerl von nebenan statt einen Mann mit Verwaltungssachverstand. In Jork brennt der Baum. Ob ihn Gerd Hubert löschen kann, bleibt abzuwarten. Am Mittwoch erreichte die Redaktionen schon mal ein Mail aus dem Rathaus: Weil kein Geld da sei, suche die Gemeinde nach einem neuen Baum: eine Tanne, um den Rathaus-Vorplatz weihnachtlich zu schmücken. Die Gemeinde setzt Prioritäten. Björn Carstens