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L140-Sanierung: "Billig kauft man zweimal"

Der Radweg am Obstmarschenweg ist völlig marode (Foto: bc)
bc. Jork. Für den Bürgermeister im Jorker Rathaus, Gerd Hubert, und die Fraktion des Bürgervereins im Gemeinderat ist ein Vollausbau der L140 in Osterjork die einzig vernünftige Lösung. Für die anderen Parteien nicht. Sie wollen eine abgespeckte Version der Sanierung der vielbefahrenen Jorker Ortsdurchfahrt (Obstmarschenweg) - ohne einen neuen Geh- und Radweg auf der Südseite. Für viele Anlieger ein Unding, wie in der Einwohnerfragestunde im jüngsten Bauausschuss deutlich wurde.

Ihre Vermutung: Die Fraktionen von SPD, CDU und Grünen sowie FDP-Ratsmitglied Peter Rolker wollen dem Bürgermeister eins auswischen. Wie berichtet, wurde Hubert von seinen politischen Widersachern häufig in den vergangenen Jahren kritisiert. Inkompetenz und fehlende Führungskraft sind ihm immer wieder vorgeworfen worden. Jetzt, wo Hubert die L140-Sanierung zur Chefsache erklärt hat, gehe die "große Koalition auf Opposition", so Dirk Vollmer, Mitglied im Bürgerverein Jork (BVJ).

"Auch wenn sie sauer sind, dass sie zu spät informiert wurden: Dann schüttelt man sich kurz und weiter geht's", klagte eine Bürgerin in Richtung der Bauausschuss-Mitglieder, die soeben beschlossen hatten, die Landesstraße nicht vollauszubauen. Es müsse doch um Inhalte gehen. Die L140 sei ein Schulweg, viele Touristen benutzen ihn. Die Straße müsse sicher gestaltet werden mit einem Fuß- und Radweg mit Hochbord auf beiden Seiten, fordert auch die Bürgerinitiative Obstmarschenweg, die laut eigenen Angaben die Mehrheit der Anwohner vertritt.

Zum Hintergrund: Die Politik moniert in Sachen L140-Sanierung, nicht rechtzeitig informiert gewesen zu sein. Obwohl die Planungen zwischen Verwaltung und der ausführenden Landesbehörde für Straßenbau bereits seit Monaten im Hintergrund liefen, sei dem Bauausschuss erst Anfang des Jahres das Vorhaben vorgestellt worden. "Da fühle ich mich nicht ernstgenommen", sagt beispielsweise SPD-Mann Ernst Tilsner. Die Grünen haben in diesem Zusammenhang sogar einen Antrag gestellt, einen Kriterienkatalog zu entwerfen, in welchen Fällen und wann die Ratsgremien über Bauprojekte Bescheid wissen sollten.

CDU-Fraktionschef Michael Eble verteidigt die Entscheidung des Ausschuss zur L140, die noch von der Jorker Ratsversammlung (1. Juni, siehe Info-Kasten) bestätigt werden muss. "Uns geht es nur um die Finanzen." 1,2 Mio. Euro Eigenanteil für einen Vollausbau sei eine zu hohe finanzielle Belastung für die Gemeinde. Die Haushaltskonsolidierung sei wichtiger. "Wir müssen beachten, dass wir letztlich prozentual auch an möglichen Mehrkosten beteiligt werden", so Eble.

Die Sanierungsvariante von CDU, SPD und Grünen soll geschätzt 530.000 Euro kosten. Vorsichtshalber sollen aber 700.000 Euro in den Nachtragshaushalt eingestellt werden.

Für BVJ-Mitglied Uwe Fricke ein unlogischer Schritt: "Die Südseite nicht sofort mitzumachen, ist ein großer Fehler." Die Straße in ein paar Jahren erneut aufzureißen, werde wesentlich teurer. Eine Anwohnerin fand deutliche Worte: "Meine Oma hat immer gesagt: Billig kauft man zweimal."


Gemeinderat wird verschoben


Der Jorker Finanzausschuss konnte am Mittwoch keinen Konsens für einen Nachtragshaushalt finden - vor allem mit Blick auf den Finanzplanungszeitraum bis 2019. Die Fraktionen einigten sich deshalb darauf, vor weiteren Beratungen zunächst in gemeinschaftliche Gespräche einzusteigen, um im Hinblick auf Jorker Grundsatzprojekte (z.B. Sporthallen-Neubau) einen mehrheitsfähigen Vorschlag vorzubereiten. Daher muss die Entscheidung zum Nachtragshaushalt 2016 vertagt werden: Der Gemeinderat findet nun nicht am 18. Mai statt, sondern am 1. Juni (19 Uhr). Gemeinderat wird verschoben