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Mecker-Attacke wegen L140-Ausbau in Jork

Straße und Radweg sind in einem desolaten Zustand
bc. Jork. Was für ein Theater! Jorks Bürgermeister Gerd Hubert konnte die aufgeregte Diskussion im jüngsten Bauausschuss so gar nicht nachvollziehen. Da plant das Land nach vielen Jahren endlich, die unzweifelhaft marode Ortsdurchfahrt in Osterjork (L140) zu sanieren und Geld für einen neuen beidseitigen Radweg hinzuzugeben - und trotzdem muss er Kritik einstecken.
Obwohl mit den neuen Radwegen als Ersatz für den alten Rumpelpfad der aufstrebende Fahrradtourismus im Alten Land weiter an Bedeutung gewinnen könnte. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Jork und Co., wie Touristiker unisono bestätigen.
Einwohner und Politiker monierten jedoch im Verlauf der Sitzung, dass die Gemeinde schläfrig agiere. Sie habe sich nicht an der Planung beteiligt, noch nicht einmal eine Stellungnahme abgegeben. „Das läuft völlig falsch“, meckerte Grünen-Ratsherr Harm-Paul Schorpp.
Kerstin Hintz, ehrenamtliche Chefin des Altländer Welterbevereins, ist der Sanierungsplan ein Dorn im Auge. Sie vertritt die Meinung, dass für einen Ausbau dieser Größenordnung ein formelles Planfeststellungsverfahren vonnöten gewesen wäre. Inklusive öffentlicher Beteiligung. „Der Ausbau ist ein erheblicher Eingriff in den Kulturraum“, so Hintz, die auch beklagte, dass die Altländer Charta - also das Leitbild der Kulturlandschaft - bei den Planungen keine Rolle spiele.
Ein Einwohner Jorks fragte zudem, weshalb die Straße für einen Radweg auf der Südseite verschwenkt werden müsse, den eigentlich niemand brauche.

Hubert sieht das anders: „99 Prozent der Bevölkerung befürwortet die Pläne.“
Und trotzdem stößt einigen Altländern offensichtlich sauer auf, dass der Ausbau der Jorker Ortsdurchfahrt (L140) bislang weitgehend nur von der Landesbehörde für Straßenbau in Stade intern geplant wurde.
Hubert versprach, dass die überarbeiteten Planungen der Jorker Politik noch einmal in einem öffentlichen Bauausschuss im Januar gesondert vorgestellt werden. Dann habe die Politik immer noch Zeit für eine Stellungnahme.
Bisher war nur Bauausschuss-Vorsitzender und L140-Anwohner Cord Lefers (Bürgerverein) im Vorwege bei Planungsgesprächen mit dabei, wie Hubert während der Sitzung verriet. Lefers sei bei einem Treffen mit der Landesbehörde im Rathaus vor Ort gewesen.

Sofern sich die Planbehörde mit den Anwohnern in Sachen Oberflächenentwässerung gütlich einigen könne, hält Hubert ein formelles Planverfahren, wie von Kerstin Hintz gefordert, für nicht notwendig. Andernfalls dauere die Sanierung viel länger. Hubert befürchtet, die vom Land avisierten Fördermittel dann nicht mehr rechtzeitig abrufen zu können.
In diesem Zusammenhang wird der Rathauschef gegenüber dem WOCHENBLATT deutlich: „Wir haben immer gesagt, dass die Bewerbung zum Welterbe nicht zum Rückschritt führen darf.“
Jahrelang habe er von allen Seiten gehört, wie schlecht der Zustand der Straße und des Radwegs sei. „Jetzt wird geplant. Das ist doch positiv“, so Hubert.
Ähnlich sieht es der Jorker CDU-Kreistagsabgeordnete Udo Feindt: „Die Sanierung der L140 muss nach jahrelanger Diskussion endlich beginnen.“ Wichtig sei, dass bei der Umsetzung die vier Querungshilfen berücksichtigt werden, so Feindt. Genauso sollte unbedingt der kombinierte Fuß- und Radweg zugunsten des Tourismus und der Schulwegsicherheit realisiert werden. Feindt: „Mit dem Radweg sichern wir uns außerdem die entsprechenden Landesfördermittel.“
Wie berichtet, stellte die Landesbehörde für Straßenbau kürzlich ihre Ausbauplanung in einer öffentlichen Bürgerversammlung vor. Zusammengefasst soll die ortsprägende Straße in einem Teilbereich um 1,50 Meter nach Norden verlegt werden, um Platz für einen kombinierten Fuß- und Radweg sowie Parkbuchten auf der Südseite zu schaffen. Auch auf der Nordseite soll ein solcher gemeinsamer Geh- und Radweg gebaut werden.

Insgesamt wird die Fahrbahn auf die Mindestbreite von 6,50 verengt. 3,5 Mio. Euro soll die Sanierung kosten, die Gemeinde hat für 2017 vorsorglich einen Eigenanteil von 500.000 Euro im Haushalt eingeplant. Bürger konnten nach der Versammlung ihre Änderungswünsche zwei Wochen lang der Landesbehörde mitteilen.