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Miese Stimmung im Jorker Rathaus

Bürgermeister Gerd Hubert (3.v.re.) liegt im Clinch mit seinen Mitarbeitern
bc. Jork. Es ist nicht das erste Mal, dass Jorks Bürgermeister Gerd Hubert (Bürgerverein) aufgrund seiner offenkundigen Führungsschwäche in die Schusslinie gerät. Diesmal hat die Kritik jedoch eine andere Qualität. Nicht die Opposition im Gemeinderat stellt den Rathauschef an den Pranger. Diesmal sind es die eigenen Mitarbeiter, die sich öffentlich von ihrem Vorgesetzten distanzieren.

Zwischen Hubert und großen Teilen der Rathaus-Belegschaft sowie des Personalrats ist im Zuge der geplanten Umstrukturierung in der Verwaltung ein offener Konflikt entstanden. Das wurde am Montag während des Finanz- und Personalausschusses sowie nach der Sitzung so deutlich wie selten zuvor. Die Mitarbeiter werfen ihrem Chef schlechte Kommunikation, mangelnde Sozialkompetenz sowie schlichtweg fehlendes Können vor, die Reform sinnvoll umzusetzen.

„Die meisten kommen nicht mehr gerne zur Arbeit. So eine miese Atmosphäre hat es im Rathaus noch nie gegeben“, sagte ein langjähriger Mitarbeiter gegenüber dem WOCHENBLATT. Er applaudierte genau wie seine knapp 40 Kollegen, die zur Ausschusssitzung gekommen waren, als CDU-Ratsfrau Silja Köpcke sagte: „Es ist offensichtlich, dass die Wogen im Rathaus hochschlagen. Ich kann die Sorgen der Mitarbeiter gut verstehen.“ Insgesamt arbeiten rund 100 Bedienstete für die Gemeinde.

Darum geht es bei dem Konflikt: Weil der Landesrechnungshof 2011 feststellte, die Jorker Verwaltungsorganisation sei vergleichsweise breit und tief gegliedert, muss die Gemeinde ihre Fachbereiche umstrukturieren. In Zukunft soll es statt vier nur noch drei Fachbereiche (FB) geben.

Der Zeitpunkt bietet sich an, weil ohnehin zwei personelle Änderungen anstehen. Werner Gerdes, Leiter des FB 2 „Sicherheit und Ordnung“ (Bürgerbüro), geht Ende Juni in Pension. Zudem hat Thomas Bültemeier, Leiter des FB 4 „Bauverwaltung“, sein Amt freiwillig abgegeben.

FB 1 „Zentrale Steuerung“ und FB 3 „Soziales“ sollen nach dem Willen von Gerd Hubert bestehen bleiben, die FB 2 und 4 sollen hingegen zum FB 2 „Bauen und Ordnung“ verschmelzen. Genau diese Pläne sind vielen Rathaus-Mitarbeitern ein Dorn im Auge.

Zumal Hubert bis vor Kurzem noch den von der eigenen Verwaltung ausgearbeiteten Vorschlag unterstützte, die FB 1 und 2 zusammenzulegen. Es wurden sogar schon personelle Vorbereitungen in dem Zusammenhang getroffen. Nach Ansicht vieler Mitarbeiter wäre auch ein moderater Zusammenschluss der FB 3 und 4 sinnvoll gewesen, weil beide Abteilungen ohnehin schon eng zusammen arbeiten. Eine Mitarbeiterin der Gemeinde fragt: „Warum wurden wir in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden? Wir sind doch die Mitarbeiter, die dieses Konzept tragen und leben sollen.“

Grünen-Ratsmitglied Harm Paul Schorpp stößt ins gleiche Horn: „Ich sehe keine Synergien, wenn das Bürgerbüro mit dem Bauamt zusammengelegt wird.“

Gerd Hubert bewies einmal mehr während der Sitzung, dass seine Fähigkeiten als Kommunikator begrenzt sind. Kein Wort zu den zahlreich erschienenen Mitarbeitern, weshalb er seine Meinung geändert habe. Nur soviel: Die Umstände hätten sich geändert. Gemeint ist wohl der Rückzug von Thomas Bültemeier. Zudem habe er sich den Ratschlag von der Kommunalaufsicht des Landkreises Stade geholt, die seine Umstrukturierungspläne für sinnvoll halte.

Unterstützung erhielt Hubert auch von seinem Bürgervereins-Kollegen Partho Banerjea: „Es ist in anderen Verwaltungen durchaus üblich, wie der Bürgermeister entschieden hat.“ Die Politik habe ohnehin keinen Einfluss auf die personelle Besetzung der Fachbereiche. Das sei alleine Aufgabe des Bürgermeisters.

Der Personalausschuss empfahl schließlich bei einer Gegenstimme von Harm Paul Schorpp, die Gemeindeverwaltung künftig in drei statt vier Fachbereiche zu gliedern.