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Zeitgewinn für Investorensuche: "Aeolus" bleibt noch auf der Sietas-Werft

Findet sich kein Investor, bevor das Schiff die Werft verlässt, gehen bei Sietas endgültig die Lichter aus
bc. Neuenfelde. Die Zukunft der insolventen Sietas-Werft in Neuenfelde entwickelt sich zur Hängepartie. Ursprünglich sollte das Offshore-Windkraft-Errichterschiff „Aeolus“ die Werft Ende Juni verlassen, dann Ende September, jetzt verzögert sich die Auslieferung voraussichtlich bis Anfang 2014, wie Sietas-Sprecher Cord Schellenberg auf WOCHENBLATT-Anfrage bestätigt: "Solange bleibt das Schiff auf der Werft in Neuenfelde. Das ist der Plan." Anschließend könne das Schiff zur Endmontage der Stelzenbeine aufbrechen.

Für die Suche nach einem neuen Investor sei die zeitliche Verzögerung förderlich: "Es ist immer besser, eine Werft in Betrieb zu verkaufen", so Schellenberg. Hintergrund: Findet sich kein Investor, bevor das Schiff die Werft verlässt, gehen bei Sietas endgültig die Lichter aus (das WOCHENBLATT berichtete).

Mitarbeiter des niederländischen Wasserbauunternehmens "Van Oord", das die "Aeolus" in Auftrag gegeben hat, führen derzeit gemeinsam mit Systemlieferanten technische Detailarbeiten an dem Schiff durch. Sietas stellt nur noch eine Grundmannschaft an Ingenieuren und Arbeitern zur Verfügung, um die Werft-Infrastruktur bereitzustellen. Aktuell seien 150 Sietas-Mitarbeiter auf der Werft beschäftigt, verrät Schellenberg. "Die Zahl schwankt aber - je nachdem, welche Arbeiten anfallen." Im März dieses Jahres arbeiteten noch 400 Mitarbeiter bei Sietas.

So lange die "Aeolus" an der Este-Mündung in Neuenfelde liegt, gibt es Geld von "Van Oord". Rund 130 Mio. Euro soll das Schiff kosten, das für den Windpark-Bau in den Niederlanden eingesetzt werden soll.

Damit ein Investor die Werft übernimmt, muss dringend ein neuer Schiffbau-Auftrag her. Unter dem Kommando von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann sucht die Sietas-Geschäftsführung unter Hochdruck nach neuen Kunden. "Sietas hat eine große Tradition für den Bau von Spezialschiffen. Das kann ein Saugbaggerschiff oder z.B. ein Steintransporter sein", sagt Schellenberg.

Sofern ein Auftrag an Land gezogen werden kann, sollen zwei Unternehmen bereitstehen, die Werft zu übernehmen. Eins soll die Wilms-Gruppe aus Menden in Nordrhein-Westfalen sein. Schellenberg: "Sietas braucht aber schnell einen neuen Auftrag." Dann könnten theoretisch frühere Mitarbeiter aus der Transfergesellschaft zurückgeholt werden, die sich nicht schon anderweitig orientiert haben. Aktuell werden laut Schellenberg 123 ehemalige Sietas-Angestellte in einer Transfergesellschaft auf künftige Aufgaben vorbereitet.