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Flüchtling Misha Karamanovi will in Deutschland als Journalist arbeiten

Misha Karamanovi hat in der "Summer-School" vom NDR das Moderieren geübt (Foto: privat)
  am. Steinkirchen. Misha Karamanovi (20) möchte Journalist werden. In seiner Heimat Georgien hat er dieses Ziel verfolgt und es auch während der Flucht und der Ankunft in Deutschland nicht aus den Augen verloren. Hier in Stade hat er neben der Schule bereits an journalistischen Projekten - unter anderem beim NDR - teilgenommen.
Doch in den drei Sprachen, die er in seinem Leben bereits gelernt hat - Russisch, Georgisch und Kurdisch - kann er hier nicht berichten. Davon lässt er sich aber nicht von seinen Plänen abbringen. Trotz der großen Sprachhürde ist er fest entschlossen, hier in Deutschland als Journalist zu arbeiten. "Jeder von uns hat ein Talent", sagt Misha Karamanovi. "Wir wachsen daran, wenn wir versuchen, unsere Ziele zu erreichen".
In seiner Heimat hat er an einer Gesamtschule den Realschulabschluss erworben. Parallel dazu hat er an verschiedenen politischen und redaktionellen Projekten teilgenommen. "Ich habe mich schon früh für den Journalismus interessiert", sagt er. "Ich war Moderator im Schulradio und habe Berichte geschrieben und ich habe dort auch ein Schulfernsehprojekt gestartet."
Doch der junge Mann aus Georgien mit kurdischen Wurzeln musste all diese Projekte aufgeben und aus seiner Heimat fliehen, weil er zur jesidische Nationalität gehört und um sein Leben fürchtete. Mit seiner Mutter und seiner Schwester kam er im September 2014 nach Deutschland. Mit der Unterstützung vieler Menschen hat an er im Laufe der zwei Jahre, die er schon hier ist, die deutsche Sprache recht gut lernen und an journalistischen Projekten teilnehmen können. In der "NDR-Summer-School" übte er das Schreiben von Online-Berichten und erhielt Moderations-Sprachtraining. Außerdem nimmt er am Medien-Projekt "Connecting" im ABC-Bildungszentrum in Drochtersen teil. Er besucht momentan die BBS III und möchte danach sein Fachabi machen. Das WOCHENBLATT veröffentlicht nun einen kleinen Gastbeitrag (siehe unten), in dem er über seine Motivation und seinen Weg schreibt. Lediglich einige Wortstellungs- und Grammatikfehler hat die Redaktion in dem Beitrag korrigiert.


"Ich wollte lernen, um etwas Gutes für mein Land zu tun"

Viele wissen nicht, dass es in meiner Heimat ein ganz großes Problem mit Diskriminierung von nationalen Minderheiten gibt. Alle kennen Georgien als ein ruhiges und demokratisches Land, aber das ist leider nicht so. Ich hatte nur einen Traum. Ich wollte lernen, um etwas Gutes für mein Land zu tun.
Leider hat das nicht geklappt. Wegen meiner Nationalität, weil ich Kurde bin, hatte ich Probleme und musste mein Land verlassen. Es ist schrecklich, wenn die Menschen einander nach ihrer Nationalität beurteilen und nicht nach dem, was man gemeinsam für den Wohlstand des Landes und die künftigen Generationen erreichen könnte. Ich musste mit meiner Familie in ein Land flüchten, in dem ich die Sprache nicht kenne. Wir hatten damals nur ein Ziel: wegzugehen mit der Hoffnung, am Leben zu bleiben.
Jetzt bin ich in Deutschland. Das ist das Land, wo ich mich sicher fühle und keine Angst habe. Natürlich hatte ich auch in Deutschland Schwierigkeiten. Es war ein ganz anderes Land, andere Menschen und ein anderes Verständnis. In der Schule hatte ich keinen Kontakt mit den anderen Schülern. Wenn jemand mit mir gesprochen hat, habe ich überhaupt nichts verstanden. Es war schwer, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen, aber ich hatte nie wieder Angst, dass mir und meiner Familie etwas passieren kann.
Es ist sehr schade, wenn Menschen, die hier lernen und echte Probleme in ihrer Heimat haben, wieder zurückgeschickt werden. Es gibt viele Flüchtlinge, die Angst haben, dass in einer Nacht die Behörde mit der Polizei kommt und sie zurückschickt. Diese Angst habe ich auch. Ich möchte gerne hier bleiben und weiter lernen und nicht dorthin zurückgehen, wo ich mich nicht mehr zu Hause fühle und wo mich Menschen wegen meiner Nationalität hassen.
Misha Karamanovi