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"Ich sehe mich als Mittlerin": Interview mit Steinkirchens Bürgermeisterin Sonja Zinke

Sonja Zinke fühlt sich wohl in ihrer Rolle als Bürgermeisterin
am. Steinkirchen. Seit rund eineinhalb Jahren ist Sonja Zinke (38) Bürgermeisterin von Steinkirchen. Vor ihrer Wahl hatte die gelernte Physiotherapeutin und verheiratete Mutter zweier Kinder wenig politische Erfahrungen. Nicht alle Ratsmitglieder trauten ihr damals das Bürgermeisteramt zu. Sie musste einen Crash-Kurs in Lokalpolitik absolvieren. Das WOCHENBLATT hat sie jetzt besucht und nachgefragt, wie es ihr ergangen ist.

Frau Zinke, Sie konnten sich jetzt eine Zeit lang als Bürgermeisterin beweisen. Haben Sie Ihre Kritiker umstimmen können?
Es sind in der Tat Menschen auf mich zugekommen, die gesagt haben, dass sie zunächst skeptisch gewesen seien, sich dann aber haben überzeugen lassen. Etwas Negatives hat mir gegenüber keiner geäußert. Die Kritik ging damals auch nicht gegen mich als Person, sondern gegen meine politische Unerfahrenheit.

Und was haben Sie in Ihrer Zeit als Bürgermeisterin gelernt?
Dass man Politik nicht mit der Brechstange macht. Viele Dinge dauern ihre Zeit. Hinzu kommen natürlich die ganz konkreten politischen Abläufe, wie man Anträge stellt oder wie man als Bürgermeisterin eine Ratssitzung leitet. Da waren alle sehr geduldig mit mir. Und ich habe viel über die Gemeinschaft im Ort gelernt. Ohne Menschen, die sich engagieren, würde es nicht funktionieren. Die Integration der Flüchtlinge ist da ein gutes Beispiel, weil man den Prozess von Anfang an beobachten konnte.

Wo sehen sie Ihre Position als Bürgermeisterin in dieser Gemeinschaft?
Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich die Verantwortung für das Wohl aller Leute im Ort habe. Aber es ist ja nicht so, dass ich hier alleine stehe. Es gibt die Ratsmitglieder und die Verwaltung. Ich sehe mich eher als Mittleren zwischen den Menschen.

Wie meinen Sie das?
Ich habe im Laufe meiner Amtszeit an so vielen tollen Veranstaltungen teilgenommen und so viele engagierte Menschen kennengelernt. Ich kann jetzt den Kontakt herstellen, und die Menschen besser vernetzen.

Wie haben Sie sich selbst in der Zeit verändert?
Ich habe jetzt auf viel mehr Fragen, die an mich gestellt werden, eine Antwort. Ich freue mich immer, wenn Menschen auf mich zukommen. Ich habe auch gelernt, dass ich nicht immer eine Antwort haben muss. Denn ich weiß jetzt, wo ich sie finden kann. Was sich nicht verändert hat, ist aber die Aufregung vor den Ratssitzungen, die ich als Bürgermeisterin leite.

Wie ist das Bürgermeisteramt mit der Familie zu vereinbaren?
Das geht ganz gut. Ich mache viel vormittags, wenn meine Kinder in der Schule sind. Aber ohne die Unterstützung meiner Familie und Freunde würde es nicht gehen, zum Beispiel, wenn ich abends auf eine Ratssitzung gehe.
Möchten Sie wieder kandidieren?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe in der Zeit gemerkt, dass mir das wirklich Spaß macht. Und wenn ich wiedergewählt werde, warum nicht?