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Interview mit Lühes Rathaus-Chef Michael Gosch: "Wir haben noch Platz"

Das WOCHENBLATT sprach mit Michael Gosch, der vor wenigen Wochen zum vierten Mal Vater geworden ist (Foto: archiv)
bc. Steinkirchen. Knapp ein Jahr sitzt er jetzt auf dem Chefsessel im Rathaus in Steinkirchen. Höchste Zeit, einmal nachzufragen ob Michael Gosch (58) sein Job als Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe noch gefällt und was aktuell die größten Herausforderungen sind. Das WOCHENBLATT-Interview.

WOCHENBLATT: Sie sind vor wenigen Wochen zum vierten Mal Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch. Wie fit kommen Sie derzeit morgens ins Büro?

Michael Gosch: Obwohl ich ja ein Spätgebärender bin, klappt das ganz gut (lacht). Meine Frau nimmt mir viel ab.

WOCHENBLATT: Gerade weil Sie Vater von vier Kindern sind, dürfte es Sie freuen, dass die Samtgemeinde Lühe zu den familienfreundlichsten Gemeinden im Landkreis zählt, oder?

Gosch: Sicherlich. Wir sind stolz darauf, im kreisweiten Ranking an dritter Stelle zu stehen, was die Betreuungsquote angeht.

WOCHENBLATT: In den Kitas und Krippen ist also genügend Platz. Wie sieht es mit Bauland aus? Gibt es für Bauwillige Platz in der Samtgemeinde?

Gosch: Ja, im Baugebiet hinter dem Rewe-Markt gibt es 80 Bauplätze in verschiedenen Größen, von denen erst zwei Drittel vermarktet sind. Außerdem gibt es noch einige Baulücken.

WOCHENBLATT: In etwa 10.000 Menschen leben in Steinkirchen, Mittelnkirchen, Grünendeich, Hollern-Twielenfleth, Guderhandviertel und Neuenkirchen. Ganz schön wenig für eine Samtgemeinde?

Gosch: Mag sein, aber damit kann ich gut leben. Ich wüsste im Moment gar nicht, wo wir neues Bauland ausweisen sollten. Bevor man dem Obstbau Flächen wegnimmt, sollte man genau hinschauen. Die Produktion von Obst ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren.

WOCHENBLATT: Sie sind bekanntlich kein großer Fan einer Einheitsgemeinde.

Gosch: Das stimmt. Weil das Einsparpotenzial bei weitem nicht so groß ist, wie viele meinen. Mit einer Einheitsgemeinde bekämen wir auch nicht mehr Einwohner und mehr Steuereinnahmen. Außerdem wäre eine Umwandlung unter Demokratie-Aspekten eine Verschlechterung, weil die Gemeinderäte wegfallen. Den Menschen im Alten Land geht es doch eigentlich ganz gut.

WOCHENBLATT: Wie meinen Sie das?

Gosch: Statistisch gesehen gehören die Einwohner im Alten Land zu den kaufkräftigsten Menschen in Niedersachsen.

WOCHENBLATT: Würde sich dann nicht noch ein großer Lebensmittel-Einzelhändler in der Samtgemeinde lohnen?

Gosch:Das weiß ich nicht, aber was wir statt eines dritten großen Supermarktes eher brauchen, ist eine Drogerie.

WOCHENBLATT: Zuletzt wurde auch darüber spekuliert, ob Lühe ein neues Rathaus braucht.

Gosch: Das ist nicht völlig ausgeschlossen. Entweder wir modernisieren das alte Rathaus oder wir bauen ein neues. Das ist eine rein wirtschaftliche Betrachtungsweise. Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Eines möchte ich aber klarstellen. Wir alle fühlen uns im alten Rathaus sehr wohl.

WOCHENBLATT: Sie sind seit knapp einem Jahr Samtgemeinde-Bürgermeister. Von Haus aus sind Sie Rechtsanwalt. Helfen Ihnen Ihre juristischen Kenntnisse im Job?

Gosch:Auf jeden Fall. Beinahe täglich hat man mit Verträgen zu tun, muss Satzungen überprüfen. Außerdem hilft mir meine Berufserfahrung, wenn es darum geht, Menschen einzuschätzen.

WOCHENBLATT:Was sagt Ihnen Ihre Menschenkenntnis, wenn Sie die Entscheidungsträger beim Landkreis betrachten. Was erwarten Sie von der Kreisbehörde, um das Problem mit dem Schwerlastverkehr im Alten Land zu lösen?

Gosch: Manchmal würde ich mir mehr Mut beim Landkreis wünschen, die Kreisstraße 39 am Deich für Lkw über 7,5 Tonnen zu sperren. Alle sollten sich aber im Klaren sein, dass dann der Verkehr nur auf andere Strecken verlagert wird. Die Hoffnung liegt auf einer schnellen Fertigstellung der A26. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis funktioniert ansonsten aber wunderbar.

WOCHENBLATT: Ihre aktuell größte Herausforderung dürfte die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge sein, oder?

Gosch: Das Thema beschäftigt uns definitiv täglich. Wir haben großes Glück, dass wir so einen großen Kreis an Ehrenamtlichen haben, die sich um die Menschen kümmern. Außerdem bieten uns Bürger anständigen Wohnraum zur Anmietung an, um die Asylbewerber unterzubringen.

WOCHENBLATT: Wieviele Flüchtlinge leben derzeit in Lühe?

Gosch: 95 Personen, die wir weitgehend dezentral untergebracht haben. Angesichts der neuen Zahlen rechnen wir bis Ende Januar mit weiteren 60 bis 70 Menschen.