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Kirschbäume auf dem Deich? "Kein Problem"

Oberdeichrichter Uwe Hampe: "Es gab keinen Kahlschlag"
bc. Mittelnkirchen. Sind die Kirschbäume auf den Flussdeichen des Alten Landes Teil des Kulturdenkmals oder gefährden sie die Deichsicherheit? Um diese Frage ging es bei der Auftaktveranstaltung der neu gegründeten Interessengemeinschaft "Deichbürger13", zu der am Mittwoch mehr als 100 Bürger ins Dorfgemeinschaftshaus nach Mittelnkirchen kamen.

Das komplexe Thema bewegt die Menschen - nicht erst seit der Deichverband der II. Meile Altes Land einen Teil der Kirschbäume auf dem Lühedeich in Mittelnkirchen abholzen ließ (das WOCHENBLATT berichtete). Im Kern gehe es um die Frage, wie der Deichverband seinen Ermessensspielraum auslege, der ihm im Niedersächsischen Deichgesetz gewährt werde, fasste Dr. Thilo Töllner, Mitgründer der Deichbürger, zusammen. "Wir sind nicht gegen die Deichsicherheit", stellte er klar.

Oberdeichrichter Uwe Hampe verteidigte den Standpunkt des Deichverbandes: "Wir haben aus unserer Sicht nur kranke Bäume fällen lassen." Es habe keinen Kahlschlag gegeben. Der Deichverband habe sich an die Vorgaben der Aufsichtsbehörden des Landes zu halten, nach und nach den Baumbestand zu beseitigen. Hampe: "Es mag ja sein, dass einige Bäume ungefährlich für den Deich sind, aber dann muss das Gesetz geändert werden."

Deichbau-Experte Peter Quast kann die Diskussion nicht verstehen. Kirschbäume seien im Schutz der Bebauung unschädlich für den Deich. Ein Kirschbaum wurzele in die Tiefe. Nach Angaben von Quast habe es noch keinen Fall gegeben, in dem die Wurzel eines Kirschbaumes einen Deich zerstört habe.

Grünen-Landtagsabgeordnete Elke Twesten kündigte an, sich in Hannover um die Problematik zu kümmern: "Die Frage ist, ob im Alten Land eine Situation vorherrscht, die eine Ausnahmeregelung im Gesetz rechtfertigt." Twesten will sich für ein neues Kirschbaum-Gutachten einsetzen.

Die Diskussion im Dorfgemeinschaftshaus zeigte aber auch, dass es beileibe nicht nur um Bäume geht. Stichwort: Modernisierung der Häuser auf dem Deich. Deichbürger Volker Weinhard machte es deutlich: "Dürfen wir unsere Häuser nicht mehr renovieren, wird die historische Kulturlandschaft beschädigt." Eine Gesetzes-Änderung müsse her.

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